Zum Inhalt springen

„Entgiftung“ ist keine Kur – Was im (Pferde-)Körper wirklich passiert

Entgiftung ist ein Thema, das aktuell sehr präsent ist – sowohl im Humanbereich als auch in der Pferdetherapie.

Oft wird dabei ein sehr vereinfachtes Bild vermittelt:
Ein Produkt, eine Kur, ein paar Wochen – und der Körper ist „entgiftet“.

So einfach ist es nicht.

In dieser Folge spreche ich darüber, was im Körper tatsächlich passiert, wenn wir von Entgiftung sprechen – oder genauer gesagt: von Biotransformation.

Du erfährst:

  • warum Entgiftung kein einzelner Prozess, sondern ein kontinuierlicher Vorgang in jeder Zelle ist
  • welche Rolle Darm, Leber und Niere wirklich spielen
  • warum Toxinbinder sinnvoll sein können – aber oft falsch eingesetzt werden
  • und weshalb die Reihenfolge entscheidend ist, wenn wir den Körper unterstützen wollen

Ich teile außerdem meine Gedanken zu Umweltgiften, Detox, zunehmender Belastung und warum wir lernen müssen, differenzierter auf dieses Thema zu schauen – ohne in einfache Lösungen zu verfallen.

Diese Folge ist keine Anleitung für eine „Entgiftungskur“. Sondern eine Einladung, Zusammenhänge besser zu verstehen.

Transkript:

Entgiftung ist keine Kur

Hallo und herzlich willkommen. Mein Podcast heißt „Pferde, Schäfer und Menschen“, und die heutige Folge beschäftigt sich mit dem Thema Entgiftung. Auch wenn das nicht der fachlich korrekteste Begriff ist, werde ich ihn in dieser Folge immer wieder verwenden, damit alle wissen, was gemeint ist – beziehungsweise am Ende der Folge wissen werden, was mit Entgiftung wirklich gemeint ist.

Mein Name ist Denise, ich bin Pferde-Osteotherapeutin und Physiotherapeutin im Pferde- und im Humanbereich und beschäftige mich neben manualtherapeutischen Themen sehr viel mit einer wirklich ganzheitlichen 360-Grad-Therapie für Pferde – und mit allem, was Pferde heute belastet. Damit sind wir auch schon beim Thema Umweltgifte.

Warum mich die „Vier-Wochen-Kur“ stört

Gerade bei den Kuren, die häufig angeboten werden, stößt mir immer wieder etwas auf: „Gib dem Pferd das vier Wochen, und dann ist es von Giften befreit.“ Das finde ich schade – auch wenn es wirklich tolle Firmen gibt, die mit guten Produkten arbeiten, sehr strukturiert und fundiert vorgehen und gute Informationen liefern. Ich möchte einfach etwas aufklären, was tatsächlich dahintersteckt. Wer tiefer einsteigen möchte, findet auf meiner Seite Horse Therapy Academy einige Online-Seminare, unter anderem zum Pferdemagen, zu chronisch stillen Entzündungen, zu Epigenetik und zur Einordnung von Muskelintegrationsmyopathien.

Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich mit rein manualtherapeutischen Themen allein nicht immer weiterkomme, weil die Ursache für Thematiken im Bewegungsapparat, im Nervensystem oder im Gefäßsystem heute auch ganz woanders liegen kann. Das Thema Entgiftung begegnet mir in der Praxis immer wieder, und dabei bekomme ich manchmal regelrecht Bauchschmerzen. Draußen wird oft das Bild vermittelt: Wir geben einen Toxinbinder oder ein Kräuterprodukt, und dann ist der Körper entgiftet. So einfach ist es aber nicht.

Die vier Phasen der Biotransformation

Ich möchte euch die vier Phasen der Entgiftung – oder besser: der Biotransformation, das ist für mich der treffendere Begriff – kurz vorstellen, damit ihr einen groben Einblick bekommt, wie komplex das Thema ist. Ich arbeite selbst mit Toxinbindern, bei mir, bei meinem Hund und bei den Pferden – etwa Heilerde, Zeolith, Bentonit, im Humanbereich auch Zitruspektin, Chitosan oder Glutamin. Das Problem liegt dabei nicht bei den Mitteln selbst, sondern beim Verständnis dahinter.

Entgiftung ist nichts, was wir einfach anschalten. Sie passiert die ganze Zeit, in jeder Zelle des Körpers. Jede Zelle ist stoffwechselaktiv und ständig damit beschäftigt, Stoffe umzuformen, zu transformieren, zu nutzen und auszuscheiden – erst innerhalb der Zelle, dann aus der Zelle heraus, dann über Blut, Darm und Leber.

