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82 % der Therapeuten gaben in meiner Instagram-Umfrage an, dass sie sich nach ihrer Ausbildung nicht wirklich sicher gefühlt haben. Doch ist das wirklich ein Problem – oder vielleicht sogar ein wichtiger Teil der Entwicklung?
In dieser Folge spreche ich mit Marlena Riemann, Human- und Pferdephysiotherapeutin, über die Realität der ersten Jahre im Beruf. Wir sprechen über Unsicherheit, Verantwortung, die ersten Patienten, den Unterschied zwischen Ausbildung und Praxis und darüber, warum therapeutische Sicherheit oft nicht durch noch mehr Wissen entsteht, sondern durch Erfahrung, Reflexion und den Mut, Entscheidungen zu treffen.
Außerdem geht es um die Frage, welche Vorteile die Humanphysiotherapie für die Arbeit am Pferd mit sich bringt, welche Herausforderungen viele Therapeuten nach der Ausbildung erleben und warum das eigene Pferd manchmal der schwierigste Patient sein kann.
Eine ehrliche Folge für alle, die sich schon einmal gefragt haben: „Mache ich das eigentlich richtig?“
Transkript:
Zwischen Anspruch und Alltag: Im Gespräch mit Marlena Riemann über die Realität als Pferdephysiotherapeutin
Denise Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Pferde, Schäfer und Menschen. Ich habe heute einen Gast, auf den ich mich sehr freue: Marlena Riemann. Marlena arbeitet sowohl als Humanphysiotherapeutin – das bin ich ja auch – als auch als Pferdephysiotherapeutin, und genau diese Kombination fand ich unglaublich spannend. Wir werden heute thematisch darauf eingehen, was die Vorteile sind, erst eine Humanphysiotherapie-Ausbildung zu machen, aber auch über die Herausforderungen sprechen, nach einer Pferdephysiotherapie-Ausbildung auf die Pferde losgelassen zu werden – oder sich selbst loszulassen. Ich glaube nämlich, dass viele Therapeuten das Gefühl kennen, die Ausbildung abgeschlossen zu haben, vielleicht sogar mehrere Fortbildungen gemacht zu haben, und plötzlich steht dann ein tierischer Patient vor einem und man denkt: Oh Gott, was jetzt? Hallo Marlena, schön, dass du da bist. Ich würde direkt mit der Frage starten: Erinnerst du dich noch an deinen ersten Patienten nach der Ausbildung?
Marlena Hi Denise, vielen Dank erstmal, dass ich heute bei dir zu Gast sein darf. Ja, ich erinnere mich noch ziemlich genau daran. Am Anfang war ich echt super aufgeregt, total nervös, und habe gedacht: Oh Gott, hoffentlich kriege ich das hin, hoffentlich weiß ich, wie ich das alles strukturiert bekomme. Das war am Anfang gar nicht so einfach. Aber man gewöhnt sich dran.
Denise Wahrscheinlich warst du genauso aufgeregt wie jetzt bei deinem ersten Podcast zu diesem Thema. War das eher Vorfreude, oder war die Sorge größer, nicht das Richtige zu finden? Wie war das für dich bei der Behandlung – war das ein Pferd, das du kanntest, oder war Pferd und Besitzer dir komplett fremd?
Marlena Es gibt natürlich immer mega viele Möglichkeiten, und man will ja sofort alles richtig machen, die richtige Ursache finden – so einfach war das dann nicht. Es war tatsächlich eine Bekannte von mir, aber das Pferd lief im hohen Sport. Wenn man dann als Erstes auf so ein Pferd losgelassen wird, hat man total Angst, was ist, wenn es jetzt nicht funktioniert oder hinterher schlechter ist als vorher. Aber sie haben dann ein bisschen auf mich vertraut, das hat es mir einfacher gemacht. Und wenn man sich erstmal konzentriert und im Thema ist, geht es einem auch leichter von der Hand, als wenn es noch vor einem liegt.
Denise Die Nervosität war wahrscheinlich vor dem Termin größer als während der Behandlung selbst, oder?
Marlena Ja, absolut. Man macht sich vorher tausend Gedanken.
Denise Aber wenn man dann erstmal dabei ist, klappt das ganz gut. Ich finde das interessant, weil ja auch viele als Quereinsteiger in den Beruf der Pferdephysiotherapeutin kommen. Du warst aber schon Human-Physiotherapeutin und kanntest im Grunde schon, wie man Patienten begrüßt, Anamnese erhebt und so weiter – das war dir also schon vertraut. Und trotzdem warst auch du vor deiner ersten Behandlung nervös. Es hat dann aber gut geklappt und du hast auch etwas Passendes gefunden – wie war das Erlebnis für dich?
Marlena Es hat tatsächlich gut geklappt, es gab auch eine gute Rückmeldung, das war schön. Man hat ja immer Angst, dass sie am nächsten Tag oder drei Tage später noch Muskelkater haben und platt sind, obwohl sie samstags zum Turnier müssen. Aber es hat total gut geklappt.
Denise Wie lange bist du mittlerweile schon dabei? Du hast die Ausbildung ja bei mir als Dozentin gemacht, daher kennen wir uns auch und haben seitdem regen Austausch, was ich sehr angenehm finde. Du bist jetzt, glaube ich, zwei, drei Jahre dabei, oder?
