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Ein erhöhter ACTH-Wert, und schon steht „Cushing“ im Raum – aber ein einzelner Wert erzählt selten die ganze Geschichte.
In dieser Folge erklärt Denise den Unterschied zwischen echter PPID und bloßen Cushing-Symptomen, warum Dauerstress über Darm, Hypothalamus und Hypophyse den ACTH-Wert beeinflusst, und woran sich eine PPID im Gesamtbild wirklich erkennen lässt.
Außerdem: welche Rolle Fütterung, Bewegung und Phytotherapie im Management spielen, und wann ein Medikament wirklich sinnvoll ist.
Transkript:
PPID, Equines Cushing oder einfach nur ein altes Pferd? Ein ganzheitlicher Blick aus Therapeutensicht
Hallo und herzlich willkommen zu meinem Podcast „Pferde, Schäfer und Menschen“. Ganz nach dem Motto „Love it, change it or leave it“ gehe ich als Therapeutin und auch als Privatperson durchs Leben. Heute habe ich mir ein richtiges Brett vorgenommen: das Thema Cushing beim Pferd, oder PPID.
Es laufen derzeit relativ viele Forschungen in diesem Bereich, und ich möchte einfach mal wiedergeben, was wichtig ist zu wissen, als Pferdebesitzer wie als Therapeut: welche Formen und Auffälligkeiten es gibt, welche Hypothesen zur Entstehung von PPID existieren, und wie das Ganze schulmedizinisch wie alternativmedizinisch angegangen wird. Das ist ein ziemlich großes Thema, und wir kommen nicht ganz drum herum, zu verstehen, wie die Regelmechanismen im Gehirn funktionieren – genauer gesagt zwischen Hypothalamus, Hypophyse (der Hirnanhangdrüse), der Nebenniere beziehungsweise Nebennierenrinde und auch dem Darmnervensystem, also der Darm-Hirn-Achse, die wiederum den Hypothalamus beeinflusst. Wer sich damit noch nicht so auskennt, für den wird es an der ein oder anderen Stelle vielleicht etwas anspruchsvoller. Aber ich finde das wichtig zu verstehen – gerade wenn man selbst ein Pferd hat, das Auffälligkeiten in diese Richtung zeigt, und plötzlich mit der Diagnose „Cushing“ dasteht, weil ein Blutwert, etwa der ACTH-Wert, mal etwas höher war. Dann steht man vor dem Tierarzt und kann sich im Grunde nur darauf verlassen, was der einem an Behandlung oder Diagnostik vorschlägt.
Ich hoffe, dass ich es einigermaßen gut vermitteln kann. Ich bin der Meinung, dass ein Therapeut sowohl das einbeziehen sollte, was wissenschaftlich zu Erkrankungen erforscht wurde, als auch die Erfahrungsmedizin, die sich nicht immer in Zahlen und Fakten belegen lässt, aber trotzdem wahnsinnig wertvoll ist – auch altes, überliefertes Wissen, das schulmedizinisch manchmal belächelt wird. Da sollte man etwas Demut haben, in beide Richtungen: gegenüber der Schulmedizin und der Wissenschaft genauso wie gegenüber traditionellen Herangehensweisen und der Erfahrungsmedizin.
Woher der Begriff kommt und was PPID von echtem Cushing unterscheidet
Der Begriff Cushing kommt ursprünglich aus der Humanforschung. Ein Neurologe namens Cushing hat bei Menschen Symptome beschrieben, die mit einer erhöhten Cortisol- beziehungsweise Stresshormonproduktion einhergingen. Weil immer mehr, vor allem alte Pferde ähnliche Symptome zeigten, wurde das beim Pferd zunächst „Equines Cushing“ genannt. Heute spricht man eher von PPID, also Pituitary Pars Intermedia Dysfunction – einer Fehlfunktion des mittleren Lappens der Hypophyse.
Früher war das wirklich fast ausschließlich eine Erkrankung sehr alter Pferde. Heute sind zunehmend auch jüngere Pferde betroffen, was sicher auch damit zusammenhängt, dass unsere Pferde durch bessere Haltung und Gesunderhaltung insgesamt älter werden. Man geht davon aus, dass etwa 20 bis 25 Prozent der Pferde über 15 Jahre von PPID betroffen sind.
