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Basics im Pferdemanagement – warum die Therapie der Zukunft ganzheitlich ist

Warum kann die beste Behandlung nichts bewirken, wenn die Basics nicht stimmen? In dieser Folge geht es um die Grundbedürfnisse jedes Pferdes, von Raufutter über Wasser und Bewegung bis zu sozialen Kontakten, und warum es dabei selten am Willen der Besitzer fehlt, sondern eher an Wissen und Differenzierung.

Außerdem: warum fachliche Tiefe bei allen Dienstleistern rund ums Pferd entscheidend ist, warum Trainingsprinzipien im Reitunterricht oft zu kurz kommen, und warum Ruhe am Stall zu den unterschätzten Basics gehört.

Transkript:

Basics im Pferdemanagement: Warum die Therapie der Zukunft ganzheitlich ist

Denise: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Podcast-Folge. Mein Name ist Denise Schäfer, mein Podcast heißt Pferde, Schäfer und Menschen. Die heutige Folge heißt: Die Basics im Pferdemanagement, also nicht nur in der Haltung, worauf es wirklich ankommt.

Ich bin von Haus aus Osteopathin und Physiotherapeutin, auch für Menschen, sowie Sport- und Gymnastiklehrerin. Ich lerne sehr gerne dazu. Man könnte sich ganz ehrlich fragen, warum ich nicht einfach bei meiner Pferde-Osteopathie bleibe, das hätte ich, glaube ich, auch gerne getan.

Aber im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass ich mich dumm und dusselig behandeln kann, wenn die Basics nicht stimmen. Das hat mich nie losgelassen. Ich wollte nicht nur Symptome behandeln und bei vielen Fragen keine Antwort parat haben, was nicht heißt, dass ich in allem Expertin sein muss, aber über den Tellerrand hinauszublicken ist mir sehr wichtig, und damit werde ich nie aufhören.

Es gibt so viele spannende Themen, in die man sich immer wieder neu einarbeiten kann. Zum Beispiel das Thema Huf: Ich habe vor etwa zehn Jahren schon eine Weiterbildung im Bereich Hufbearbeitung gemacht, vor allem für Hufschmiede und Hufbearbeiter. Jetzt mache ich wieder eine in diesem Bereich, und auch in vielen anderen.

Man lernt immer dazu, und gerade beim Thema Huf finde ich es wichtig, sich das genau anzuschauen: Die Hufbearbeiter schimpfen auf die Schmiede, die Schmiede schimpfen auf die Hufbearbeiter, ich finde das sehr schade, denn es gibt in beiden Bereichen schwarze Schafe. Man sollte immer genau wissen, was man tut. Das ist auch die Idee von dem, was ich therapeutisch mache und was ich versuche, anderen Therapeuten zu vermitteln: nicht einfach nachzuplappern, sondern wirklich zu verstehen.

Ich wollte nicht einfach nur Symptome behandeln und dann wegfahren, wissend, dass das Problem in ein paar Wochen wiederkommt. Ich wollte verstehen, warum die Probleme immer wiederkehren. Das ist der Grund, warum ich mich so intensiv mit den Grundlagen beschäftige.

Natürlich zunächst in der Pferdehaltung, aber es geht heute nicht nur um die Haltung, sondern auch um die Grundlagen der Dienstleister, die rundherum arbeiten, und der Pferdebesitzer selbst: Haltung, Fütterung, Bewegung, Training. Und die Frage: Werden Pferde eigentlich wirklich artgerecht gehalten?

Das ist natürlich kaum möglich, es wirklich optimal und perfekt zu machen, dann hätten wir unsere Pferde auf riesigen Wiesen mit kargem Gras und großer Artenvielfalt stehen, bräuchten aber zwei Stunden, um sie erst mal zu suchen, bevor wir sie vielleicht noch reiten könnten. Perfekt ist es also nicht möglich.