Wenn wir von Entgiftung sprechen, meinen wir eigentlich die Biotransformation: Der Körper nimmt Stoffe auf oder produziert sie selbst – körpereigene Abfallprodukte oder Fremdstoffe – und macht sie ausscheidungsfähig. Diese Fremdstoffe sind heute deutlich zahlreicher geworden: Wir haben extrem viele Umweltgifte, von denen manche noch nicht vollständig erforscht sind. Nur weil bestimmte Chemikalien in Wasser, Lebensmitteln und Futtermitteln noch nicht gründlich untersucht sind, heißt das nicht, dass sie keine Rolle spielen. Wenn der Körper gesund ist, keine hohe Toxinbelastung hat und Leber und Darm funktionstüchtig sind, schafft er das meiste davon selbst. Das Thema ist heute so relevant, weil die Belastung eine andere ist als noch vor 70 Jahren – über Wasser, Luft, Futter und Böden kommen Pestizide, Mikroplastik, Medikamentenrückstände und Schimmeltoxine hinzu, viele davon Stoffe, die es vor 50 oder 70 Jahren schlicht noch nicht gab. Das heißt nicht automatisch, dass alles gefährlich ist – aber auch nicht, dass es ungefährlich ist. Es bedeutet zunächst nur, dass der Körper damit eine Menge zu tun hat.

Der größte Denkfehler in der Praxis: Es werden Prozesse angestoßen, ohne sie zu Ende zu denken. Toxine werden mobilisiert, aber nicht gebunden – oder sie werden gebunden, und das ist für viele dann schon die gesamte Biotransformation. Ganz grob lassen sich vier Phasen unterscheiden:

Phase 1 – Aktivierung: Stoffe werden in der Zelle aktiviert. Der Körper braucht dafür unter anderem Zink, Selen und Vitamin B6. Werden diese Nährstoffe einfach in hoher Menge gegeben, kann es passieren, dass nur diese erste Phase angeregt wird.

Phase 2 – Wasserlöslich machen: Hier spielt das körpereigene Antioxidans Glutathion eine zentrale Rolle, das sich unter anderem durch L-Glutamin unterstützen lässt, weil es die Glutathionbildung begünstigt.

Phase 3 – Heraustransport: Die Stoffe werden aus der Zelle transportiert. Vereinfacht gesagt (biochemisch nicht zu hundert Prozent exakt, aber fürs Verständnis): Phase 1 aktiviert auf Zellebene, Phase 2 macht wasserlöslich, Phase 3 transportiert heraus.

Phase 4 – Bindung und Ausscheidung: Diese Phase wird oft durch Produkte wie Gesteinsmehle unterstützt – die meisten kennen dabei vor allem die Bindung und Ausscheidung über den Darm. Toxine sammeln sich aber nicht nur im Darm, sondern auch im Blut und im Bindegewebe. Wird nur im Darm gebunden, deckt das eben nur einen Teil der eigentlichen Biotransformation ab.

Werden nur die ersten Phasen angeregt, ohne dass am Ende ausreichend gebunden und ausgeschieden wird, können bei einer hohen Belastung viele Giftstoffe freigesetzt werden, die den Körper zunächst zusätzlich belasten. Beim Menschen zeigen sich dann Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder gelegentlich Ödeme.

Toxinbinder sind sinnvoll, aber keine Universallösung

Wir können nicht einfach einen Stoff geben und sagen: „Das bindet jetzt alle Giftstoffe.“ Das stimmt nicht. Es gibt sehr spezifische Bindemittel, je nachdem, welche Toxine im Körper vor allem präsent sind. Beim Pferd sind das häufig Schimmelpilzgifte, aber auch Stoffe aus dem Trinkwasser oder aus den Wasserbottichen, Mikroplastik, Schwermetalle, Pflanzenschutzmittel über das Futter und Histamin, das der Körper auch selbst bilden kann und das oft mit Allergien oder Unverträglichkeiten in Verbindung gebracht wird. All das kann spezifisch gebunden werden – aber eben nicht mit einem einzigen Toxinbinder für alles.

Zeolith und Bentonit, von denen ich große Fans bin, wirken vor allem im Darm und können zum Beispiel Ammoniak und Histamin binden. Andere Stoffe wie Chitosan oder Pektine (im Humanbereich häufig eingesetzt, teils auch beim Pferd möglich) binden wiederum bestimmte, aber eben nicht alle Toxine – was übrigens nicht heißt, dass man deshalb unbegrenzt Futtermöhren verfüttern sollte, da diese je nach Herkunft selbst eine hohe Nitratbelastung haben können.