Ganz wichtig ist mir dabei die Unterscheidung zwischen einer echten PPID und bloßen Cushing-Symptomen. Eine echte PPID ist eine neurodegenerative, also fortschreitende Erkrankung, die wir nicht aufhalten, aber managen können, um es dem Pferd leichter zu machen. Davon zu unterscheiden sind Cushing-Symptome, die ein Pferd auch aus anderen Gründen zeigen kann, ohne dass eine echte PPID vorliegt. Für die endgültige Diagnose braucht es immer den Tierarzt und die Blutwerte – dieser Podcast soll euch helfen, die Puzzleteile zusammenzufügen und die richtigen Fragen zu stellen, nicht selbst eine Diagnose zu stellen. PPID beziehungsweise Cushing ist wahnsinnig individuell und zeigt zum Teil sehr diffuse Symptome, die auch in andere Krankheitsbilder passen.
Der Regelkreis: Darm, Hypothalamus, Hypophyse und Nebenniere
Um PPID zu verstehen, müssen wir uns diesen Regelkreis anschauen: Hypothalamus, Hypophyse, Nebennierenrinde – und auch die Leber. Dabei lassen sich die Zusammenhänge zwischen Insulinresistenz, Hufrehe, Adipositas und entzündlichen Erkrankungen nicht voneinander trennen, ebenso wenig wie die Darmgesundheit. Es gibt das enterische Nervensystem, also Nervenfasern, die vom Darm direkt in den Hypothalamus senden. Der Hypothalamus wiederum ist im Gehirn die Steuerzentrale des vegetativen Nervensystems, und was im Darm passiert, wird ans Gehirn übermittelt. Wir kennen das in die eine Richtung ja auch von uns selbst: Stress kann auf den Magen schlagen. Die andere Richtung ist aber noch viel stärker ausgeprägt – was im Darm des Pferdes an Dysfunktionen oder Fehlfütterungsmanagement geschieht, wird ans Gehirn gemeldet und fließt dort ein. Deshalb lassen sich sowohl Cushing-Symptome als auch eine echte PPID über die Fütterung beeinflussen, auch wenn wir die PPID selbst nicht heilen können.
Der Hypothalamus steuert als zentrale Schaltstelle die Hypophyse an, und in der Hypophyse werden verschiedene Hormone gebildet, unter anderem ACTH. Bei Cushing-Pferden sehen wir häufig deutlich erhöhte ACTH-Werte. Wenn die Hypophyse vom Hypothalamus dauerhaft angefeuert wird, immer mehr ACTH zu bilden, steuert sie in der Folge auch andere hormonbildende Organe fehlerhaft an – nicht nur die Nebennierenrinde, in der dann Cortisol produziert wird, sondern zum Beispiel auch die Schilddrüse. Beim Pferd werden Schilddrüsenwerte selten überprüft, trotzdem finden wir auch dort häufiger Auffälligkeiten. Wenn die Hypothalamus-Hypophysen-Achse nicht richtig funktioniert, kann es also nicht nur zu Problemen durch eine veränderte ACTH-Produktion kommen, sondern auch zu Schilddrüsenproblemen, die viel mit Energie- und Thermoregulation zu tun haben, und dazu, dass Geschlechtshormone nicht richtig gebildet werden.
Eine der Thesen zur Ursache der PPID beim Pferd ist ein Dopaminmangel: Der Hypothalamus steuert die Hypophyse unter anderem über Dopamin und über CRH an. Ist zu wenig Dopamin vorhanden, gerät die Hypophyse „out of control“ und produziert übermäßig viel ACTH. Das ACTH gelangt zur Nebennierenrinde, die übrigens zum Sympathikus, also zum vegetativen Nervensystem gehört – ein interessanter Punkt auch für uns als Physiotherapeuten, denn dadurch lässt sich die Nebennierenrinde osteopathisch mitbeeinflussen, indem man an verschiedenen Stellen im Körper auf den Sympathikus einwirkt und versucht, ihn zu regulieren.
Warum Stress bei PPID eine zentrale Rolle spielt
Wenn sehr viel ACTH vorhanden ist, schüttet die Nebennierenrinde Cortisol aus. Cortisol ist ein Stresshormon, und Stress ist nicht grundsätzlich negativ – das ist mir wichtig zu betonen. Stress erhöht den Blutzuckerspiegel und stellt dem Körper Energie zur Verfügung, weil eine Aktion bevorsteht. Wenn wir einen Vortrag halten oder eine Prüfung haben, produziert unser Körper auch Stresshormone, das erhöht kurzfristig Energie und Aufmerksamkeit. Sowohl unser Körper als auch der Pferdekörper sind für kurzzeitigen Stress ausgelegt, nicht für Dauerstress.