Trotzdem kann man versuchen, die Basics so gut es geht zu gestalten, sodass viel Platz für Gesunderhaltung bleibt. Denn je weiter wir uns von der Norm entfernen, wobei normal nicht automatisch gesund bedeutet, auch wie wir Menschen heute leben, ist für viele normal geworden, aber weder gesund noch artspezifisch, beim Menschen wie beim Pferd, desto deutlicher spiegeln die Pferde das, wenn etwas nicht stimmt.

Deshalb behandle ich heute nicht nur Pferde, sondern unterstütze auch andere Pferdetherapeuten dabei, ganzheitlich zu denken. Für mich ist es genauso wichtig, die Pferde therapeutisch zu behandeln wie gut mit den Pferdebesitzern zu arbeiten, denn sie sind diejenigen, die das Pferd jeden Tag sehen und unterstützen.

Deshalb ist es mir wichtig, am Anfang und am Ende der Behandlung eine sehr gute Kommunikation mit dem Besitzer zu pflegen: genau nachzufragen, in welcher Situation er selbst ist, was er leisten kann und was nicht. Gemeinsam besprechen wir, was möglich ist und was wir umsetzen können. Und wenn etwas nicht umgesetzt werden kann, muss ich auch klar sagen, dass wir dann langfristig keine echte Möglichkeit haben.

Wenn ich zum Beispiel weiß, dass der Stall für das Pferd alles andere als optimal ist und sich die Bedingungen nicht ändern lassen, der Pferdebesitzer sich dort aber sehr wohlfühlt und es schön nah am Wohnort liegt, dann kann ich nur ehrlich aufklären: Ich bin überzeugt, dass das Pferd an einem anderen Ort besser aufgehoben wäre, und der Besitzer am Ende auch weniger Kosten für symptomatische Therapien hätte.

Ich bin überzeugt, dass die Therapie der Zukunft die ganzheitliche Beschäftigung mit einem Thema ist, nicht die Betrachtung aus nur einer Brille heraus. Wobei diese eine Brille natürlich trotzdem wichtig ist, man darf sich ruhig in eine Sache richtig reinfuchsen, ohne dabei anderes zu vergessen oder zu versäumen.

Das Thema Basics klingt banal, aber oft ist genau das der Kern des Problems. Immer wieder erlebe ich: Ich werde als Therapeutin gerufen und weiß nach wenigen Minuten, dass es eigentlich gar keine Behandlung bräuchte, sondern ein paar grundlegende Veränderungen im Management.

Dann könnte ich einfach sagen: Jetzt fahre ich wieder los, du musst da was ändern. Oder ich versuche gemeinsam mit dem Besitzer herauszufinden, was genau geändert werden muss. Manchmal bin ich in der Erstbehandlung kaum am Pferd, natürlich behandle ich es trotzdem, aber es kann sein, dass eine Erstbehandlung zu 80 Prozent aus Beratung, Anamnese und Gespräch besteht, und nur zu 20 Prozent aus der eigentlichen Behandlung. Das ist natürlich anstrengend.

Für mich ist es immer eine Erleichterung, wenn ich weiß, dass die Basics schon stimmen: dass die Pferde nicht nur gut gehalten werden, sondern ich zum Beispiel sehe, dass ein bestimmter Trainer dort hinfährt, dass die Besitzer in Richtung Horsemanship arbeiten, oder ich es schon im Anamneseformular merke, wie sehr sie sich mit artspezifischer Haltung beschäftigt haben. Dann kann ich ins Mikro-Management gehen und optimieren, das ist deutlich angenehmer, für mich und für den Pferdebesitzer, als wenn schon im Makro-Management, also in den Basics, etwas nicht stimmt.

Das Problem ist dabei selten, dass die Besitzer nicht wollen, im Gegenteil, viele sind sehr engagiert. Es fehlt oft eher an Wissen, an Differenzierung und manchmal auch an ehrlichem Feedback.

Was jedes Pferd braucht: Erstens 24/7 Zugang zu Raufutter. Das heißt nicht, dass die Pferde rund um die Uhr fressen sollen, aber es sollte rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Ich sage bewusst nicht Heu, sondern Raufutter, dazu habe ich auch schon eine eigene Folge gemacht. Pferde sind keine Dauerfresser, aber sie sind dauerhaft auf der Suche nach etwas zu fressen, und sie kennen keine Mahlzeiten.