Wenn wir nicht wissen, was wir binden wollen, wissen wir auch nicht, welchen Toxinbinder wir einsetzen sollten – das sollte man sich aneignen, wenn man in diesem Bereich arbeitet. Und wenn ein Bindemittel keine Besserung zeigt, heißt das nicht automatisch, dass es ein schlechtes Mittel ist – vielleicht war es einfach nicht das passende, spezifische Bindemittel für die Thematik dieses Pferdes.

Wenn die Phasen zu schnell angeregt werden

Auf eine zu schnelle Anregung der ersten Phasen reagieren viele Menschen mit Müdigkeit, Blähungen oder Hautproblemen – das System kann sich dadurch erst einmal deutlich stärker belastet zeigen, eine Art Überforderung. Bei Menschen, die extrem erschöpft oder belastet sind, beginnt man deshalb auch nicht sofort damit, die Biotransformation aktiv anzuregen, sondern schaut zunächst, wie sich andere Bereiche stärken und der Körper stabiler machen lassen.

Bevor wir also in ein Entgiftungs- oder Ausleitungsprotokoll einsteigen, lohnt sich der Blick auf die Grundlagen: Funktioniert der Darm, ist das Mikrobiom intakt? Wie arbeitet die Leber – kann sie ausreichend leisten? Die Leber kann sich im Gegensatz zur Niere gut regenerieren. Interessant dabei: Nierenwerte im Blut zeigen sich meist erst auffällig, wenn die Niere bereits etwa 70 Prozent ihrer Funktion eingebüßt hat. Unauffällige Nierenwerte in der Blutanalyse bedeuten also nicht, dass die Niere nicht bereits stark belastet ist. Deshalb: Niere, Darm und Leber stabilisieren und dem Körper helfen, sich selbst zu helfen und auszuscheiden.

Ein oft unterschätzter Punkt dabei ist Bewegung – sie ist extrem wichtig, um den Stoffwechsel anzuregen und diese Prozesse in Schwung zu bringen.

Entgiftung läuft dauerhaft, nicht in vier Wochen

Entgiftung ist also kein Reinigungsprogramm, das wir mit einer vierwöchigen Gabe eines Mittels komplett durchlaufen. Der Körper entgiftet nicht einmal und ist dann fertig, sondern läuft rund um die Uhr, damit wir überleben können – es geht dabei nicht nur um Umweltgifte, sondern auch um ganz normale Stoffwechselprodukte, die ausgeschieden werden müssen.

Ist das System überfordert, nutzt der Körper unter anderem den Weg über die Haut – deshalb zeigen sich Belastungen der Biotransformation häufig auch über die Haut, etwa als Ekzeme, was ja auch mit dem Darm in Verbindung steht. Wenn ich bei einem Pferd starke Hautprobleme oder auffälliges Scheuern sehe, denke ich natürlich auch an andere Ursachen wie Parasiten – es ist nicht automatisch immer eine Toxinbelastung. Aber grundsätzlich denke ich bei Haut- und Fellproblemen an den Darm, an Toxine und vor allem an die Leber, die als Hauptentgiftungsmotor neben allen anderen Körperzellen eine zentrale Rolle spielt. Ist die Leber überlastet, zeigen sich häufig Hautprobleme – und die Leber ist wiederum abhängig von einem funktionierenden Darm und einer funktionierenden Niere.

Fazit

Meldet euch gerne, ob wir dieses Thema noch etwas intensiver ausarbeiten sollen und wie eure Erfahrungen damit sind – und ob ich es schaffen konnte, euch näherzubringen, warum man bei Werbeversprechen wie „Entgiften in vier Wochen“ vorsichtig sein sollte. Das ist wirklich nicht haltbar. Wer ganz spezifisch vorgehen möchte, sollte zunächst schauen, welche Schwermetalle oder Belastungen überhaupt vorliegen – dafür gibt es zum Beispiel Fell- oder Haarmineralanalysen, die zumindest eine Tendenz zeigen können. Im Humanbereich wird bei gezielter Ausleitung teils auch mit Chelat-Infusionen gearbeitet, um Schwermetalle auszuleiten – im Pferdebereich sind wir da noch nicht so weit und arbeiten vor allem über Gesteinsmehle und darüber, eine gute gesundheitliche Basis zu schaffen.

Wenn euch die Folge gefällt, teilt sie gerne – der Podcast lebt davon, gehört und geteilt zu werden. Bei mehr Interesse an meiner Arbeit und diesem ganzheitlichen Blick schaut gerne auf meiner Website, auf Instagram oder auf YouTube vorbei.

Bis zum nächsten Mal, eure Denise. Vielen Dank.