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Produktempfehlungen und Käuflichkeit

So wie ich einen tollen Reitlehrer, einen kompetenten Tierarzt oder Hufbearbeiter empfehle, spreche ich auch direkte Produktempfehlungen aus.

Bei den Produktempfehlungen bin ich firmenunabhängig … was aber nicht heißt, dass es nicht bestimmte Produktanbieter gibt, die ich aus Überzeugung und viel Hintergrundwissen wärmstens empfehlen kann. Dies ist meine Pflicht, um den Endverbraucher vor Fehlkäufen und falschen Werbeversprechen zu bewahren.

Transkript:

Produktempfehlungen und Käuflichkeit

Heute geht es um ein Thema, das mich persönlich getroffen hat: Käuflichkeit und Produktempfehlungen. Der Anlass war eine Kritik, die ich neulich bekommen habe – und ich freue mich grundsätzlich über Kritik, wenn sie berechtigt und konstruktiv ist und mich in meiner Arbeit weiterbringt.

Die Kritik, die mich getroffen hat

Ich hatte ein Pferd komplett osteopathisch behandelt, einige Dinge festgestellt, die gut liefen, andere weniger gut – das kommuniziere ich immer offen, denn es bringt niemandem etwas, wenn ich sage, es sei alles toll. Im Anschluss habe ich mehrere Produkte empfohlen, schwerpunktmäßig von einer Firma.

Die Rückmeldung der Besitzerin: Die Behandlung habe ihr gut gefallen, ihr Pferd sei danach besser gelaufen – aber sie würde mich nie wieder rufen, weil sie meine Fütterungsempfehlungen für inkompetent halte. Im Grunde stellte sie meine gesamte fachliche Kompetenz infrage, weil sie vermutete, ich sei käuflich und arbeite eigentlich als Beraterin für eine bestimmte Firma. Das hat mich wirklich getroffen, und ich habe mich ernsthaft gefragt: Bin ich nicht kritikfähig, oder steckt etwas anderes dahinter?

Wann Kritik berechtigt ist – und wann nicht

Wenn mich Kritik so trifft, frage ich mich immer: Kommt sie von jemandem mit dem nötigen Sachverstand, um sie überhaupt fundiert zu äußern? Eine Kritik wie „ich finde deine Empfehlungen inkompetent“ ohne jede Begründung ist für mich keine echte Kritik. Anders wäre es gewesen, hätte sie konkret benannt: dieser Inhaltsstoff ist kontraproduktiv, oder dieses Produkt enthält nur drei Prozent Wirkstoff und neunzig Prozent Füllstoff. Das hätte ich ernst genommen und mir Gedanken gemacht.

Wenn jemand mich allein deswegen nicht mehr als Therapeutin ruft, ist das für mich völlig in Ordnung – dann ist diese Person auch nicht meine passende Kundin. Meine Kunden dürfen und sollen gerne kritisch nachfragen und mit mir diskutieren, das schätze ich sehr. Wenn jemand im Nachgang schreibt „ich habe da noch etwas gesehen, wäre das auch passend?“, setze ich mich hin und schaue mir wirklich jeden einzelnen Inhaltsstoff an.

Wie ich zu meinen Empfehlungen komme

Der Stoffwechsel ist bei jedem Pferd individuell, und was bei einem Pferd gut funktioniert, muss bei einem anderen nicht funktionieren. Trotzdem entwickle ich während einer Behandlung eine Idee, was passen könnte, und es gibt durchaus Firmen im Futtermittel- und Nahrungsergänzungsbereich, die ich aktuell empfehle. Das kann sich ändern – etwa wenn ein größerer Konzern eine kleinere Firma aufkauft und sich dadurch Qualität oder Zusammensetzung verändern. Genau das schaue ich mir dann genau an.

Ich bin grundsätzlich produktunabhängig, aber es passiert natürlich, dass Firmen auf mich zukommen, wenn ich ihre Produkte wiederholt empfehle, und mir eine Art Affiliate-Kooperation anbieten. Ich arbeite dabei für viele verschiedene Hersteller, nicht nur im Futtermittelbereich, sondern empfehle ebenso andere Dienstleister wie Trainer, Hufbearbeiter, Zahnärzte oder Tierkliniken, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe. Nur weil ich schwerpunktmäßig die eine oder andere Firma empfehle, bin ich deshalb weder käuflich noch inkompetent.