Marlena Tatsächlich schon drei Jahre.
Denise Wenn wir mal Theorie gegen Realität schauen: Du hast die Pferdephysiotherapie-Ausbildung angefangen mit der Vorstellung, beruflich einen anderen Weg zu gehen. Viele stellen sich den Berufsalltag während der Ausbildung ja irgendwie vor – wie war das bei dir? Was hast du erwartet, und was war dann die Realität? Gab es Dinge, die du dir anders vorgestellt hast?
Marlena Ja, schon. Ich habe am Anfang gedacht, dass es deutlich leichter ist, sich damit ein Stück weit selbstständig zu machen. Das ist tatsächlich gar nicht so einfach – da habe ich mich schon ganz schön erschrocken. Und es ist eben nie nach Lehrbuch, kein Pferd ist wie das andere. Das war tatsächlich anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Aber man orientiert und strukturiert sich neu, und dann kriegt man das auch hin. Ich hatte auch gedacht, dass die verschiedenen Berufsgruppen öfter gerne zusammenarbeiten – das ist tatsächlich auch nicht immer so. Das habe ich mir einfacher vorgestellt. Mittlerweile hat man sein Netzwerk und dann klappt das auch gut, aber das fällt einem nicht in den Schoß.
Denise Man hat manchmal ganz tolle Ideen und denkt, das kann doch der andere aufgreifen, da kann man super zusammenarbeiten – und dann merkt man, dass das nicht immer so einfach ist. Ich finde vor allem zeitlich, sich zum Beispiel mit einem Hufbearbeiter oder Trainer noch auszutauschen, das ist organisatorisch manchmal schwierig. Was war für dich die größte Herausforderung?
Marlena Ich glaube tatsächlich, Zeitmanagement ist ein großer Faktor. Wir haben ja schon die Behandlungszeit selbst, und jeder hat viel zu tun – das kann man nicht einfach noch in die Behandlungszeit mit einplanen. Da muss man hier anrufen, da anrufen, man hat einfach nicht so viel Zeit. Viele Leute, viel Austausch, und das kommt alles auf die Behandlungszeit noch obendrauf.
Denise Also könnte man sagen, dass eigentlich gar nicht die Tätigkeit als Therapeutin selbst die Herausforderung war, sondern das ganze Organisatorische drumherum? Du hättest dir wahrscheinlich nicht vorgestellt, dass das so viel Arbeit neben der Arbeit ist, oder?
Marlena Genau. Man hat wirklich neben der Arbeit noch mega viel zu tun, das hätte ich mir einfacher vorgestellt. Aber wenn man es rund machen will, muss man wirklich viel investieren und sich mit vielen Leuten auseinandersetzen, damit das am Ende eine runde Sache wird.
Denise Die Pferdebesitzer der vielen verschiedenen Pferde kontaktieren einen ja auch zu allen möglichen Zeitpunkten. Ich finde das immer total herausfordernd, dann gedanklich zuzuordnen: War das jetzt erst zwei Wochen her – was war nochmal mit dem Pferd, war das die Besitzerin, war das der Befund? Das nicht durcheinanderzuwerfen und gedanklich so zu springen, finde ich manchmal eine ganz schöne Herausforderung.
Marlena Ja, absolut. Da fährt man dann auch einfach zu viele Pferde.
Denise Du bist ja auch noch in der Praxis angestellt und arbeitest dort als Humanphysiotherapeutin. Was hat dir deine Humanphysiotherapie-Ausbildung für Vorteile – oder auch Nachteile – für die Arbeit am Pferd gebracht?
Marlena Grundsätzlich ist es erstmal ein mega Vorteil, dass meine Hände schon ultra geschult sind – die sind da wirklich richtig gut, das hat man sich lange erarbeitet, das fällt einem auf keinen Fall einfach in den Schoß. Und was Befundungen angeht, hat man natürlich ein Verständnis für Anatomie, Biomechanik und so – da hat man schon ein ganz anderes Verständnis.
Denise Das erlebe ich auch in unseren Kursen: Einige sind Humanphysios, andere kommen aus ganz anderen Fachrichtungen, und jeder bringt seine Stärken mit und hat auch seine Schwachstellen. Bei der palpatorischen Hand am Pferd ist der Unterschied zu denen, die aus einem ganz anderen Bereich kommen, tatsächlich groß – das macht es dann doch etwas einfacher, am Pferd schneller etwas zu fühlen.
Marlena Ja, absolut. Und das fand ich auch am Anfang meiner physiotherapeutischen Ausbildung wirklich schwierig – im normalen Bereich meine ich. Bis man eine wirklich geschulte Hand hatte, das war schon nicht so einfach.
Denise Das ist aber auch etwas, was natürlich auch ein Quereinsteiger lernen kann, das Palpieren. Ich finde, man hat da wirklich Vorteile, aber auch beim Verständnis, wie ein Gelenk funktioniert. Konntest du auch Sachen, die du am Pferd gelernt hast, auf den Menschen übertragen? Gab es Techniken, bei denen du dachtest: Das habe ich am Pferd gelernt, das probiere ich jetzt am Menschen aus?
Marlena Ich habe tatsächlich mal diese Jones-Technik gemacht, das hat auch gar nicht so schlecht geklappt. Da habe ich mich schon etwas gewundert, weil der Mensch sonst oft schnell dagegenhält und bewusst beeinflusst, was er auch nicht kennt. Das war ganz cool.
