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Unsicher nach der Ausbildung? Das ist normal. Warum Einordnen wichtiger ist als die nächste Technik

Unsicher nach der Ausbildung? Das ist normal. Warum Einordnen wichtiger ist als die nächste Technik. Denise spricht darüber, warum Unsicherheit nach einer Pferdetherapie-Ausbildung ganz normal ist, warum zehn weitere Technikfortbildungen die Frage nach dem passenden Werkzeug nicht beantworten und wie Befunde sinnvoll eingeordnet werden. Es geht um Fragen aus ihren Workshops, um den Umgang mit mehreren Auffälligkeiten, um Geräte versus Hands-on, um souveräne Beratung und das Beispiel eines Zwanghufs – dazu ein Überblick über ihre Kurse in der Horse Therapy Academy.

Transkript:

Hallo, mein Name ist Denise Schäfer. Ich habe die Horse Therapy Academy gegründet und auch den Podcast Pferde, Schäfer und Menschen. Die Horse Therapy Academy ist eine Fortbildungsplattform für Pferdetherapeuten – für Therapeuten, die sich in ihren Behandlungen noch unsicher fühlen, was übrigens ganz normal ist, aber auch für diejenigen, die schon länger dabei sind und ihr Behandlungsschema haben, aber merken, dass sie bei manchen Pferden damit nicht richtig weiterkommen und neue Impulse für ihre Praxis möchten.

Das Thema: Unsicherheit

Heute möchte ich über Unsicherheit sprechen, weil mir dieses Thema in meinen Kursen und Workshops und in der Kommunikation mit Pferdetherapeuten immer wieder begegnet. Du hast deine Ausbildung gemacht, viele Tests und Techniken kennengelernt und stehst dann vor dem Pferd und denkst: Was mache ich denn jetzt mit den Ergebnissen? Ich kann jetzt alles durchtesten und finde auch Bewegungseinschränkungen, aber wie interpretiere ich das, und wie ordne ich diese Thematiken ein?

Das ist fast die wichtigere Frage als die, ob ich das als Therapeut mit meinen tollen Techniken alles lösen kann – Techniken, die ja durchaus sinnvoll sind. Ist es überhaupt ein therapeutisches Thema? Muss eine ganz andere Sache angegangen werden? Oder ist vielleicht gar keine Thematik vorhanden? Wir sollten ja auch die Gesundheit betrachten und nicht nur nach den Defiziten schauen. Das finde ich unheimlich wichtig: dass wir die Begutachtung mit in die Behandlung hineinnehmen und nicht so defizitär auf das Pferd blicken – auch wenn es natürlich genauso wichtig ist, vorhandene Thematiken dann deutlich anzusprechen.

Die Ausbildung realistisch betrachtet

Ich bilde selbst Pferdetherapeuten und Pferdephysiotherapeuten aus, als eine der Dozentinnen im Bereich der Tierphysiotherapie, und bin damit Teil dieses Ausbildungssystems im Pferdebereich. Gerade deshalb dürfen wir auch ganz realistisch auf diese Weiterbildungen schauen. Wenn ich eine berufsbegleitende Ausbildung absolviere, die über anderthalb, zwei oder meinetwegen drei Jahre an Wochenenden oder einzelnen Tagen stattfindet, kann ich nicht erwarten, danach dieselbe umfassende Basis zu haben wie nach einer dreijährigen Vollzeitausbildung, zum Beispiel in der Humanphysiotherapie. Und selbst nach der fühlt man sich noch nicht hundertprozentig sicher, sondern geht dann vielleicht mehr in den einen oder anderen Bereich.

Ich kenne keinen einzigen Humanphysiotherapeuten, der nach der Ausbildung nicht weitergemacht hat mit Weiterbildungen – jeder in die Richtung, in die er passt oder in die er mal hineinschnuppern möchte, um dann festzustellen: Das ist etwas für mich, oder eben nicht. Wir dürfen also ganz klar sagen, dass es normal ist, nach einer Pferdephysiotherapie- oder Pferde-Osteopathie-Ausbildung erst einmal unsicher zu sein. Das ist sehr viel Fleißarbeit, die ich als Dozentin auch nicht ersetzen kann.