Und genau der Dauerstress ist bei PPID das Thema. Alle Reize, die wir aus der Umwelt, aus dem Körper und aus dem Darm aufnehmen, laufen im Hypothalamus zusammen: Stressreaktionen durch Schmerz, durch Darmprobleme, durch elektromagnetische Felder, durch Stress, den vielleicht auch der eigene Besitzer ausstrahlt – Pferde sind dafür sehr sensibel –, durch eine schlechte Herdenstruktur, fehlende Sozialkontakte oder zu wenig Raufutter beziehungsweise nur kleine Rationen. All das bedeutet für das Pferd Dauerstress. Auch Arthrose kann zu Dauerstress führen und wirkt auf denselben Regelkreis zurück, ebenso Zahnschmerzen und Schlafmangel.
Die Nebennierenrinde produziert unter diesem Dauerstress sehr viel Cortisol, und dauerhaft erhöhtes Cortisol führt zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Auf Dauer kann das dazu führen, dass die Insulinsensitivität nachlässt. Ich glaube, knapp die Hälfte der Pferde mit PPID hat gleichzeitig auch eine Insulinresistenz – ein Körper, der ständig Stresshormone ausschüttet und dauerhaft einen erhöhten Blutzuckerspiegel hat, schüttet zunächst vermehrt Insulin aus, gleichzeitig werden aber auch in der Hypophyse Hormone gebildet, die die Insulinsensitivität herabsetzen. Wir haben also nicht nur ein Cortisol- beziehungsweise ACTH-Problem, sondern zusätzlich eine Beeinflussung entzündlicher Prozesse und der Insulinsensitivität, wodurch häufig Pferde mit Insulinresistenz entstehen, die wiederum selbst zusätzlichen Stress bedeutet.
Weil der Körper bei dauerhaftem Cortisol immer wieder Energie für Fluchtbereitschaft benötigt, fängt die Leber an mit der sogenannten Gluconeogenese, also der Neusynthese von Zucker aus Nicht-Kohlenhydraten, etwa aus Eiweißen. Auf Dauer wird die Leber dadurch überlastet, weil sie ständig mit dieser Gluconeogenese beschäftigt ist und weniger Kapazität für die Biotransformation, also die Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten und Toxinen, übrig hat. Deshalb sehen wir bei PPID-Pferden im Rahmen der Blutwertdiagnostik auch häufiger erhöhte Leberwerte. Die Leber kann sehr gut regenerieren, wir können sie also gut unterstützen – vor allem aber sollte man immer an die Ursache gehen.
Die Insulinresistenz und die hohen Cortisolwerte können außerdem eine Hufrehe auslösen. Bei ganz vielen Pferden ist eine Hufrehe sogar das erste erkennbare Zeichen einer PPID, deshalb ist dieser Zusammenhang so wichtig zu kennen.
Warum ein einzelner ACTH-Wert nicht ausreicht
Wenn nur der ACTH-Wert bestimmt wird und daraufhin direkt nach einer einmaligen Erhöhung ein Medikament gegeben oder empfohlen wird, würde ich als Besitzer hellhörig werden. Der ACTH-Wert allein sagt nämlich noch nicht besonders viel aus – er reagiert nicht nur bei einer Cushing-Symptomatik, sondern auch abhängig von der Jahreszeit, von der Tageszeit (morgens sind die Werte höher als abends) und von der Rasse: Ponys und vor allem Shetlandponys haben meist höhere ACTH-Werte und erkranken auch eher an PPID als Warmblüter – was natürlich nicht heißt, dass es bei Warmblütern nicht vorkommt.
Ein anschauliches Beispiel aus der Praxis: Ich hatte den Fall eines Pferdes mit einer akuten Sehnenverletzung, bei dem im gleichen Zug Blut abgenommen wurde. Der ACTH-Wert war sehr hoch, das Pferd zeigte aber sonst keine Symptome, die auf Cushing hindeuteten. Trotzdem wurde direkt vorgeschlagen, Pergolid – heute unter dem Namen Prascend bekannt – zu geben. Da würde ich als Besitzer nachfragen: Wie verhält sich das Pferd sonst? Ist es lethargisch, hat es Probleme im Fellwechsel, oder ist es einfach nur alt, sieht vom Fell her aber gut aus und hat nur wegen der akuten Verletzung einen erhöhten Wert? Das ist dann nicht gleich eine PPID, manchmal spricht man in solchen Fällen von einem „Pseudocushing“. Trotzdem würde ich davor warnen, PPID zu verharmlosen und zu glauben, man bekomme alles nur mit Kräutern und angepasster Fütterung in den Griff – genauso warne ich aber davor, zu schnell zu Medikamenten zu greifen.