Wer Raufutter rationieren muss, sollte vorher unbedingt die Bewegung hinterfragen, nicht nur das Futter. Gerade Robustrassen brauchen eigentlich viel weniger und sind mit dem Heu, das wir hier haben, oft überversorgt. Wer weiß, dass er eine Robustrasse hat, sollte auch wissen, dass er viel Zeit braucht, um sie ausreichend zu bewegen. Arbeitsrassen wie Spanier, Iberer oder auch Shettys sind eigentlich Arbeitspferde oder -ponys und brauchen extrem viel Bewegung, und genau daran scheitert es oft.

Rationieren kann sinnvoll sein, aber wirklich nur dann, wenn gleichzeitig auch ausreichend bewegt wird. Sonst züchtet man sich andere Probleme heran: Wenn der Shetty nur wenig Raufutter bekommt, weil er sonst zu dick wird, kann das funktionieren, aber vielleicht bekommt man dafür ein Pferd, das so gestresst ist, dass es sich nicht mehr hinlegt, ein equines Cushing entwickelt oder Magenprobleme bekommt. Denn zu wenig Raufutter führt praktisch immer zu Magenproblemen, und die wiederum ziehen ganz andere, schwerwiegende Probleme nach sich.

Zweitens: sauberes, frisches Trinkwasser. Darauf hat mich tatsächlich eine Instagram-Umfrage gebracht, eigentlich denkt man, das ist doch selbstverständlich, aber daran hatte ich vorher gar nicht bewusst gedacht. Gerade im Winter erlebe ich es immer wieder, dass gar kein Wasser zur Verfügung steht, und dann muss ich nicht als Therapeutin kommen und behandeln. Natürlich kann das trotzdem mal sinnvoll sein, aber oft fragt man sich wirklich: Woraus sollen die Pferde denn überhaupt trinken? Manchmal steht nur abgestandenes Wasser in Bottichen, die nie gesäubert werden, und welches Pferd trinkt daraus schon gerne?

Ich kann dann noch so viele Antioxidantien füttern, das kann ich mir auch sparen, wenn die Grundlagen nicht stimmen. Es muss nicht alles penibel hygienisch sein, das führt auch nicht automatisch zu mehr Gesundheit, aber eine gewisse Basissauberkeit der Tröge, aus denen die Pferde trinken, sollte gerade im Sommer selbstverständlich sein.

Drittens: ausreichend Bewegung. Leichte Arbeit ist heute nicht mehr das, was sie früher war. Früher bedeutete leichte Arbeit etwa 15 bis 20 Kilometer Marsch oder einen leichten Wagen hinter sich herzuziehen. Heute gilt schon eine Stunde lockeres Training oder ein flotter Spaziergang als leichte Arbeit. Bewegung ist dabei kein Bonus, sondern ein Grundbedürfnis.

Zugang zu Raufutter, ausreichend Bewegung, frisches Wasser, das klingt banal, ist aber entscheidend. Viertens: soziale Kontakte. Kein Pferd sollte allein stehen. Die Bindung zur Herde ist für ein Fluchttier enorm wichtig für die mentale Gesundheit. Und weil wir Psyche und Körper nicht voneinander trennen können, ist mentale Gesundheit die Voraussetzung dafür, dass ein Pferd auch körperlich Leistung erbringen kann. Das wird gerade bei sportlich stark geforderten Pferden oft vergessen, dabei könnten viele noch deutlich mehr leisten, wenn sie mental gut ausgelastet und stabil wären.

Fünftens: ausreichend Liegeflächen und Hygiene. Je kleiner der Stall, desto stärker muss auf Hygiene geachtet werden. Es braucht ausreichend Liegeflächen und ausreichend Fressplätze, am besten immer doppelt so viele Fressplätze wie Pferde vorhanden sind, und genügend Liegeflächen, damit auch die rangniedrigeren Pferde wirklich zur Ruhe kommen.