Einfühlen statt auswendig lernen

Das Auswendiglernen ist aber nicht die Kunst. Die Kunst ist, sich in das Pferd einzufühlen, sich auch in den Pferdebesitzer einzufühlen und mit beiden zu kommunizieren – jeweils auf ihre eigene, artspezifische Art. Da dürfen wir gerne auch mal switchen. Das finde ich eine ganz wichtige Eigenschaft: nicht nur alles auswendig zu lernen, sondern auch das Feingefühl zu haben – für die Struktur, für den Menschen und für das Tier. Genau hier setze ich mit meinen Kursen in der Horse Therapy Academy an.

Ich möchte damit sagen: Es ist ganz normal, dass sich ein Pferdephysiotherapeut nach der Ausbildung unsicher fühlt, und das ist egal, an welchem Institut du gelernt hast. Ich kenne keins, bei dem die Schüler nachher hinausgehen und sagen: Jetzt weiß ich alles. Fragen bleiben offen, und Unsicherheiten dürfen da sein – gerade im medizinischen Bereich beziehungsweise Gesundheitsbereich, in dem es so viele Dinge gibt, die noch nicht hundertprozentig belegt oder bestätigt sind. Egal, ob wir 2026 haben oder 2028 oder wann auch immer: Wir wissen viel mehr noch nicht, als wir wissen.

Demut und der Wunsch nach Verstehen

Diese Demut ist mir wichtig. Wir können immer nur von dem Stand sprechen, den wir zum jeweiligen Zeitpunkt an Erfahrungen, Fortbildungen und Wissen haben. Und mir ist jemand, der nach der Ausbildung mit Unsicherheiten zu kämpfen hat, lieber als jemand, der hinausgeht und sagt: Ich revolutioniere die Pferdetherapie, denn ich habe hier die eierlegende Wollmilchsau, die und die Therapiemethode.

Mit „mehr Verstehen“ ist nicht gemeint, dass du zehn weitere Fortbildungen zu Techniken brauchst. Ich würde mir wünschen, dass Therapeuten sich Wissen aneignen, mit dem Befunde eingeordnet und Zusammenhänge erkannt werden können – und mit dem verstanden wird, warum etwas therapiert, behandelt oder verändert werden muss und wie beraten wird. Das schaffen wir mit einer reinen Technikfortbildung nicht. Wir können eine Fortbildung nach der anderen besuchen und am Ende einen riesigen Werkzeugkasten haben – die Frage, welches Werkzeug für dieses Pferd überhaupt sinnvoll ist, bleibt trotzdem offen.

Denn wenn ich als Manualtherapeut zu einem Pferd gerufen werde, heißt das noch lange nicht, dass die Thematik des Pferdes sich mit manualtherapeutischen Griffen lösen lässt. Das ist die alte Frage: Wenn du als Werkzeug nur einen Hammer hast, muss jedes Problem ein Nagel sein. Das stimmt aber nicht. Wir dürfen offen sein und auch unsere Grenzen erkennen.

Fragen aus meinen Workshops: Warum testen wir, wie wir testen?

In letzter Zeit habe ich einige Workshops genau zu diesem Thema gegeben – sicher behandeln, auch ganz praktisch am Pferd. Dabei kommen Fragen wie: Darf ich meine Hände auch anders hinlegen? Ich habe gesehen, dass du das ganz anders testest, als wir es in der und der Schule gelernt haben – darf ich diese Struktur sogar ein zweites Mal testen? In der Ausbildung wurde mir gesagt, dass jede Struktur nur einmal getestet werden darf, dass meine Hände immer an einer ganz bestimmten Stelle liegen müssen und dass ich nur so und so am Pferd stehen darf.