Warum viele Kräutermüslis mich erschrocken haben

Als ich mich intensiver mit Darmgesundheit und Futtermitteln beschäftigt habe, war ich wirklich erschrocken: Manche Produkte werben mit Namen wie „Kräutermüsli“, bestehen aber zu neunzig Prozent aus Getreide und Füllstoffen und tatsächlich nur zu zwei, drei Prozent aus Kräutern. Der Verbraucher sieht den Schriftzug „mit wichtigen Kräutern“ und kauft für viel Geld ein Produkt, bei dem er glaubt, er bekomme viel Wirkstoff – kann die Zusammensetzung als Laie aber gar nicht beurteilen.

Genau das passiert, wenn ich nur allgemeine Hinweise gebe statt konkreter Produktempfehlungen: Sage ich einem Pferdebesitzer, er solle Thymian, Melisse oder Passionsblume füttern, kauft er im Zweifel ein Produkt, auf dem diese Kräuter zwar groß draufstehen, aber nur als winziger Anteil enthalten sind – und bezahlt für Füllstoffe. Ich will aber, dass eine spürbare Konzentration des jeweiligen Wirkstoffs ankommt, nicht möglichst viel von allem. Deshalb gebe ich konkrete Hinweise, nenne aber in der Regel auch Alternativen und mache meine Tendenz zu einem bestimmten Produkt transparent – aus Überzeugung, genau wie bei einer Reitlehrer-Empfehlung.

Rabattcodes, Affiliate und die Frage der Käuflichkeit

Ich bekomme keine Provision auf den Umsatz, den ein anderer Dienstleister durch meine Empfehlung macht. Was es gibt: Rabattcodes von Firmen, bei denen der Kunde einen Rabatt erhält und ich im Gegenzug einen kleinen Anteil des Einkaufswerts – ein kleiner Nebenverdienst, kein Hauptgeschäftsmodell. Ich habe eine Weile mit diesem Gedanken gehadert, weil ich verstehe, dass es einen Fadenbeigeschmack haben kann, wenn jemand, der mich nicht kennt, eine Empfehlung von mir bekommt und denkt: Die ist bestimmt gekauft.

Deshalb bleibe ich dabei: Eine unbegründete Kritik wie „deine Empfehlungen zeigen, dass du inkompetent bist“ nehme ich nicht persönlich. Was ich dagegen ernst nehme, ist die berechtigte Beobachtung, dass manche Kollegen im Umkreis immer nur ein einziges Produkt für jedes Pferd empfehlen – das ist für mich keine individuelle Beratung mehr, besonders wenn Inhaltsstoffe enthalten sind, die chronisch-stille Entzündungen begünstigen oder den Blutzuckerspiegel unnötig belasten können.

Wenn Beratung wichtiger ist als Behandlung

Manchmal besteht meine Empfehlung nicht in einem Produkt, sondern darin, gar nicht erst zu behandeln. Ich wurde einmal wegen Rittigkeitsproblemen zu einem Pferd gerufen, das die Zunge herausstreckte. Beim ersten Abtasten von Kiefer und Zähnen war klar: massive Zahnkanten und Rampen. Ich habe der Besitzerin gesagt, dass eine osteopathische Behandlung jetzt wenig Sinn ergibt – zuerst muss ein spezialisierter Zahnarzt die akuten Probleme versorgen.

Die anwesende Stallbetreiberin reagierte darauf sehr ungehalten: Ein Zahnarzt sei doch erst neulich da gewesen, alles in Ordnung, warum ich mir anmaße zu urteilen und nicht einfach meine bezahlte Arbeit mache. Ich habe erklärt, dass sie in dem Moment nicht die Pferdebesitzerin, sondern die Stallbetreiberin war, und dass ich keine – auch nicht ganz günstige – osteopathische Behandlung verkaufen wollte, die aus meiner fachlichen Sicht in diesem Moment keinen Sinn ergab. Ich habe nur eine kleine Rechnung für Anfahrt und Untersuchung gestellt und die Behandlung nicht durchgeführt.