Und dazu die mentale Auslastung: unterschiedliche Arbeit, Bodenarbeit, Freiarbeit, Spiel, Abwechslung, nicht nur Reiten. Und eine Bindung zum Menschen, die nicht nur Abhängigkeit erzeugt, sondern bei der das Pferd auch selbstständig bleibt. Zu viel Abhängigkeit kann selbst wieder Stress verursachen. Mir ist wichtig, dass Pferde ausreichend Selbstbewusstsein entwickeln können und selbstwirksam sind, auch das gehört für mich zu den Basics.

Damit sind wir bei der Haltung des Menschen. Wir sollten Pferde nicht vermenschlichen, sondern verstehen: Pferde sind keine Menschen und sollten auch nicht so behandelt werden. Man neigt schnell dazu, das passiert mir in Behandlungen auch selbst, dem Pferd menschliche Emotionen zuzusprechen. Natürlich zeigt die Erfahrung, dass bestimmte Reaktionen kontextabhängig oft eine bestimmte Bedeutung haben, aber ich muss mich immer wieder zurückhalten, den Pferden gegenüber nicht zu vermenschlicht zu agieren.

Rassespezifisches Denken ist Pflicht: Wer sich einen Spanier, einen Isländer oder einen Araber holt, sollte sich vorher mit den rassespezifischen Bedürfnissen auseinandersetzen. Beim Hund ist das ähnlich, den sucht man sich ja auch nicht nach dem Aussehen aus, sondern nach Eignung und Bedürfnissen. Wer sich einen Hütehund kauft und ihn dann zu Hause nicht entsprechend seiner eigentlichen Bestimmung auslastet, muss sich nicht wundern, wenn er nicht artgerecht gehalten wird. Oder ein Jack Russell, ein absoluter Nasenhund: Wird er nicht entsprechend ausgelastet, wird er zwangsläufig unausgeglichen.

Bevor man sich ein Pferd anschafft, sollte man sich also fragen: Kann ich diesem Tier organisatorisch und energetisch gerecht werden, passt das Tier zu mir? Und es gehört auch Mut dazu, ehrlich zu sagen: Das wird mir gerade zu viel. Ich finde es gut, wenn diese Entscheidung bewusst getroffen wird, das kann ich total nachvollziehen, mir würde es ähnlich gehen.

Ein weiterer Punkt, der auch zu den Menschen gehört: das Umfeld des Pferdes. Alle, die Verantwortung übernehmen, Hufbearbeiter, Reitlehrer, Trainer, alle Dienstleister in der Pferdebranche, brauchen fachliche Tiefe, Kritikfähigkeit und damit auch eine gute mentale Gesundheit und Reflexionsfähigkeit.

Ein guter Reitlehrer zeichnet sich für mich nicht durch Turniererfolge aus, sondern durch fachliche Tiefe. Gute Fachleute wissen, was sie tun, und können Rückmeldungen annehmen und entsprechend damit umgehen. Reitlehre braucht Biomechanik, keine Ideologie, es geht nicht darum, ob Western besser ist als Dressur, sondern um Verständnis: Wie funktionieren Stellung und Biegung? Wie funktionieren die Kopfgelenke? Was passiert an der Halsbasis? Wie erreiche ich eine gute dorsale Stabilität, also Rücken- oder Rumpfstabilität?

Ein Beispiel: Wenn ein Reitlehrer über eine starke Hyperflexion, also eine Überbeugung der Kopfgelenke, eine Längsstellung erzeugen will, hat er die Biomechanik nicht wirklich verstanden. Bringe ich die Kopfgelenke in eine sehr starke Flexion, ist die Seitneigung dadurch schon stark limitiert, und blockiere ich gleichzeitig auch noch die Halsbasis. Das ist einfache Biomechanik, und ich erwarte, dass sich ein Reitlehrer damit auseinandersetzt und versteht, was er tut, denn nur so kann er es an die Reiter weitergeben. Sehr oft höre ich dann von Reitern: Jetzt weiß ich endlich, was da unter mir passiert. Dieses Verstehen und Visualisieren ist für mich ein ganz großer Schlüssel.