Da möchte ich zuerst verstehen, warum eine bestimmte Vorgehensweise vermittelt wurde – das hat ja immer einen Grund. Was soll dieser Test zeigen? Was fühle ich da überhaupt, und welche Aussage kann ich daraus ableiten? Eine genaue Anleitung kann beim Lernen zunächst helfen. Aber wenn ich nur weiß, wo meine Hände liegen sollen, ohne zu verstehen, was ich da untersuche und welche Konsequenz daraus folgt, wird es schwierig, sobald sich das Pferd anders verhält als im Lehrbuch. Genau da liegt aus meiner Sicht die größte Unsicherheit: Du kannst einen Ablauf wiedergeben, du kannst auswendig lernen, was du alles testen und machen sollst und wie du die Behandlung aufbaust – aber sobald etwas nicht in diesen Ablauf passt, weißt du vielleicht nicht mehr weiter.

Mehrere Auffälligkeiten: Was ist relevant?

Wenn ich bei einem Pferd mehrere Auffälligkeiten finde – und das ist die Realität, viel häufiger als alles andere –, muss ich überlegen: Wie hängen diese Thematiken überhaupt zusammen? Hängen sie zusammen? Welche dieser Schwachstellen sind aktuell relevant, welche haben eine Bedeutung? Wo liegt aber auch die Stärke des Pferdes, und an welcher Stelle können wir es unheimlich gut belastbar bekommen? Wie können wir es stärken? Und das mit Sinn und Verstand: Was muss ich mir genauer anschauen, und was kann ich vielleicht auch mal weglassen?

Was ist vielleicht erst einmal ein Befund, den ich wahrnehme, ohne ihn sofort behandeln zu müssen? Ist jeder Befund, zum Beispiel aus der Tierklinik, relevant, und wie ordne ich ihn ein? Das Wichtigste in einer Pferdebehandlung ist für mich nicht, dass ich jede mir zugängliche Struktur getestet habe. Wichtig ist erstens, Zugang zum Pferd zu bekommen, und zweitens herauszufinden, was für das Pferd gerade wichtig ist und welche Konsequenz meine Befunde für die Behandlung haben – ob sie überhaupt eine haben oder ob sie eine ganz andere Bedeutung haben. Vielleicht muss im Training oder im Alltag des Pferdes etwas verändert werden, vielleicht ist es eher ein Thema von Haltung und Fütterung oder von Horsemanship.

Hands-on statt Geräte: Wann ist ein Hilfsmittel sinnvoll?

Wir haben heute extrem viele Möglichkeiten, uns weiterzubilden: Behandlungstechniken, alle möglichen Geräte, Massage- und Magnetfelddecken, Balancepads und jede Menge anderer Dinge, die wir einsetzen können. Ich bin eher ein Hands-on-Therapeut, ich muss das alles fühlen. Zwischendurch hatte ich noch mein Triggerkreuz, mit dem ich behandelt habe – ich habe es nur sehr selten benutzt. Als ich es neulich mal wieder eingesetzt habe, dachte ich: Ich fühle ja gar nicht, was unter meinen Händen passiert. Also habe ich das Ding komplett aus meinem Behandlungskoffer gestrichen. Meine Hände und die Fähigkeit, wahrzunehmen, was ich fühle, sehe und rieche, sind für mich einfach wichtiger als jedes Gerät, das ich auf irgendeine Stelle halte.

Ich möchte Geräte nicht verteufeln. Aber ich muss wissen, wann ich sie anwende, wann es Sinn macht und wann es vielleicht Mikromanagement ist, das uns nicht weiterbringt. Wenn ein Pferd 20 oder 23 Stunden am Tag in der Box steht, würde ich mir erst einmal ganz andere Veränderungen wünschen, als noch zehn Minuten in der Woche mit Balancepads zu arbeiten. Nichts gegen Balancepads – ich stelle mich da selber auch mal gerne drauf. Aber zuerst geht es um andere Dinge. Wir sollten uns den Alltag des Pferdes anschauen: Das Pferd sollte einen eigenen Alltag haben, in dem es unabhängig vom Menschen lebt und seine Aufgaben hat, und wir sollten überlegen, was über viele Stunden auf seinen Körper einwirkt. Bei einem Reha-Pferd, das noch nicht viel raus darf, können Balancepads eine ganz tolle Sache sein. Aber das sollte ich für mich herausfinden: Wann macht was Sinn?

