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Was, wenn das Problem deines Pferdes nicht die bildgebende Diagnose ist, sondern der Umgang damit

„Das muss tierärztlich abgeklärt werden.“ – ein Satz, den wir alle kennen … und der in vielen Fällen absolut richtig ist.

Aber was passiert eigentlich danach?

Was passiert, wenn Probleme immer wieder auftreten?
Wenn Sehnen dauerhaft auffällig sind, Pferde immer wieder fühlig laufen oder Rückenschmerzen einfach nicht verschwinden?

In dieser Folge spreche ich darüber, warum eine tierärztliche Diagnose oft nicht ausreicht und warum die eigentliche Herausforderung häufig nicht im Befund liegt, sondern im Umgang damit.

Anhand von Fallbeispielen zeige ich dir, warum Bildgebung nicht immer das widerspiegelt, was im Pferd passiert, und weshalb es so wichtig ist, Symptome im Zusammenhang zu betrachten.

Du erfährst:
– warum „tierärztlich abgeklärt“ kein Endpunkt sein sollte
– weshalb wiederkehrende Probleme fast immer eine tiefere Ursache haben
– welche Rolle Themen wie Stoffwechsel, Training, Haltung und Stress spielen
– warum es entscheidend ist, das erste Symptom zu verstehen – und nicht nur das aktuelle Problem zu behandeln

Diese Folge richtet sich an Therapeuten und Pferdebesitzer, die nicht nur Symptome managen wollen, sondern lernen möchten, Zusammenhänge zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Wenn du deine therapeutische Arbeit auf ein neues Level bringen willst … weg von reiner Symptombehandlung, hin zu Ursachenarbeit … dann bist du hier genau richtig.

Mehr Inhalte, Webinare und fachliche Tiefe findest du auf meiner Seite horse-therapy-academy.de

Transkript:

Die Diagnose ist nicht das Problem – sondern das Denken darüber

Hallo und herzlich willkommen. Mein Name ist Denise Schäfer. Mein Podcast heißt „Pferde, Schäfer und Menschen“.

Ich habe vor einiger Zeit eine Fortbildungsplattform für Pferdetherapeuten gegründet, die Horse Therapy Academy. Ich brenne für die funktionelle Medizin und für eine ganzheitliche Therapie – nicht nur im Rahmen der körperlichen Gesundheit, sondern wirklich ganzheitlich. Ich glaube, dass interdisziplinäres Arbeiten und die Suche nach der Ursache die Therapie der Zukunft ist, vor allem bei chronischen Fällen.

Darauf beziehe ich mich auch in der heutigen Folge. Es geht darum, warum tierärztliche Abklärung oft nicht ausreicht und warum die Diagnose nicht immer das eigentliche Problem ist, sondern sich manchmal nur darin zeigt.

Die Ausgangsfrage

Ich wurde vor Kurzem gefragt, ob ich nicht mal eine Podcast-Folge dazu machen kann, was man bei Sehnenproblemen zufüttern oder geben kann. Ich habe gemerkt, dass ich diese Frage so gar nicht beantworten möchte. Nicht, weil ich es nicht kann – natürlich gibt es Ergänzungsfuttermittel, die Sehnen unterstützen können. Aber die Frage greift aus meiner Sicht viel zu kurz.

Deswegen möchte ich heute darüber sprechen, wie ich solche Themen angehe. Denn ein Satz, den wir alle kennen, ist: „Das Pferd ist lahm, das muss tierärztlich abgeklärt werden.“ Und vorweg möchte ich sagen: Das ist in vielen Fällen absolut richtig. Wenn ein Pferd sich verletzt, wenn es stürzt, wenn es eine Lahmheit hat oder insbesondere bei akuten Thematiken, dann sind Tierarzt, Klinik und Bildgebung der erste und wichtigste Schritt.

Aber manchmal greift das zu kurz. Gerade bei wiederkehrenden oder schon länger bestehenden Thematiken sollten wir uns fragen: Was passiert eigentlich danach, und was ist eigentlich die Ursache dafür?