Die Stallbetreiberin hat mich danach als inkompetent hingestellt, und ich habe diesen Hof seitdem – das ist inzwischen sieben, acht Jahre her – nie wieder betreten. Eine Woche später kam allerdings die Rückmeldung der Pferdebesitzerin: Der von mir empfohlene Dentalpraktiker hatte massive Zahnkanten, Rampen und sogar einen eitrigen, entzündeten Zahn gefunden und behandelt. Dem Pferd ging es danach deutlich besser. Mein Job besteht eben nicht immer darin, selbst der Schlüssel zur Lösung zu sein, sondern manchmal darin, die richtige Einschätzung zu treffen, wer oder was das Pferd wirklich weiterbringt.

Wenn nicht der Körper, sondern die Beziehung das Thema ist

Ähnlich lief es bei einem Pferd, das stark buckelte und stieg. Die Besitzer wollten körperliche Ursachen abklären lassen. Ich habe das Pferd untersucht, es wirkte vom Wesen her sehr freundlich, und ich habe manuell keine massiven Auffälligkeiten gefunden. Mein Eindruck war stattdessen, dass zwischen Mensch und Pferd das Vertrauensverhältnis und die Kommunikation nicht stimmten – und dass das Pferd als Fluchttier irgendwann keine andere Möglichkeit mehr sah, als mit Aggression oder Steigen zu reagieren.

Ich habe offen gesagt, dass ich keine massiveren körperlichen Probleme gefunden habe, aber dringend an der Vertrauensarbeit zwischen Mensch und Pferd gearbeitet werden sollte, und eine Trainerin im Bereich Horsemanship empfohlen. Die Besitzer haben das angenommen, und das fand ich wirklich schön. Manchmal ist die Erwartung, dass ich als Therapeutin alle Probleme löse – aber manchmal liegt der richtige Schlüssel eben nicht bei mir.

Auch das Gute benennen, nicht nur die Schwachstellen

Ich suche naturgemäß nach Schwachstellen, das gehört zu meiner Arbeit. Genauso wichtig ist mir aber, das Positive klar zu benennen. Wenn ich bei einem sehr besorgten Pferdebesitzer merke, dass er sich zu viele Sorgen macht, obwohl es dem Pferd grundsätzlich gut geht, sage ich das genauso deutlich: Ich kann keinen Röntgenblick ersetzen und keine hundertprozentige Garantie geben, aber von dem, was ich manuell und mit meinen Sinnen wahrnehmen kann, ist der Gesundheitszustand gut. Was ich danach an Auffälligkeiten aufliste, ist dann eher Optimierung als Alarm.

Viele sehr engagierte Pferdebesitzer denken, sie seien nicht gut genug oder täten nicht genug – gerade denen sage ich bewusst, dass schon sehr viel richtig läuft. Das ist auch deshalb wichtig, weil sich die Anspannung der Besitzer aufs Pferd überträgt: Kommt jemand immer voller Sorge und gestresst zum Pferd, merkt man das über kurz oder lang auch am Tier, besonders bei langjährigen Mensch-Pferd-Konstellationen, wo sich mentale und körperliche Baustellen oft ähneln.

Mein Fazit

Ich werde weiterhin konkrete Produktempfehlungen aussprechen, um Pferdebesitzer vor Fehlkäufen und irreführenden Werbeversprechen zu schützen, und weiterhin gute Trainer, Hufbearbeiter, Tierkliniken und Tierärzte empfehlen, ohne dass das meine grundsätzliche Unabhängigkeit infrage stellt. Ich sage weiterhin das, was ich wahrnehme und für richtig halte, ohne zu behaupten, damit immer recht zu haben. Und ich bin nach wie vor dankbar für jede begründete Kritik – mir hilft die Rückmeldung, was funktioniert hat und was nicht, deutlich mehr als reines Lob. Denn nur weil ein Produkt bei einem Pferd gut funktioniert hat, heißt das nicht automatisch, dass es beim nächsten genauso gut funktioniert – und das bedeutet nicht immer, dass das Produkt oder der Dienstleister schlecht war, sondern manchmal einfach, dass es noch nicht der richtige Schlüssel war.

Quelle: Podcast „Pferde, Schäfer und Menschen“ – Folge „Produktempfehlungen und Käuflichkeit“