Dauertherapie vermeiden und Kosten sparen

Sonst behandeln wir uns unter Umständen dumm und dusselig – oder der Pferdebesitzer im Anschluss an die Behandlung –, weil die Bedingungen, unter denen das Problem gerade bei chronischen Thematiken immer wieder entsteht, gleich und unverändert bleiben. Gerade in einer Zeit, in der vieles teurer wird, finde ich es extrem wichtig, so zu arbeiten, wie ich es mir von anderen auch wünschen würde: Maßnahmen zu empfehlen, die langfristig sinnvoll sind und dem Pferdebesitzer wiederkehrende Kosten ersparen. Die Therapie soll nicht teurer und teurer werden, sondern langfristig zu mehr Gesundheit und damit zu weniger Kosten für symptomatische Behandlung führen.

Das setzt voraus, dass wir Therapeuten bereit sind, unser Wissen und Denken zu verändern. Ich habe heute bei manchen Dingen einen ganz anderen Blick als früher und werde in zehn Jahren wieder einen anderen Blick haben als heute – weil ich dazugelernt habe und weiter dazulernen werde, weil ich in der Praxis Erfahrung gesammelt habe und offen bleiben möchte, statt schwarz-weiß etwas nach außen zu tragen. Ich bin niemand, der sein Wissen für sich behält, damit bloß kein anderer so arbeiten kann – das fände ich total schade. Aber ich bin immer pro Pferd, das ist ganz klar. Ich möchte, dass Pferde gut behandelt werden: nicht nur therapeutisch gut, sondern auch vom Menschen und in der Haltung. Dazu gehört für mich, Wissen zu teilen, Fragen stellen zu dürfen und gemeinsam genauer hinzuschauen. Das ist der Grund, warum ich die Horse Therapy Academy aufgebaut habe. Die Seite heißt genauso: www.horse-therapy-academy.de.

Meine Kurse: Masterclass Pferdemagen

Ich möchte dich dabei unterstützen, als Therapeut sicherer in deinen Behandlungen zu werden – weil du besser verstehst, was du tust, und weil du deine Entscheidungen begründen kannst. Mein derzeit größter Kurs dafür ist die Masterclass Pferdemagen. Wir haben 2026; je nachdem, wann du das hörst, schau gerne mal auf die Seite. Dort geht es um unsichtbare Ursachen, wiederkehrende Thematiken und auch um Fälle, bei denen man bisher einfach nicht weitergekommen ist. Obwohl der Pferdemagen im Titel steht, schauen wir natürlich nicht nur auf den Magen, sondern fragen – und zwar mehrfach: Was steckt dahinter? Warum, warum, warum treten bestimmte Probleme immer wieder auf? Welche Rolle spielen Haltung, Fütterung und der Alltag des Pferdes, und was davon können wir gemeinsam mit dem Pferdebesitzer sinnvoll beeinflussen?

Mich beschäftigt dabei auch die Frage, welche Probleme durch unsere heutigen Haltungsbedingungen begünstigt werden und was wir aus dem Vergleich mit freilebenden Pferden lernen können. Das heißt nicht, dass wir alles perfekt wie in freier Wildbahn gestalten müssen, aber vielleicht doch etwas näher an dem, was das Pferd wirklich braucht. Und wir dürfen hinterfragen, ob das, was für uns im Pferdealltag ganz normal geworden ist, für das Pferd auch wirklich gut funktioniert – denk nur an die grüne, abgetrennte Parzelle mit der „Grasnarbe des Grauens“. Der Begriff stammt nicht von mir, aber ich finde ihn sehr treffend.