Zur Rolle des Therapeuten: Mir ist wichtig, sehr respektvoll mit Pferd und Mensch umzugehen und nicht vorschnell zu urteilen. Wenn ich mir ein Pferd zum ersten Mal anschaue, urteile ich nicht sofort, wie es dasteht, ich weiß ja gar nicht, wie es vielleicht noch vor einem halben Jahr dastand. Der Pferdebesitzer ruft mich aus einem guten Grund, weil er Unterstützung möchte.

Natürlich muss man auch mal deutlich werden, aber bevor ich sage, was hat denn der Hufbearbeiter da gemacht, frage ich lieber diplomatisch: Mir fällt auf, dass die Zehen recht lang und die Trachten etwas untergeschoben sind, ist das schon immer so gewesen? Meistens kommt dann von den Besitzern: Ja, daran arbeiten wir schon, das ist dem Hufbearbeiter auch aufgefallen, vor einem halben Jahr war es noch deutlich stärker. Genau diese Info brauche ich, um zu wissen, ob sie auf dem richtigen Weg sind, statt hinzukommen und alles schlechtzumachen, um selbst besser dazustehen. Das bringt niemandem etwas, außer vielleicht kurzfristig dem Therapeuten selbst, wenn er kein gutes Selbstwertgefühl hat und meint, jetzt konnte ich mal richtig etwas raushauen. Zielführend ist das nicht.

Ein Therapeut muss wissen, was er tut: kein Raten, sondern anatomische Klarheit, Visualisieren statt nur Tasten und Hoffen. Rückmeldungen, die nicht nur auf die Schulter klopfen und sagen, wie toll das Pferd danach läuft, sondern wirklich konstruktiv sind, sind extrem wertvoll. Ich freue mich sogar besonders über die Rückmeldung: Da hat sich aber nicht allzu viel verändert. Das ist Gold für den echten Profi, denn nur durch Rückmeldung wird Entwicklung überhaupt möglich.

Wenn ich weiß, dass ein Pferd wegen einer schlechten Stellung und Biegung auf der rechten Seite vorgestellt wurde, ich therapeutisch gearbeitet und einiges gelöst habe, und danach die Rückmeldung kommt, es habe sich nicht viel verändert, muss ich mir die Frage stellen: Woran liegt das, was habe ich vielleicht übersehen, was könnte unabhängig von funktionellen Bewegungseinschränkungen dazu führen, dass sich das Pferd nicht vernünftig stellt und biegt? Da muss ich weiterschauen, und genau das bringt am Ende auch die Pferdebesitzer weiter.

Die Behandlung ersetzt eben nicht die Basics. Wenn Haltung, Fütterung, Bewegung oder die Art des Reitunterrichts nicht stimmen, ist jede Therapie frustrierend.

Beim Reitunterricht fehlt mir manchmal das Verständnis für Trainingsprinzipien: Wie trainiere ich gezielt eine bestimmte Fähigkeit oder Fertigkeit? Das wird bei vielen Reitlehrern noch recht stiefmütterlich behandelt. Verlange ich vom Pferd eine reelle Versammlung, im Grunde eine Kraftausdauer- oder Kraftleistung, oder im Springsport eher Explosivkraft, muss ich wissen, wie ich das trainiere, und darf es nicht wie eine Grundlagenausdauer trainieren, wie bei einem langen Spaziergang ohne Pausen. Bei intensivem Intervall- oder Krafttraining braucht es dagegen Übung und Pause im Wechsel.

Gerade bei jungen Pferden, die reelle Versammlung gerade erst lernen, muss ich das Training sukzessive aufbauen, statt zu verlangen, dass ein Pferd eine halbe Stunde am Stück in Versammlung geht, und mich dann zu wundern, dass es danach nur noch blockiert. In so einem Fall sollte man sich nicht fragen, welche osteopathische oder physiotherapeutische Läsion dahinterstecken könnte, sondern warum das eigentlich passiert. Ich bitte Reitlehrer, die das noch nicht auf dem Schirm haben, sich wirklich mit Trainingsprinzipien auseinanderzusetzen, das wird im Pferdebereich oft noch stiefmütterlich behandelt.