Cushing sollte deshalb mehrfach getestet werden. Wenn eine erste Messung sehr hohe Werte zeigt, das Pferd aber sonst keine ausgeprägte Symptomatik zeigt – wobei man immer die Rasse mitbedenken muss –, sollte man zunächst das Management verbessern. PPID-Pferde sind sehr auf Gleichmäßigkeit angewiesen, vor allem in der Fütterung, ohne zu viele schnell verfügbare Kohlenhydrate, denn deren Anteil kann den ACTH-Wert deutlich erhöhen. Der ACTH-Wert sollte dann, wenn man diesen Verdacht hat, nach der Anpassung des Managements noch zwei- bis dreimal wiederholt werden, und zwar zum richtigen Zeitpunkt gemessen – also im Zeitraum von November bis Juni, wenn die Pferde dauerhaft erhöhte Werte und deutliche Symptome zeigen. Bevor ein Medikament gegeben wird, kann außerdem ein TRH-Stimulationstest sinnvoll sein: Dabei wird der ACTH-Wert gemessen, dann das Hormon TRH gegeben, und kurz danach wird erneut geschaut, wie stark ACTH ansteigt. Bei einer physiologischen Regulation reagiert der Körper mit einem leichten Anstieg, bei Pferden mit PPID reagieren sie überschießend.
Neben dem ACTH-Wert lohnt sich außerdem der Blick auf die Insulinwerte in Korrelation mit den Glukosewerten, um eine Insulinresistenz zu erkennen, die den Verdacht auf PPID verstärken würde, sowie auf die Triglyceride: Sind die sehr hoch, deutet das auf eine Verfettung der Leber hin.
Die Kardinalsymptome erkennen
Es gibt einige klassische Symptome, die auf eine PPID hindeuten können – sie müssen nicht alle gleichzeitig auftreten, aber es lohnt sich, auf sie zu achten:
Ein verzögerter Fellwechsel, oft mit langem, wuscheligem Fell, das auch im Sommer bleibt. Das heißt aber nicht automatisch, dass diese Pferde im Winter nicht frieren – gerade weil sie oft auch stark abgemagert sein können, frieren und schwitzen sie trotzdem und haben Probleme mit der Thermoregulation.
Untypische Fettpolster, zum Beispiel oberhalb der Augen, im Bereich des Mähnenkamms oder neben der Kruppe – diese können mit der Zeit sogar sehr hart werden, was ebenfalls mit den durch die Hypophyse gebildeten Hormonen zusammenhängt, die Entzündungen in den Fettpolstern stoppen.
Lethargie, also Teilnahmslosigkeit und Müdigkeit – das kann allerdings auch andere Ursachen haben, etwa Magenprobleme, eine Schilddrüsenunterfunktion (die für mich ohnehin in denselben Regelkreis gehört), Leberprobleme, Vergiftungserscheinungen oder schlicht Schlafmangel.
Starker Muskelabbau: PPID-Pferde verlieren oft sehr schnell Muskulatur, auch wenn sie vorher vergleichsweise kräftig waren.
Polyurie, also häufiges Urinieren, was auch bei gestörter Insulinsensitivität auftritt. Das entsteht dadurch, dass die erhöhte Cortisolausschüttung zu hohen Blutzuckerwerten führt – das Blut wird dadurch dickflüssiger, was der Körper ausgleichen will, deshalb saufen und pinkeln diese Pferde viel.
Außerdem sehen wir bei PPID-Pferden häufig Hufrehe und Zahnprobleme, etwa das Krankheitsbild EOTRH, also Zahnfacherkrankungen und Parodontitis.
Was im Management wirklich hilft
Neben der medikamentösen Option mit Pergolid beziehungsweise Prascend – einem Dopamin-Agonisten, der über die Erhöhung von Dopamin die Hypothalamus-Hypophysen-Achse reguliert und durchaus Sinn machen kann, wenn ein Tierarzt sich wirklich alle Puzzleteile anschaut und nicht nur auf den ACTH-Wert – gibt es eine ganze Reihe an Stellschrauben im Management.