Wenn zum Beispiel Thematiken immer wieder auftauchen – das Pferd hat immer wieder ähnliche Probleme an den Beugesehnen oder am Fesseltrageapparat eines Vorderbeins, eine Reizung des Fesselringbandes, eine Auffaserung der tiefen Beugesehne, immer wieder wird die Sehne auffällig, der Rücken schmerzt, das Pferd läuft vielleicht sogar fühlig und hat deswegen irgendwann Eisen bekommen, und jetzt treten die Sehnenprobleme auf – dann fragt man sich: Ich habe doch schon alles gemacht, warum geht es jetzt nicht voran?

Wir haben oft eine Diagnose oder eine gute Bildgebung. Und wir sollten uns dann immer fragen: Korreliert das mit der Symptomatik? Warum passiert das immer wieder? Und reicht es, wenn wir uns – abgesehen von der akuten Phase natürlich – nur diese eine Thematik anschauen?

Fallbeispiel: die druckempfindliche Stute

Ich möchte ein Fallbeispiel aus meiner Praxis erzählen, ein bisschen konstruiert beziehungsweise aus mehreren Fällen zusammengesetzt, an dem ich gesehen habe, dass es nicht immer ausreicht, einfach zu sagen: „Ja, das muss abgeklärt werden.“ Das ist aus meiner Sicht manchmal zu einfach, auch wenn es gut gemeint ist. Nicht falsch verstehen – ich meine damit nicht, dass Abklärung falsch wäre.

Ich hatte vor Kurzem ein Pferd, das deutlich druckempfindlich war in der mittleren Brustwirbelsäule, rund um die Sattellage – ich glaube, es waren die Brustwirbel 13, 14, 15, die deutlich druckdolent waren. Die Besitzerin war vorher mit dem Pferd in der Klinik. In der Bildgebung war dort nichts Auffälliges zu sehen. Stattdessen gab es einen Befund in der Lendenwirbelsäule, also strukturell etwas, das man hätte behandeln können. Der Tierarzt sagte aber auch, dass das Pferd deswegen nicht unbedingt offensichtliche Probleme hat.

Das sieht nicht jeder Schulmediziner so – manche sehen eine Auffälligkeit in der Bildgebung und sagen: „Da gehen wir jetzt ran, das muss jetzt die Ursache sein.“ Das würde ich einfach etwas reflektierter betrachten. Mir ist wichtig, dass wir das gesamte Pferd als Ganzes erkennen. Gerade bei Pferden, die nicht nur akut, sondern schon seit längerer Zeit Thematiken haben, sollten wir wirklich schauen, was die eigentliche Grundthematik ist. Das heißt nicht, dass es verkehrt ist, tierärztlich zu untersuchen und zu intervenieren – ich möchte selbst gerne wissen, was strukturell an Thematiken vorhanden ist, und schicke Patienten auch in die Klinik, wenn Lahmheiten oder Ähnliches vorliegen.

Ich fände es wunderbar, wenn interdisziplinärer gearbeitet würde und die Medizinhoheit, die für viele noch gilt, etwas kritischer hinterfragt wird. Es gibt viele Tierärzte, die da schon breiter aufgestellt sind. Aber natürlich ist auch das Zeitproblem oft vorhanden. Ich bekomme ganz oft die Rückmeldung, dass Leute in der Klinik waren und sagen: „Irgendwie wurde mir das auch nicht richtig erklärt.“ Gerade wenn unklare Befunde da sind, wird man manchmal abgefertigt und geht nachher nicht schlauer nach Hause. „Da wurde halt an der Stelle nichts gefunden, dann ist da nichts“ – und dann fahren die Besitzer wieder nach Hause.

Was ich auch häufiger erlebt habe, in fast 20 Jahren therapeutischer Praxis, und was mein Denken immer wieder verändert hat: dass manchmal Prognosen und Diagnosen gestellt oder Maßnahmen ergriffen werden, die kurzfristig eine nette Lösung sind, aber langfristig nicht das eigentliche Thema treffen. Nur weil ein Pferd wie diese Stute in der mittleren Brustwirbelsäule Berührungsempfindlichkeit zeigt, aber kein Befund da ist, kann man nicht einfach sagen: „Dann ist da auch nichts.“ Für mich ist dann oft wichtiger: Was zeigt mir das Pferd symptomatisch? Was zeigt mir das Pferd beim Abtasten? Was sagt mir der Reiter? Und vor allem: Hat das Pferd eine pferdegerechte Haltung, soziale Kontakte, wird es vernünftig gefüttert?