Denise Das ist ganz interessant – diese Techniken, mit denen wir arbeiten, haben ja immer kluge Namen: Jones-Technik, Strain-Counterstrain und solche Geschichten. Im Grunde zieht man entweder Strukturen auseinander und verschafft ihnen mehr Beweglichkeit, oder man schiebt die Strukturen zusammen, damit das Nervensystem entsprechend reagiert und sich quasi wie ein Computer neu sortiert – man möchte, dass die Rezeptoren in Muskeln oder Faszien weniger melden. Ich hatte in einem meiner Kurse eine Teilnehmerin, die sagte: Krass, das haben wir am Menschen nie so gelernt, dass man Strukturen zusammenschiebt – das ist eher aus dem Bereich der Osteopathie, dass man Strukturen zusammenschiebt, damit dem Körper vorgegaukelt wird, da ist jetzt keine Spannung mehr, du kannst dich entspannen. Sie konnte sich zunächst gar nicht vorstellen, wie das funktionieren soll, und beim nächsten Kurs erzählte sie dann, sie habe es bei ihren Humanpatienten ausprobiert – und es funktioniert tatsächlich. Hast du auch den Eindruck, dass diese weicheren Techniken beim Pferd besser funktionieren als Techniken, die viel auseinanderziehen und mehr Kraft erfordern?
Marlena Ja, ich finde schon, dass die weicheren Techniken mehr Einfluss auf das Pferd nehmen und dass es dabei auch länger kooperativ ist. Mir ist gerade eingefallen, man kennt dieses Stauchen oder Zusammenschieben ja auch von Spastiken bei Neuropatienten – da merkt man es manchmal richtig krass. Das ist wirklich ganz spannend.
Denise Ich finde es schön, dass das so funktioniert, auch wenn biomechanisch natürlich einiges anders ist. Mich hat auch immer begeistert, wenn Leute fragen, wie man ein Pferd behandelt – das sei doch bestimmt total anstrengend. Für mich ist das körperlich eher weniger anstrengend, auch wenn man mal den ganzen Kopf des Pferdes auf der Schulter hat oder ein Vorderbein hält und das Pferd sich mit dem Gewicht darauflegt. Eigentlich ist es körperlich weniger anstrengend, weil wir mit viel feineren Techniken viel weiter kommen, oder?
Marlena Ja, absolut, total.
Denise Wie bist du überhaupt darauf gekommen zu sagen, ich möchte nicht nur reine Humanphysiotherapeutin bleiben, sondern auch Pferde behandeln? Hast du da selbst eine Erfahrung gemacht?
Marlena Ich habe eine Stute, die ich mit vier, fünf Jahren bekommen habe. Am Anfang war sie wirklich von einem kleinen Finger zu reiten, aber mit der Zeit wurde das etwas schwieriger, ein bisschen widersetzlich. Ich habe sie immer behandeln lassen, von wie vielen weiß ich gar nicht mehr, aber es wurde nie wieder so, wie es mal war. Irgendwann dachte ich: Ich probiere das jetzt einfach selbst, und habe daraufhin die Ausbildung gemacht. Ich muss sagen, dass ich damit wirklich einen ganz guten Erfolg erzielt habe und mich dann auch auf mich selbst verlassen habe, gesagt habe: Hier ist irgendwas nicht in Ordnung, und dann muss ich es eben selbst probieren. Das hat sich bei der Stute wirklich schön ausgewirkt und hat gut geklappt.
Denise Ich habe in Ausbildungen auch oft gehört, dass Leute sagen, sie machen das nur für ihr eigenes Pferd – und ich habe mir dann gedacht: Was für ein Investment, eine ganze Ausbildung, zeitlich und finanziell, nur um das eigene Pferd zu behandeln. Das war aber nicht deine Idee, oder? Dass du das nur für dein eigenes Pferd machst?
Marlena Nein. Das war zwar mein Antrieb, wie die Idee überhaupt entstanden ist, aber die Idee war schon direkt, auch therapeutisch tätig zu werden. So, wie ich das jetzt mache – vormittags noch ein paar Stunden in der Praxis angestellt und den Rest nachmittags selbstständig – ist natürlich richtig cool. Ich wollte eigentlich voll selbstständig arbeiten, aber das ist auch ein Heidenaufwand und nicht so einfach.
Denise Kann ich bestätigen. Ich finde die Selbstständigkeit bei mir selbst manchmal schwierig – wenn man das schon so viele Jahre macht, wird man auch sehr eigen in seinen Vorstellungen. Es gibt einem viele Chancen, aber wenn ich Tiefpunkte habe, überlege ich manchmal, ob ich mich nicht besser anstellen lassen sollte, ob ich nicht einfach zum Lidl gehen und dort Dienst nach Vorschrift machen sollte. In schlechten Phasen denke ich das tatsächlich – zurück in die Anstellung. Aber dann versuche ich wieder, die Chancen der Vollselbstständigkeit zu sehen. Ich glaube aber, dass eine Festanstellung durchaus Vorteile hat, mit den Sozialversicherungs- und Rentenbeiträgen, die man nicht alles selbst organisieren muss. Möchtest du das irgendwann, hast du diese Idee?