Bewegung ist enorm wichtig: Sie baut Stress ab, verbessert den Blutzuckerspiegel und verhindert starke Blutzuckerspitzen. Genauso wichtig ist eine vernünftige Rationsberechnung mit ausreichend Raufutter und Rohfaser, wenig schnell verfügbaren Kohlenhydraten, dazu die Kontrolle des Selen- und weiterer Spurenelement- sowie Makronährstoffhaushalte – zu wenig wie zu viel Selen kann die Schilddrüse beeinflussen und damit wieder auf denselben Regelkreis zurückwirken.
Auch die Eiweißversorgung spielt eine Rolle: Dopamin und andere Hormone bestehen im Grunde aus Eiweiß, deshalb ist eine ausreichende Zufuhr wichtig – insbesondere von L-Tyrosin und Phenylalanin, den Vorläufer-Aminosäuren von Dopamin. Wichtig ist „ausreichend“, nicht „zu viel“ – vielleicht 10 Prozent mehr als üblich, aber keinesfalls deutlich mehr, weil das wiederum die Niere belastet. Weitere Kofaktoren für die Dopaminproduktion, über die sich der ACTH-Wert mitbeeinflussen lässt, sind Magnesium, B-Vitamine (vor allem B12), Zink und ein guter Vitamin-D-Haushalt.
Antioxidantien haben sich ebenfalls bewährt, gerade weil eine Hyperoxidation – also eine chronisch stille Entzündung mit vielen freien Radikalen – eine der Ursachen für die Entstehung von PPID ist, begünstigt unter anderem durch Adipositas (besonders ab einem Body Condition Score von etwa 6,5) und eine gestörte Insulinsensitivität durch zu kohlenhydratreiche Fütterung. Hier können zum Beispiel Vitamin E, Vitamin C, OPC (Traubenkernextrakt), Heilpilze oder Omega-3-Fettsäuren unterstützen – wobei ich ausdrücklich davor warne, jetzt wahllos alle möglichen Futtermittel zu kaufen. Ich möchte nur zeigen, welche Möglichkeiten es gibt.
Auch Phytotherapie kann eine sinnvolle Unterstützung sein, mit einer Mischung verschiedener Kräuter und Wurzelwerk, die adaptogen auf die Hypothalamus-Hypophysen-Achse wirken können, etwa Ginkgo, Birkenblätter, Passionsblume, Weißdorn, Hanfsamen, Brennnesselkraut, Ginseng, Mädesüß und Mariendistel. Dafür gibt es keine Studien und wissenschaftlichen Belege, aber meiner Erfahrung nach reagieren sehr viele Pferde gut darauf. Reagiert ein Pferd nicht darauf, schaue ich weiter – dann kann auch der Tierarzt mit Pergolid helfen.
Osteopathisch können wir bei PPID- wie bei Cushing-Symptomatik ansetzen, indem wir den Sympathikus an verschiedenen Stellen des Körpers regulieren, osteopathische Läsionen und damit funktionelle Einschränkungen und Schmerzen lösen, und auch kraniosakral, vor allem im Bereich der Schädelknochen, arbeiten.
Ein praktischer Hinweis noch, falls Pergolid beziehungsweise Prascend gegeben wird: Die Tabletten sollten nicht mit bloßen Händen angefasst werden, meiner Erfahrung nach lohnt es sich, dafür Einmalhandschuhe zu benutzen – auch zum eigenen Schutz.
Fazit
PPID ist eine sehr individuelle Erkrankung, bei der wir wirklich einzelne Puzzleteile zusammensetzen müssen – ein einzelner erhöhter ACTH-Wert allein ist noch keine Diagnose und kein Grund, sofort tierärztlich-medikamentös zu behandeln. Wichtig ist, die Symptome im Gesamtbild zu betrachten, den ACTH-Wert im richtigen Zeitraum mehrfach zu messen und Insulin, Glukose und Triglyceride mitzubetrachten. Und selbst wenn ein Medikament notwendig wird, ersetzt es nicht die Arbeit an Fütterung, Bewegung, Stressreduktion und den weiteren Bausteinen im Management. Ich bin sehr gespannt, wie sich Forschung und Erfahrungswerte zu diesem Thema in den nächsten Jahren weiterentwickeln.
Quelle: Podcast „Pferde, Schäfer und Menschen“ – Folge „PPID, Equines Cushing oder einfach nur ein altes Pferd? Ein ganzheitlicher Blick aus Therapeutensicht“