Wir unterschätzen immer noch die Auswirkungen von mentalem Stress und von Darmthematiken auf Gelenke, auf den Bewegungsapparat, auf Trainierbarkeit und Leistungsfähigkeit. Ein Pferd, das gestresst ist, kann nicht leistungsfähig sein und wird immer wieder Thematiken entwickeln, die nicht nur lokal behandelt werden sollten.

Bei diesem Pferd, das druckdolent war im Bereich der Brustwirbelsäule, stand zusätzlich eine Magenthematik im Raum. Die Gastroskopie war komplett unauffällig. Was für mich dann wichtiger war: Die Besitzerin erzählte mir, dass sie das Pferd schon vor der Gastroskopie in Bezug auf den Magen umgestellt und gezielt antherapiert hatten – und das Pferd lief daraufhin deutlich besser, es ging ihm besser. Das war für mich in dem Moment relevanter als die unauffällige Diagnostik. Ich nehme das durchaus ernst und würde nicht sagen: „Da war nichts, das braucht man nicht beachten.“ Die Reaktion des Pferdes auf das Antherapieren des Magens war für mich viel wichtiger, um wirklich gut unterstützen und weiterhelfen zu können.

Was bedeutet das für mich in der Praxis?

Wenn ich mich nur darauf verlasse, was in der Bildgebung tierärztlich gefunden wird, verpasse ich unter Umständen das eigentliche Problem. Eine Bildgebung zeigt mir Strukturen – und die Bildgebung ist immer besser geworden. Sie zeigt mir, was da ist und was nicht da ist. Sie zeigt mir aber nicht, wie das gesamte System funktioniert, woher der Schmerz kommt und wie Stoffwechsel, Stress und Belastung zusammenwirken.

Wir kennen das aus dem Humanbereich, zum Beispiel bei Bandscheibenvorfällen. Wenn man „Bandscheibenvorfall“ sagt, werden viele hellhörig. Aber es gibt genauso oft Bandscheibenvorfälle, die überhaupt keine Symptomatik machen. Ich selbst habe zum Beispiel keine Rückenprobleme, aber wenn man bei mir eine bildgebende Untersuchung machen würde, könnte es sein, dass man trotzdem Auffälligkeiten findet.

Genauso habe ich ein Pferd in Behandlung, das eine hochgradige Sprunggelenksarthrose hat. Im Bewegungstest fühlt man, dass es dort etwas eingeschränkt ist – aber das ist nicht die eigentliche Baustelle des Pferdes. Dieses Pferd wurde als junges Pferd in der Klinik vorgestellt, und es hieß: „Der hat eine massive Arthrose im Sprunggelenk, den brauchen Sie nicht zu reiten.“ Damit sind die Besitzer nach Hause gefahren. Das kann passieren, wenn Besitzer nicht begleitend durch die Klinik oder den Tierarztbesuch geführt werden – und das betrifft nicht jeden, das gibt es bei Therapeuten, bei Tierärzten, in allen Bereichen: Menschen, die reflektierter arbeiten, und solche, die weniger reflektiert arbeiten. Ich bin immer dagegen, schwarz-weiß zu malen und einfach zu sagen: „Das ist der Befund, das ist die Prognose.“ Gerade bei strukturellen Thematiken ist das nicht Sinn der Sache und auch nicht zielführend.

Zurück zum Ursprung: das erste Symptom

Die Frage, die ich mir gerade bei chronischen Thematiken immer stelle: Was war das erste Symptom, das das Pferd gezeigt hat?

In vielen Fällen – wie auch bei einem anderen Pferd, das überall Auffälligkeiten zeigte, Berührungsempfindlichkeit, Gewichtsprobleme, extreme Aufgasungen beim Weidegang, dann auch mal eine leichte Lahmheit – habe ich gefragt, was das erste Symptom war. Die Besitzerin sagte: Das Pferd war fühlig. Ich habe weiter gefragt, was dann gemacht wurde. Das Pferd war fühlig, zeigte auch eine leichte Lahmheit, ging in die Klinik, und bei der Bildgebung wurde nichts Besonderes gefunden. Das Pferd bekam ein Schmerzmittel und Eisen, weil es fühlig war und Schmerzen beim Belasten hatte.