Marlena Ich glaube, ich hätte schon richtig Bock drauf, ich würde es richtig cool finden. Aber es birgt auch viele Risiken, und dann traut man sich vielleicht nicht so ganz, weil man ja wirklich für sehr viel verantwortlich ist.
Denise Was sind, wenn du die Behandlung selbst anschaust, von der Zeit und dem Ablauf her, die größten Gemeinsamkeiten, aber auch die größten Unterschiede im Behandlungsalltag zwischen Humanpraxis und Pferd?
Marlena In der Humanpraxis ist die Zeit einfach begrenzt, wir arbeiten im 20-Minuten-Takt. Da ist man im Stress und kann manchmal nicht so handhaben, wie man es für richtig halten würde, wenn man die Zeit nicht hat. Beim Pferd ist das anders: Wenn man mal eine Viertelstunde länger braucht oder etwas nochmal machen will, hat man die Zeit dafür, und kann dadurch deutlich effektiver Therapie anbieten. Das ist Fluch und Segen zugleich. Man kann aber selbst entscheiden, mit welcher Technik man arbeitet und was man gerade für richtig hält – in der humanen Physiotherapie sind einem da die Hände etwas gebundener.
Denise Man ist ja auch komplett weisungsgebunden – das hatte ich total vergessen. Wenn auf dem Rezept Lumbalsyndrom steht, darfst du im Grunde rein rechtlich nur die Lendenwirbelsäule behandeln, oder bei Knieproblemen nur lokal das Knie. Das kann ich mir kaum vorstellen. Oder man übernimmt für 20 Minuten mal einen Patienten, den man sonst nie wieder sieht – was macht man denn in diesen 20 Minuten? Dann kann man ja nur symptomatisch das machen, was demjenigen gerade Probleme macht, oder?
Marlena Ja, absolut. Man hat nicht so viel Zeit, sich mit den großen Zusammenhängen zu beschäftigen, und kann nicht so ganzheitlich draufschauen und behandeln, wie man das vielleicht beim Pferd machen kann.
Denise Wer setzt es denn besser um – die Pferdebesitzer mit ihren Pferden, oder die Humanpatienten?
Marlena Ich würde schon sagen, dass die Pferdebesitzer das mit ihren Pferden besser umsetzen als die Leute in der Humanphysiotherapie.
Denise Spannend, oder? Die Pferde machen dann natürlich auch mit, aber ich finde auch, es ist einfacher, dem Pferdebesitzer zu sagen, du musst hier und da Übungen machen, mehr Bewegung, mehr hiervon und davon. Sagt man einem Humanpatienten, das in den Alltag einzubauen, machen die das meistens nur, solange der Leidensdruck groß genug ist, oder?
Marlena Ja, tatsächlich. Warum auch immer das manchmal so ist – die Leute geben für ihre Tiere deutlich mehr, als sie für sich selbst tun. Solange es richtig wehtut, machen sie ihre Hausaufgaben, um eine Linderung zu erfahren. Aber sobald es einigermaßen gut ist, hören sie meistens einfach auf.
Denise Und dann wird es wieder schlechter, und dann können sie sich irgendwann gar nicht mehr bewegen und gehen erst wieder zur Physiotherapie oder Osteopathie, wenn die Schmerzen zu groß sind. Ich finde das psychologisch interessant, dass man dem eigenen Pferd oder Tier manchmal mehr Wert zuspricht, mehr Verantwortung dafür übernimmt, auch für sein Kind, als für sich selbst – obwohl es genauso wichtig ist, dass man selbst fit ist. Du hast ja eine Stute – machst du genauso viel für dich selbst wie für sie? Ich denke nicht.
Marlena Ich versuche schon, zum Beispiel Mineralstoffe zu nehmen, zum Sport zu gehen, mich ein bisschen um mich zu kümmern – das versuche ich schon. Aber ich würde schon sagen, dass mein heiliges Pferd alles hat und alles kriegt, und da mache ich deutlich mehr für sie als für mich selbst.
Denise Das ist ganz witzig – ich glaube, wenn mein Sohn etwas hätte, würde ich wahrscheinlich schneller reagieren, als wenn ich selbst etwas hätte. Aber die Vollselbstständigkeit zeigt einem ja auch die eigenen Schwächen auf, und so wurde auch ich an meine Grenzen gebracht und habe gemerkt, dass ich fit sein muss. Mein Körper ist mein Kapital – ich kann mich nicht einfach schnell krankschreiben lassen, das macht ein Angestellter zwar auch nicht so schnell, aber ich habe auch nicht die Krankenversicherung, die von den ersten Tagen an zahlt. Das ist also gleichzeitig ein Nachteil und ein Vorteil: Wenn du voll selbstständig wärst, müsstest du deine eigene Gesundheit noch mehr priorisieren.
Marlena Ja, das ist auf jeden Fall so, da bin ich mir ziemlich sicher. Ich mache jetzt nur noch 20, 25 Stunden angestellt, den Rest arbeite ich mit den Pferden, und selbst da macht man sich schon Gedanken, weil wenn man nicht fit ist, fehlt einem sofort etwas beim Arbeiten. Im Angestelltenverhältnis ist man manchmal einfach krank, und das ist es dann. Aber wenn man selbstständig arbeitet und verantwortlich ist, versucht man wirklich, fit zu sein und auf sich aufzupassen. Das ist einfach so.