Ich möchte als Therapeutin verstehen, warum ein Pferd immer wieder Beschwerden entwickelt, damit wir nicht in einer Dauertherapieschleife landen. Das finde ich selbst total frustrierend: Es wird behandelt, es geht eine Zeit lang besser, dann kommt dasselbe Problem wieder, und wir fangen von vorne an. Das will keiner – ich würde es als Pferdebesitzer nicht wollen, und als Pferd vermutlich auch nicht, dass andauernd jemand kommen muss, damit ich einigermaßen auf den Beinen stehen kann.

Souveränität in schwierigen Fällen und Methodik für Therapeuten

Ein weiterer Kurs, der für dich als Pferdetherapeutin spannend sein kann, heißt „Souveränität in schwierigen Fällen“. Dort beschäftigen wir uns damit, was du tust, wenn Therapie nicht so greift, wie du es erwartet hast: Wie ordnest du komplexe Themen ein, wie triffst du klare Entscheidungen, und wie begleitest du vor allem den Besitzer dabei? Der Besitzer ist ein ganz wichtiger Teil der Behandlung. Ich habe früher angefangen mit dem Gedanken, lieber mit Pferden zu arbeiten, weil ich mit Menschen nicht so gut kann. Das hat sich sehr geändert, seit ich weiß, dass es eher an mir lag als an den Pferdebesitzern, und seit ich mir eine gute mentale Stabilität zugelegt habe und bestimmte Bereiche der Kommunikation immer weiter verbessere. Natürlich ist das nicht optimal – aber ich möchte euch ein paar schlüssige Kommunikationstools an die Hand geben, die dir im Umgang mit dem Pferdebesitzer helfen. Er ist derjenige, der die Empfehlungen verstehen und umsetzen können sollte. Es bringt nichts, Empfehlungen zu geben, die er in seiner derzeitigen Situation gar nicht umsetzen kann. Da darf ich schauen: Was habe ich für einen Typ vor mir, und wie kommen wir ganz pragmatisch zu nicht perfekten, aber besseren Lösungen für mehr Gesundheit?

Souverän zu begleiten bedeutet für mich auch, sagen zu können: Das kann ich im Moment noch nicht sicher einordnen. Wir brauchen vielleicht weitere Abklärungen, weitere Informationen oder jemanden aus einem anderen Fachbereich. Dazu gehört, das eigene Ego zurückzustellen: Ich kann das einordnen, aber ich vermittle dich weiter, und du solltest in einer bestimmten Fachrichtung weiterschauen. Das kann eine echte Bereicherung sein, weil Pferdebesitzer oft ratlos davorstehen. Wenn ich nicht alles selbst lösen kann, aber sagen kann: „Das und das ist alles schon super, aber diese eine Sache würde ich bei dem und dem Spezialisten abklären lassen“, dann kommt der Besitzer deutlich günstiger weg, als wenn er das ganze Pferd erst einmal von oben bis unten auf den Kopf stellt. Auch das kann ich als Therapeut vorher eingrenzen.

Ähnlich geht der Kurs „Methodik für Therapeuten“ in diese Richtung. Ich halte es für super wichtig, dass du deine Behandlung gut strukturieren kannst. Dabei geht es nicht darum, welchen Test du in welcher Reihenfolge machst, sondern darum, wie du professioneller und sicherer arbeiten kannst – am Pferd und im Gespräch mit dem Besitzer. Wenn du eine klare Struktur in deiner Arbeit hast, hilft dir das, den Überblick zu behalten, dich voll auf das Pferd zu konzentrieren und die nächsten Schritte daraus abzuleiten.