Das Pferd hatte keinen extremen Abrieb – es wurde nicht stundenlang ohne Eisen bewegt, sodass man hätte sagen können, der Abrieb sei größer als der Aufbau. Im Gegenteil, es wurde eher wenig bewegt, vielleicht eine Stunde am Tag, und das ist für so ein Pferd nicht viel, auch nicht auf einem Boden mit starkem Abrieb. Wenn das die einzige Therapie ist, die vorgeschlagen wird, kann das kurzfristig eine Entlastung bringen. Aber langfristig sollten wir uns fragen, ob wir damit nicht einfach die Symptome überdecken.

Das Pferd zeigte immer weitere Thematiken, immer mehr. Und Fühligkeit, das war der Punkt, an dem ich auf das erste Symptom eingegangen bin, kann ganz viele Ursachen haben: Stoffwechselthematiken, Insulindysregulationen, chronisch stille Entzündungen, eine mangelnde Tragfähigkeit, Trainingsdefizite, eine zu starke Belastung. Auch Magen- oder Darmthematiken können dazu führen, dass Pferde mit Darmentzündungen auch eine Neigung zu Entzündungen in den Extremitäten entwickeln. Wenn ich all diese Dinge nicht mit einbeziehe, behandle ich vielleicht irgendwann eine Sehne oder ein Gelenk, habe aber den Ursprung der Thematik nie wirklich verstanden.

Der Weg vom fühligen Huf zur Sehnenoperation

Was kann bei so einem Pferd passieren, wenn wegen einer Fühligkeit einfach auf Eisen umgestellt wird? Ich habe das eine oder andere Pferd vor Augen, das auf Eisen umgestellt wurde und daraufhin einen starken Zwanghuf entwickelt hat. Das hat nicht per se mit dem Eisen selbst zu tun, sondern mit der Bearbeitung, der Größe des Eisens und wie der Huf dabei bearbeitet wird.

Dieses fühlige Pferd war zwar nicht mehr fühlig, aber der Huf wurde immer kleiner, die Ballen immer mehr aufgestaucht, der Strahl kaum noch vorhanden. Und irgendwann entwickelte das Pferd eine Sehnenthematik, wurde vielleicht operiert, weil das Fesselringband sehr stramm war, ging in die Reha, das verheilte nicht richtig, ging wieder in die Klinik, wurde wieder untersucht, wieder gespritzt, wieder behandelt. Aber es hat keiner auf den Huf geschaut.

Ich habe mir alte Huffotos zeigen lassen und dachte nur: Der Huf hat null Mechanik, da kann sich überhaupt nichts mehr bewegen. Und wenn der Huf in seiner Mechanik eingeschränkt ist, dann ist natürlich in der aufsteigenden Kette auch der Fesseltrageapparat und die Sehnen viel stärker gefordert.

Mein Ansatz war deshalb: Wir müssen zuerst der Insulinsensitivitätsstörung auf den Grund gehen, die sich in den Blutwerten zeigte, und diese angehen – gleichzeitig an der Hufthematik arbeiten, damit der Huf wieder etwas mehr Platz bekommt. Das heißt nicht, dass direkt der Hufschutz entfernt wird, um Gottes willen – sondern dass wir langfristig die Sehne entlasten können.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu durcheinander – gebt mir gerne eine Rückmeldung, ob ihr mit meinen Ausführungen etwas anfangen könnt. Natürlich kommt dann auch dazu, gegen das tiefer liegende Bewegungszentrum vorne anzuarbeiten, also die Rumpftragemuskulatur zu stärken, das Pferd in gute Mobilität und gleichzeitig Stabilität zu führen. Aber das kann nicht das Einzige sein. Denn wenn ein Pferd nicht trainierbar ist, weil ihm die Füße wehtun, daraufhin Eisen bekommt, der Huf weniger Bewegung hat, das Pferd zwar nicht mehr fühlig, aber total eingezwängt ist und daraufhin Sehnenprobleme entwickelt – mal lahmt, mal nicht lahmt, mal trainiert wird, mal nicht – dann ist es zwar wichtig, das Ganze tierärztlich abklären zu lassen. Aber das ist bitte nicht immer die eierlegende Wollmilchsau-Lösung.