Denise Was ich auch finde: Wenn wir mit den Pferden arbeiten, muss ich meine eigenen Themen komplett im Auto oder zu Hause lassen. Wenn ich mit dem Pferd arbeite, muss ich voll präsent sein. Das ist zwar in der Praxis beim Menschen eigentlich auch nicht anders – man hat auch da manchmal eigene Themen, Stress oder etwas Gesundheitliches zu Hause, das man hinten anstellen muss.
Marlena Ja, genau. Bei Menschen geht es vielleicht trotzdem eher, weil die in der Regel nicht hauen, beißen oder treten. Aber beim Pferd muss man immer zuhören, zugucken, aufpassen und voll da sein, sonst wird es schwierig.
Denise Das stimmt. Und das ist ja auch so komplex – das ist nochmal etwas anderes, als wenn man bei einer Behandlung auf Rezept mal sagt, heute machen wir ein bisschen Wischi-Waschi, oder wir sind beide heute nicht so gut drauf, dann machen wir halt was Nettes, Entspannendes. Wenn dich der Pferdebesitzer anruft, ist mein Anspruch – und ich glaube, du bist da ein ähnlicher Typ, wir sind ja viel im Austausch –, dass man wirklich voll präsent bei der Arbeit und beim Pferd ist, weil die komplexen Fälle ja einfach vor einem stehen. Da darf man sein eigenes Ego mal hinten anstellen und schauen, dass man wirklich voll für Pferd und Pferdebesitzer da ist.
Marlena Ja, absolut.
Denise Ich habe noch ein Thema, das ich sehr wichtig finde – die Realität des Therapeutendaseins, oder die Realität von komplexen Fällen. Viele glauben ja nach der Ausbildung, dass man irgendwann an einen Punkt kommt, an dem man alles weiß. Meine Erfahrung ist: Je mehr ich weiß, desto mehr weiß ich, was ich nicht weiß. Wie war das bei dir – hast du gedacht, nach der Ausbildung ist Therapie immer schwarz und weiß? Oder gab es Fälle, die dich besonders geprägt haben?
Marlena Das ist ähnlich wie in der Humanphysiotherapie: Man ist ausgelernt und weiß vielleicht einen kleinen Teil, aber muss noch mega viel lernen. Manchmal weiß man nicht weiter und muss nochmal nachschauen. Es wird nie so sein, dass wir alles wissen.
Denise Eine gute Eigenschaft übrigens. Nach meiner Humanphysiotherapie-Ausbildung hatte ich einen sehr guten Abschluss und dachte, ich weiß jetzt alles. Es war eher das Gegenteil, und dass Therapie nicht schwarz-weiß ist – dass, wenn ein Pferd Knieprobleme hat, man eben nicht nur das Knie behandelt. Gibt es Fälle, die dich besonders geprägt haben?
Marlena Ich habe mal ein Pferd behandelt – ich will nicht sagen, ich habe mich dumm und dämlich behandelt, aber wir haben wirklich einiges getan, und es wurde und wurde nicht besser. Am Ende hatte das Pferd eine Magenproblematik. Da sieht man wieder, von wie vielen Faktoren das abhängig ist: Der Stall war schlecht, die Fütterung war schlecht, dem Pferd ging es grundsätzlich schlecht. Man denkt erst, wir gucken mal hier, mal da, und am Ende war es ganz anders.
Denise Was hat das Pferd denn gezeigt? Du hattest wahrscheinlich schon viele körperliche Befunde, und die Idee des Besitzers war wahrscheinlich, Marlena kommt jetzt, macht alles gerade und dann ist alles gut – oder was hat das Pferd für Probleme gezeigt?
Marlena Der hatte auf jeden Fall richtig schönen Sattelzwang und auch Gurtzwang, hat richtig gebissen. Er hatte wirklich Schmerzen, war immer platt, immer steif und im Umgang eher schlecht gelaunt – gereizter Magen, gereiztes Pferd. Ich habe erst gedacht, na komm, lass den Sattel mal machen, dann nadelst du den mal, dann guckst du mal und dann wird er schon. So war es aber nicht.
Denise War es bei dem Pferd trotzdem so, dass es kurzzeitig besser wurde?
Marlena Ja. Das hat aber keine vier Wochen gehalten, sondern zwei. Dann bin ich noch ein-, zweimal hingefahren, und irgendwann habe ich gesagt: Sorry, ich kann jetzt noch fünfmal wiederkommen, aber ich habe nicht das Gefühl, dass das ist, was das Pferd braucht. Klar könnte ich mir damit eine goldene Nase verdienen, aber wir haben die Ursache nicht gefunden – bis irgendwann jemand gesagt hat, ruf doch mal einen Tierarzt an, vielleicht muss man auf den Magen gucken.
Denise Und so war das dann auch. Jetzt bist du den Patienten manualtherapeutisch los?
Marlena Tatsächlich nicht.
Denise Du hast ja auch die Masterclass Pferdemagen gemacht – das heißt, du bist vorbereitet auf Magenpferde und kannst die auch einordnen.
Marlena Genau. Und ich finde es immer wieder krass, wie viele Pferde wirklich Magenprobleme haben. Das habe ich früher nicht gewusst – mir war nicht bewusst, wie viele Pferde Probleme mit dem Magen haben und wie sich das auswirken kann. Da habe ich wirklich viel gelernt.