Im Fitnessstudio wird uns als Menschen ganz selbstverständlich gezeigt, dass eine Kraftübung langsam aufgebaut wird, mit Pausen, mehreren Sätzen und Pausen zwischen den Übungen, nicht als Dauerschleife, zu Lasten der feinen Bewegungsausführung, die irgendwann einfach nicht mehr möglich ist. Da sind wir im Humanbereich teilweise weiter. Umgekehrt ist man im Pferdebereich bei manchen Themen, etwa bei Mikronährstoffen, manchmal wieder etwas weiter.

Ein letzter Punkt: Achtsamkeit im Umgang, für Mensch und Tier. Zum Beispiel Ruhe am Stall. Wir wissen, dass Pferde, die dauerhaft einem hohen Geräuschpegel ausgesetzt sind, mehr Stress haben und eher zu stressbedingten Stoffwechselproblemen, Magenproblemen oder hormonellen Problemen neigen. Ruhe am Stall ist für mich eine absolute Basic.

Natürlich kann es an einer größeren Anlage zur Stoßzeit auch mal etwas voller sein, aber es sollte trotzdem nicht noch zusätzlich laut Radio laufen oder dauerhaft eine hohe Lautstärke oder ständiges Telefonieren dazukommen. Ob als Therapeutin oder als Pferdebesitzer: Ich bin ohne Handy großgeworden, und wenn ich beim Pferd bin, dann bin ich auch wirklich präsent beim Pferd.

Gerade weil viele Menschen erst nach der Arbeit an den Stall kommen, haben manche wirklich das Bedürfnis nach Ruhe, einfach nur mit ihrem Pferd zusammen zu sein. An manchen Reitanlagen ist das kaum noch möglich, weil es einfach voll und laut ist, und weil kaum jemand die Stille noch aushält, weil wir es gewohnt sind, den ganzen Tag beschallt zu werden. Also: nicht auf dem Pferd sitzen und dabei aufs Handy schauen, sondern den Moment genießen. Das hilft nicht nur dem Pferd, sondern auch uns.

Nicht beschallen, sondern zuhören, das gilt für mich auch in der Behandlung selbst. Am Anfang und am Ende gehört die Zeit dem Pferdebesitzer, in der Mitte schaue ich nur aufs Pferd, um ihm wirklich zuhören zu können. Eine Sache zu einer Zeit, für sich und auch fürs Pferd.

Zum Abschluss wünsche ich mir, dass wir alle, Therapeuten, Trainer, Pferdebesitzer, wieder mehr in die Basisarbeit kommen: reflektieren, zuhören, beobachten, verstehen, statt vorschnell zu bewerten oder immer nach der schnellen Lösung zu suchen. Die Basics sind eben nicht nur Haltung, Bewegung und Fütterung beim Pferd, sondern auch vieles rundherum.

Wenn dich die Themen interessieren oder du als Therapeut noch mehr Informationen möchtest: Ich mache regelmäßig kostenlose Webinare, dafür kannst du dich eintragen, neben den Online-Seminaren, die ich über die Horse Therapy Academy anbiete. Du kannst dich auch für meinen Newsletter eintragen, den findest du auf derselben Seite, dann verpasst du keine Aufzeichnungen, kein kostenloses Webinar und keine Inhalte.

Ich freue mich, mein Wissen in dieser Form weitergeben zu können. Damit dieser Podcast weiter bestehen kann, bin ich auch ein bisschen darauf angewiesen, dass du mir Rückmeldung gibst, den Podcast bewertest und weiterempfiehlst. Darüber freue ich mich immer sehr. Ich mache mir viele Gedanken darüber, was ich hier weitergebe, und um das fortsetzen zu können, ist mir eure Rückmeldung wichtig.

In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal, schön, dass du dabei warst. Bis zur nächsten Folge bei Pferde, Schäfer und Menschen.