Funktionelle Ketten, Epigenetik und vegetatives Nervensystem

Der am häufigsten gebuchte Kurs ist übrigens der zu den funktionellen Ketten. Denn wenn an einer Stelle ein Symptom auftritt, heißt das nicht unbedingt, dass es nur dort zu behandeln ist oder nur dort die Ursache hat. Da geht es viel um auf- und absteigende Ketten – eher die Idee der Osteopathie: Wie sind die Zusammenhänge im Körper, nicht nur auf Ebene des Knochens, sondern im gesamten Pferd? Wie kann ich die Durchblutungssituation verbessern, unterstützen, regulieren? Wie hängen die verschiedenen Teile des Körpers zusammen – vegetatives Nervensystem, Gefäßversorgung, Bewegungsapparat, Faszien, Muskulatur? Das ist ein bisschen mehr die Philosophie der osteotherapeutischen Gedanken, die ich vor allem den Pferdephysiotherapeuten vermittle. Und es zeigt, dass wir nicht jede Stelle behandeln müssen: Eine lokale Auffälligkeit allein erklärt noch nicht, was beim Pferd insgesamt passiert. Es geht darum zu erkennen, wo genau wir etwas verändern können und wie sich das auf andere Bereiche auswirkt. Wie kann ich das Kreuzbein über den Atlas behandeln? Oder warum hat ein Pferd immer wieder Thematiken im Hufgelenk oder am Fesselträger – bringt die lokale Behandlung da wirklich immer etwas, oder sollten wir an ganz anderen Stellen schauen, um die Belastbarkeit des Körpers zu erhöhen und die Stoßdämpfung der vorderen Extremität zu verbessern?

Dann gibt es den Kurs „Epigenetik beim Pferd“. Da denkt man vielleicht zuerst: Was soll das denn sein? Aber das sind Themen, die uns begegnen: Pferdebesitzer kommen auf uns zu und sagen, mein Pferd war im Gentest für MIM oder PSSM1 oder etwas anderes positiv – was heißt das jetzt? Das begegnet uns als Pferdetherapeuten immer wieder. Muss sich etwas verändern? Ist das für die aktuellen Beschwerden relevant? Was lässt sich aus diesen Ergebnissen Stand heute überhaupt ableiten? Was hat Wert, was weniger? Das ordne ich in dem Kurs für euch ein. Wichtig ist zu verstehen, was ein Gentest aussagen kann und wo seine Grenzen liegen – ganz differenziert. Wir müssen genetische Befunde, tatsächliche Symptome und die Einflüsse auf die Genaktivität auseinanderhalten können, bevor wir daraus Empfehlungen machen. Hat ein Pferd zum Beispiel ein bestimmtes PSSM1-Testergebnis, sind oft andere Dinge noch wichtiger, als nur auf dieses Ergebnis zu schauen – es kann aber durchaus relevant sein, und das erkläre ich genau in dem Kurs. Der ist auch für Pferdebesitzer sehr relevant, wenn sie mit so einem Testergebnis konfrontiert werden.

Dazu gibt es ganz viele Mythen rund um das vegetative Nervensystem, was ich immer wieder erschreckend finde. Deshalb habe ich dazu einen Kurs gemacht, um mit typischen Aussagen und Mythen aufzuräumen – nicht nachzuplappern, sondern wirklich zu verstehen, wie das vegetative Nervensystem aufgebaut ist. Das ist auch Teil der Masterclass Pferdemagen, in die all diese Themen Einzug gehalten haben.

Der kostenlose Kurs

Falls du ihn noch nicht kennst: Ich habe einen kostenlosen Kurs. Den bekommst du, indem du dich auf horse-therapy-academy.de für den Newsletter einträgst – du erhältst dann den Kurs „Zustimmungspunkte des Pferdemagens“ kostenlos. Damit bekommst du einen kleinen Einblick, worauf wir noch schauen können. Dabei geht es auf gar keinen Fall darum zu sagen: An der Stelle hat das Pferd Auffälligkeiten, und deshalb hat es eine Magenthematik – das dürfen wir nicht diagnostizieren. Aber je mehr wir wissen, welche Bereiche neben der Trageschwäche auffällig sein können – und die ist nicht das Einzige, was wir bei Pferden mit Magenthematiken sehen – und welche wir manualtherapeutisch finden können, desto besser. Ich halte es für extrem wichtig, dass wir als Therapeuten erkennen, wann ein Pferd wirklich eine andere Thematik hat, wann das Thema Magen genauer untersucht werden sollte und wie ich den Besitzer gut aufklären kann, ohne die tierärztliche Behandlung zu ersetzen.