Denise Das hatten wir ja auch bei deiner eigenen Stute, wenn ich das sagen darf – das ist immer total schwierig, das eigene Pferd zu behandeln. Wir hatten uns deine Stute ja auch gemeinsam angeschaut, und sie hatte einige körperliche Baustellen, aber das eigentliche Grundthema war vermutlich auch der Pferdemagen. Ich weiß, dass du mir irgendwann zurückgemeldet hast, dass du nicht gedacht hättest, dass sich gastrointestinale Thematiken so auf den Bewegungsapparat auswirken können.
Marlena Ja, genau, das war halt so. Da habe ich selbst nicht schlecht geguckt. Ich habe immer gesagt, ich behandle sie ja, ich kenne mein Pferd, ich sehe alles bei meinem eigenen Pferd – und so ist es nicht. Für mich war das so, dass ich nicht unbefangen auf mein Pferd gucken und sagen konnte, sie hat auf jeden Fall das und das, weil manche Sachen will man vielleicht auch nicht wahrhaben. Ich wollte, glaube ich, auch nicht wahrhaben, dass mein Pferd auf jeden Fall etwas mit dem Magen hat. Dabei sah sie eigentlich immer etwas schlecht aus, hatte selbst ein bisschen Sattelzwang und war immer etwas gereizt – aber das wollte ich selbst vielleicht nicht so sehen.
Denise Vielleicht nicht gesehen, oder nicht sehen wollen. Ich glaube, das ist auch ganz viel emotional – wenn man sofort denkt, oh Gott, ich habe alles verkehrt gemacht. Das Pferdethema ist sehr emotional, und das ist auch die Besonderheit in der Kommunikation mit dem Pferdebesitzer, dass da so viel Emotion dahintersteckt, während man auf der anderen Seite als Therapeutin auch die eigenen Grenzen ziehen muss. Aber was du beschreibst, ist ja ein Klassiker: Immer wieder kommt der Sattler, immer wieder wird der Sattel angepasst, und das Pferd muskelt nicht richtig auf. Wie viele Sattler hattest du an deinem Pferd, bis festgestellt wurde, dass da noch ein anderes Thema war?
Marlena Ich würde schon sagen, allerspätestens jedes halbe Jahr.
Denise Und das nicht nur zur Kontrolle, sondern weil du wirklich gedacht hast, es liegt am Sattel?
Marlena Ja, genau. Ich habe gedacht, das kann ja nicht sein, ich habe sie ja behandelt, ich habe alles gemacht, und trotzdem ist das so. Und dann schiebt man es, vielleicht automatisch, auf den Sattel. Aber so war es dann nicht.
Denise Es war eben nicht der Sattel. Es ist aber auch tatsächlich so, dass Pferde, die Probleme in der Sattellage haben, extrem empfindsam auf Unebenheiten im Sattel reagieren. Eine Veränderung des Sattels bringt dann meistens, ähnlich wie eine physiotherapeutische Behandlung, erstmal eine kurze Linderung – und dann hat man wieder dasselbe Problem.
Marlena Ja, das ist dann dieser Teufelskreis.
Denise Behandelst du deine eigene Stute jetzt noch regelmäßig? Baust du dafür feste Zeiten ein, oder kannst du sie überhaupt gut behandeln?
Marlena Ich kann sie behandeln, ich habe sie früher etwa alle acht Wochen behandelt. Im Moment läuft sie richtig gut, und wenn ich das Gefühl habe, dass sie weder widersetzlich ist noch viel auf der Hand liegt, sondern gut zu reiten und zufrieden ist, dann lasse ich es auch mal. Aber spätestens alle vier Monate gucke ich schon mal drüber, und ich bin damit immer gut gefahren – andere haben das belächelt, man müsse sein Pferd doch nicht so oft behandeln. Aber ich habe das Gefühl, dass sie sich dadurch nochmal entwickelt und verbessert hat. Und als wir das einmal gemeinsam gemacht haben, läuft sie seitdem auch besser. Man kann schon viele Sachen selbst sehen, aber es ist nie verkehrt, noch jemand anderen zu fragen.
Denise Das kennen wir aus eigenen gesundheitlichen Themen. Wenn man selbst etwas hat, schaut man durch eine Brille, und dann kommt jemand anderes und sagt, setz doch mal eine andere Brille auf, und hat vielleicht eine ganz andere Idee. Gab es also auch bei deinem eigenen Pferd Zusammenhänge, die du bei einem Kundenpferd dann viel schneller erkannt hast? Hat dir dein eigenes Pferd geholfen, bei Kundenpferden Themen schneller zu erkennen?
Marlena Ja, auf jeden Fall.
Denise Wenn du den ganzen Tag behandeln würdest, wie viele Pferde könntest du am Tag behandeln, wenn es gut werden soll?
Marlena Vier, maximal. Erstens ist es zeitaufwendig, und auch die Aufnahmefähigkeit und Konzentration – man will dem vierten Kunden ja genauso viel mitgeben wie dem ersten. Ich kann nicht acht Stück am Tag machen, bis ich umfalle.