Zusammenhänge statt Spezialisierung

Ein großes Problem ist aus meiner Sicht eben nicht immer die Diagnostik – die zweifle ich überhaupt nicht an, sie ist ja oft sehr gut geworden. Das Problem ist, die Zusammenhänge zu verstehen. Und dazu fehlt einem Tierarzt, der natürlich auch Notfälle hat, oft schlicht die Zeit.

Da würde ich mir wünschen, dass wir als Therapeuten die Menschen begleiten können und dürfen und dass die Pferdemenschen das auch annehmen – und dass neben der Medizinhoheitsmeinung, die manchmal noch gegenwärtig ist, auch andere Ideen zugelassen werden und man über den eigenen Horizont hinausschaut.

Aus meiner Sicht ist die Therapie der Zukunft nicht, dass wir uns immer weiter spezialisieren, sondern dass wir Zusammenhänge verstehen. Das heißt nicht, dass das von jedem verstanden werden muss. Ich ziehe mich dann persönlich auch zurück, wenn ich merke, dass gerade kein Interesse besteht oder der Tierarzt etwas anderes gesagt hat und ich mit meiner Idee zum Huf komme, aber in der Klinik heißt es: „Nein, das ist in Ordnung, die Eisen sollen dranbleiben.“ Das habe ich ja nie bezweifelt. Manchmal redet man sich da dumm und dusselig, und dann nehme ich mich raus. Aber es gibt auch wirklich tolle Menschen, mit denen man gut zusammenarbeiten kann und denen man auch etwas zeigen kann.

Wir Therapeuten haben die Möglichkeit, uns mehr Zeit zu nehmen, zu erklären und die Pferdebesitzer weiter zu unterstützen. Wenn Menschen nicht verstehen, warum sie etwas tun sollen, setzen sie es auch nicht konsequent um. Ich verstehe, dass es manchmal einfacher ist, schnell eine Lösung zu haben, die etwas lindert, und symptomatisch zu behandeln – in Akutfällen ganz klar, keine Frage. Wenn ein Pferd sich am Zaun verletzt hat, soll man das natürlich bildgebend abklären lassen. Das sage ich nicht anders. Es ist am Ende immer die Sache des Einzelnen, was er aus den Beispielen macht, die ich hier gebe.

Fazit

Ich hoffe, ich konnte mein Therapieverständnis vermitteln: dass wir bei Maßnahmen wie Beschlag, Hufbearbeitung oder Ergänzungsfutter zum Beschlag durchaus Sinn sehen können, aber dass ich sehr, sehr spät erst an Kollagen, MSM oder Omega-3-Fettsäuren denke, wenn die Basis nicht gegeben ist. Was bringt es, wenn das Grundsystem, die Basis, einfach nicht da ist? Diese Dinge können unheimlich hilfreich sein, aber sie sind das i-Tüpfelchen – das, was wir nehmen sollten, wenn wir die Basis abgeklärt haben.

Du kannst Symptome managen, oder du kannst das System verändern und verstehen. Tierärztliche Abklärung ist wichtig, aber sie ist nicht der Endpunkt, sondern ein Baustein. Wir sollten anfangen, nicht nur nach einzelnen Strukturen zu schauen, sondern die gesamten Zusammenhänge zu verstehen.

Das ist auch das, was ich in der Horse Therapy Academy versuche mitzugeben. Ich habe zum Beispiel den Kurs „Magen-Masterclass“, bei dem man sagen könnte: Denise ist spezialisiert auf Pferde mit Magenproblemen. Das kann daraus entstehen, aber wer in den Kurs reingeschaut hat, sieht, dass es vor allem darum geht, zu schauen, ob der Magen wirklich vordergründig ist, welche Ursache das hat, wie die Differenzialdiagnostik aussieht – und dass wir vor allem verstehen, wo unsere eigenen Grenzen liegen. Wenn ich merke, dass meine eigene Grenze erreicht ist, lasse ich tierärztlich abklären und bildgebend untersuchen. Das mitzuteilen ist ganz, ganz wichtig.

Genauso würde ich mir wünschen, dass wir auch bei anderen Themen wie der Hufbearbeitung offen für andere Wege sind und wirklich hinterfragen, was wir da an Therapiemaßnahmen symptomatisch ans Pferd bringen.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen wunderschönen Tag, und wir hören uns beim nächsten Mal.