Differenziert denken statt Schwarz-Weiß: das Zwanghuf-Beispiel

Es wäre natürlich super praktisch, wenn wir an einer Stelle testen und danach genau wissen, was das Pferd hat und was wir machen müssen. Meistens ist es aber deutlich komplexer, und langfristig hilft uns differenziertes Denken viel mehr. Ich werde nicht müde, dazu aufzurufen, sich wirklich Wissen anzueignen und keine pauschalen Schwarz-Weiß-Lösungen zu suchen. Wenn wir als Therapeuten bestehen möchten, sollten wir Dinge einordnen – das habe ich schon ein paar Mal gesagt, aber es ist so wichtig. Du musst dafür kein Sattel-Experte, Huf-Experte oder Hufbearbeiter gleichzeitig sein. Aber du solltest erkennen, wann diese Bereiche eine Rolle spielen können und wann du mit der Therapie an Grenzen kommst.

Dazu ein Beispiel: Vor etwa fünf Jahren habe ich Fotos machen lassen. Darauf sieht man, wie ich das Hinterbein eines Pferdes hochnehme, meine Hand legt sich um den Huf, und ich zeige einen Test. Einige Jahre später, nachdem ich mich mehr in die Hufthematik eingearbeitet habe, sehe ich dieses Foto und denke: Oh Gott. Auf dem Bild sind ganz andere Dinge relevant, als ob ich das Hufgelenk perfekt getestet habe. Zu sehen ist ein Zwanghuf, ein unglaublich eingezwängter Huf, der hochproblematisch ist und uns Therapeuten auf jeden Fall auffallen sollte. Das greife ich auf, das finde ich super wichtig. Und ich werde mich auch in zehn Jahren wieder dabei ertappen, Dinge nicht gesehen zu haben, wenn wir mehr wissen, mehr Untersuchungen und vielleicht auch Studien und wissenschaftliche Erkenntnisse haben – die sind wichtig, aber die Erfahrungsmedizin ist genauso wichtig. Wenn du keine bessere Erklärung hast für das, was du unter deinen Händen fühlst, dann hast du eben nur diesen Hammer als Werkzeug und behandelst es vielleicht therapeutisch.

Einladung und Abschied

Wenn du Interesse hast, wirklich ursachenorientiert zu arbeiten – und „ganzheitlich“ nicht bedeutet, dass du das Pferd von Kopf bis Huf untersuchst, sondern dass du andere Teile des Pferdelebens mit einbeziehst, etwa Hufgesundheit, Zahngesundheit und Magen-Darm-Thematiken –, wenn du also wirklich Lust hast, Dinge zu verstehen, dann bist du herzlich eingeladen. Wenn du dich wiedererkennst und genauso viel Sinn in deiner Arbeit sehen möchtest wie ich, dann schau gerne auf der Seite horse-therapy-academy.de vorbei.

Und wenn du mir schreiben möchtest, was dich in deiner Arbeit besonders unsicher macht oder welches Thema du dir in der Ausbildung noch mehr gewünscht hättest, wo du dir mehr Erklärungen wünschst, dann schreib es mir gerne in die Kommentare. Oder teile dieses Video beziehungsweise diesen Podcast, je nachdem, in welchem Format du das hörst – das hilft mir, solche Inhalte weiterzugeben. Vielen Dank fürs Zuhören, eure Denise.

Quelle: Podcast „Pferde, Schäfer und Menschen“ – Folge „Unsicher nach der Ausbildung? Das ist normal. Warum Einordnen wichtiger ist als die nächste Technik“