Denise Könnte ich auch nicht. Jeder hat eine andere Arbeitsweise – wenn mir jemand sagt, der andere Therapeut hat nur 20 Minuten gebraucht, sage ich ganz diplomatisch, jeder arbeitet anders und hat einen anderen Fokus. Als ich angefangen habe, habe ich auch maximal vier Pferde behandelt, mittlerweile bin ich bei drei, weil ich dachte, ich werde irgendwann schneller – aber ich werde immer langsamer. Vor allem, weil bei mir der beratende Teil, die Kommunikation mit dem Besitzer, meistens noch viel mehr Raum einnimmt als die eigentliche manualtherapeutische Behandlung. Hast du das auch?
Marlena Ja, bei mir ist das auch so. Die wollen viel wissen, viel fragen, hätten am liebsten zu allen Sachen sofort eine Antwort. Man will es aber auch gut machen, vernünftig beraten, erzählen und erklären, und das dauert einfach seine Zeit.
Denise Und ich denke, die richtigen Kunden finden dann auch zu einem und wissen, dass man das gründlich macht und Ansprechpartnerin ist. Es passt ja auch nicht jeder Kunde zu einem, oder man selbst passt nicht zu jedem Kunden. Hattest du auch schon mal welche, bei denen du dachtest, das passt super, und bei anderen, ein netter Mensch, aber das wird mit jemand anderem besser passen?
Marlena Ja, genau. Das war auch wirklich etwas, das ich erst lernen musste – zu akzeptieren, dass man nicht mit jedem Kunden oder jedem Pferd zusammenpasst.
Denise Und das muss man ja auch nicht persönlich nehmen, weder der Kunde noch man selbst. Wir sind alle sehr unterschiedlich, die Pferdebesitzer sind unterschiedlich, und es kann nicht jeder maximal von dem Therapeuten profitieren, den er als Erstes anruft. Wenn es passt, bleibt man zusammen, und wenn es irgendwann nicht mehr so gut passt oder man das Gefühl hat, nicht weiterzukommen, finde ich es schön, wenn ein Kollege mal einen anderen Blick draufwirft.
Marlena Und letztendlich kann man dann auch nochmal Rücksprache halten – hast du was anderes gefunden, hast du durch eine andere Brille geguckt, was war es letztendlich? Dadurch kann man auch lernen.
Denise Genau, manchmal finden die ganz andere Sachen. Und wenn zwei Leute dasselbe Pferd behandeln würden, würden sie nie zum gleichen Ergebnis kommen – vielleicht schwerpunktmäßig, der eine findet den Genickbereich besonders fest, der andere eher Knie oder Sprunggelenk, aber wie man das dann verbindet, ist wieder eine andere Sache. Marlena, wenn ein ganz komplizierter Fall vor dir steht – was gibt dir da heute Sicherheit, und was hat sich in diesen drei Jahren schon verändert im Vergleich zum Anfang?
Marlena Ich glaube, man hat irgendwann eine andere Struktur aufgebaut. Man betrachtet ganz viele unterschiedliche Dinge, auch grundsätzliche wie Haltung und Fütterung, und kann dadurch schon vieles einordnen und ausschließen. Das hat mir immer geholfen, erstmal eine Struktur zu haben.
Denise Auch über das Manualtherapeutische hinaus, wie Haltung und Fütterung – das hättest du am Anfang vielleicht nicht gedacht, dass das so sehr zu deinem Themenfeld wird, oder?
Marlena Nein, genau. Früher habe ich mir gedacht, na gut, dann sind sie eben draußen in der Herde, aber ich habe mir wenig Gedanken gemacht, ob sie dort in Ruhe stehen, ob sie dadurch Stress haben, ob sie das ganze Jahr auf dem Sandpaddock oder auf der Wiese stehen – wie viele unterschiedliche Einflüsse es da gibt.
Denise Und wie wichtig die sind. Das heißt, du gehst jetzt viel strukturierter und mit einem ganz anderen Blick zum Stall und schaust dir wahrscheinlich viel mehr Sachen an als vor drei Jahren. Wenn du heute nochmal am Anfang deiner Tätigkeit stündest – was würdest du anders machen, worauf würdest du vielleicht noch mehr Wert legen?
Marlena Ich würde mich erstmal viel weniger unter Druck setzen. Ich habe mir so einen Stress gemacht und immer gedacht, wenn es nicht hundertprozentig war, bin ich nicht gut genug, ich kann das nicht. Da würde ich versuchen, ruhiger zu bleiben und mir selbst mehr zu vertrauen. Ich reflektiere mich zwar immer und gebe mir Mühe, aber ich würde versuchen, mir manche Dinge weniger zu Herzen zu nehmen.
Denise Das kann ich mir gut vorstellen – die Geschichten der Pferde, die man mitbekommt, lassen einen ja nicht kalt. Trotzdem muss man es schaffen, Abstand zu nehmen und auf sich selbst aufzupassen. Da bist du heute wahrscheinlich stabiler als vor drei Jahren, oder?
Marlena Ja, genau. Ich versuche, das inzwischen etwas besser zu verarbeiten und einzuordnen.
Denise Und Arbeit dann auch Arbeit sein zu lassen. Merkst du das auch abseits der Arbeit – man muss sich als Therapeutin ja unheimlich selbst reflektieren und viel am eigenen Mindset arbeiten. Hat dir das auch geholfen, im privaten Umfeld stabiler zu sein?
Marlena Ja, ich würde schon sagen, dass ich als Persönlichkeit mega gewachsen bin. Ich habe mir früher wirklich alles zu Herzen genommen und mir das Leben damit schwer gemacht. Man hat sich verändert, würde ich auch sagen verbessert, und es hat einem im Leben weitergeholfen, gerade weil man sich immer reflektieren muss. Das ist eigentlich auch das Schöne an diesem Beruf – dass man sich immer reflektieren muss und daraus, wenn man möchte, wachsen kann.
Denise Genau, das kann man. Man hat die Chance: Entweder man fällt auf die Nase, wenn ein Problem entsteht, oder man wächst daran. Manchmal, wenn man richtig auf die Nase fällt, denkt man, keinen Bock mehr, ich mache es nicht mehr, ich schmeiße alles hin – und am nächsten Tag denkt man, okay, entweder ich mache jetzt was draus. Genau wie wenn man zu so einem Podcast eingeladen wird, was ja definitiv deine Komfortzone sprengt, oder?
Marlena Absolut, ich war mega aufgeregt.
Denise Und das ist auch völlig in Ordnung. Ich habe dich bewusst eingeladen, weil ich dachte, das geht ganz vielen Therapeuten so – dass sie diese eigenen Themen mitbringen, sich sehr zu hinterfragen und sich viele Dinge zu Herzen zu nehmen. Deswegen wäre jetzt meine Abschlussfrage: Wenn jemand zuhört, der gerade frisch aus der Ausbildung kommt oder in der Ausbildung ist und sich sehr unsicher fühlt – was würdest du dieser Person mitgeben wollen?
Marlena Ich würde ihr mitgeben, dass es ganz normal ist, am Anfang unsicher zu sein, und dass das okay ist. Mit der Zeit wird es einfach besser, zum Beispiel durch Fortbildung und Austausch mit Kollegen – das entwickelt sich alles schnell und gut. Es ist normal, am Anfang Angst oder Unsicherheit zu haben, das ist in Ordnung, und man braucht das vielleicht auch, um ein bisschen wachsen zu können.
Denise Ich glaube, gerade jetzt mit den vielen sozialen Medien, wo man sich so viel vergleicht – ich versuche, nicht zu viel Social Media zu konsumieren, obwohl ich da ja auch meinen Content raushaue. Man sucht dann immer nach den eigenen Schwächen und nach dem Negativen. Mir tut es nicht immer gut, wenn ich mich vergleiche und denke, wie erfolgreich ist der oder die jetzt. Ich glaube, diese Unsicherheiten, über die wir heute gesprochen haben, teilen viele auf Social Media einfach nicht – da zeigen sie dann ihre Erfolge.
Marlena Genau, die zeigen dann immer nur das Gute, und dann denkt man, dass es bei den anderen immer alles besser und einfacher ist, weil man die Schattenseiten einfach nicht sieht.
Denise Marlena, ich glaube, wir werden noch weiter im Austausch sein die nächsten Jahre, und ich freue mich immer über deine Fragen, weil die mir auch total helfen, weil ich ja auch anderen Pferdetherapeuten helfen möchte, sicherer zu werden. Wir tauschen uns regelmäßig aus, fachlich, aber auch zu Problemen oder Herausforderungen bei der Kundenkommunikation. Mir hilft das total, diese Herausforderungen zu sehen, und ich komme dann auch ins Nachdenken und Grübeln. Welche Fortbildungen stehen für dich dieses Jahr noch an?
Marlena Ich würde ganz gerne noch Kraniosakrale machen, das mache ich im Juli. Dann wollte ich noch viszerale Osteopathie machen. Und das Jahr ist dann auch schon wieder fast um.
Denise Was ich richtig cool finden würde, wäre tatsächlich TCM, aber das mache ich glaube ich erst nächstes Jahr. Und wahrscheinlich würdest du dann, ähnlich wie mit der Osteopathie, wenn man da einmal anfängt, die nächsten fünf Jahre TCM lernen. Ich habe meine TCM-Ausbildung angefangen, als ich mit meinem Sohn schwanger war, und dachte, wenn das Kind erstmal da ist, habe ich ja Zeit zwischendurch, das zu lernen. Dann habe ich gemerkt, was für ein Riesenfeld das ist und dass es ein komplett anderes Denken ist – aber super spannend. Hättest du gedacht, dass du mal in diesen Bereich reingehst? Wenn du im Humanbereich geblieben wärst, hättest du gedacht, dass du dich für TCM interessierst?
Marlena Auf gar keinen Fall.
Denise Marlena, ich freue mich riesig, dass du so offen über deine Herausforderungen gesprochen hast, und ich glaube, dass sich ganz viele Zuhörer in vielen Punkten wiederfinden können. Ich freue mich auch über Rückmeldungen zu dieser Folge. Wenn ihr Marlena auf Instagram folgen wollt – wie findet man dich am besten?
Marlena Ich heiße Pferdephysiotherapie M. Riemann.
Denise Und du bist vor allem im Osnabrücker Land unterwegs, aber ich weiß, dass du auch ins Münsterland fährst. Ich freue mich, dass du hier zu Gast warst, und freue mich, wenn euch als Zuhörer die Folge gefallen hat. Ich freue mich über Bewertungen, Nachrichten, und wenn ihr die Folge mit Kollegen oder anderen Teilnehmern eurer Pferdetherapie-Ausbildung teilt. Vielen Dank, Marlena.
Marlena Danke auch, ciao.