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PPID, Hufrehe, Insulinresistenz, Gelenkprobleme – kann ein Eisenüberschuss beim Pferd eine Rolle spielen?

Viele Pferdebesitzer machen sich Sorgen über mögliche Mineralstoffmängel und ergänzen deshalb verschiedene Spurenelemente in der Fütterung. In der Praxis zeigt sich jedoch häufig ein anderes Bild: Beim Spurenelement Eisen liegt beim erwachsenen Pferd meist kein Mangel, sondern eher ein Überschuss vor.

Eisen ist für den Körper zwar lebenswichtig. Es spielt eine zentrale Rolle im Sauerstofftransport im Blut, in verschiedenen Enzymsystemen und im Energiestoffwechsel. Gleichzeitig kann ein dauerhaft erhöhter Eisenspiegel im Körper jedoch problematisch sein.

Heu enthält oft bereits relativ hohe Eisenmengen. Zusätzlich kann auch Brunnenwasser eine wichtige Quelle sein. Da Pferde täglich etwa 30 bis 50 Liter Wasser trinken, kann sich darüber im Laufe der Zeit eine relevante Eisenaufnahme ergeben.

Ein Eisenüberschuss wird zunehmend im Zusammenhang mit verschiedenen gesundheitlichen Problemen diskutiert, unter anderem mit:

  • Insulinresistenz und Equinem Metabolischen Syndrom (EMS)
  • PPID (Cushing beim Pferd)
  • Hufrehe
  • Leberbelastung
  • entzündlichen Prozessen
  • sowie möglichen Auswirkungen auf Gelenke, Sehnen und Bänder

Außerdem kann ein Überangebot an Eisen die Aufnahme anderer wichtiger Spurenelemente wie Zink und Kupfer beeinträchtigen und dadurch zu weiteren Stoffwechselproblemen beitragen.

In dieser Podcastfolge spreche ich darüber:

  • warum Eisenmangel beim Pferd selten ist
  • warum Eisenüberschüsse häufiger vorkommen als gedacht
  • welche Rolle Heu und Trinkwasser spielen können
  • warum Mineralstoff-Ungleichgewichte entstehen
  • und weshalb gerade Pferde mit PPID, Insulinresistenz oder Hufrehe genauer hinschauen sollten.

Wenn du dich intensiver mit den Zusammenhängen zwischen Verdauung, Stoffwechsel und Fütterung beschäftigen möchtest, dann ist meine Masterclass „Pferdemagen“ ein sehr guter Einstieg. Dort schauen wir uns die physiologischen Grundlagen und wichtige Einflussfaktoren ausführlich an.

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Transkript:

Eisenüberschuss beim Pferd

Hallo und herzlich willkommen zu einer Folge von „Pferde, Schäfer und Menschen“. Mein Name ist Denise, ich habe vor einiger Zeit die Horse Therapy Academy gegründet und arbeite selbst als Gesundheitsberaterin und Osteotherapeutin. Mein Fokus liegt auf der ursachenorientierten Arbeit und auf wirklich ganzheitlichen Therapien und Ursachenforschung – nicht nur bezogen auf den Körper, sondern auf den gesamten Stoffwechsel und die Umweltfaktoren. Es geht darum, möglichst viel Gesundheit zu schaffen, um Erkrankungen und Symptomen möglichst wenig Platz zu geben.

Heute geht es um Eisenüberschüsse beim Pferd – ein Thema, das in der Pferdefütterung noch viel zu wenig beachtet wird. Ohne Panik machen zu wollen: Ihr werdet merken, dass es einen häufigen, leicht zu umgehenden Auslöser im Bereich der Eisenzufuhr gibt.

Warum wir eher an Mangel als an Überschuss denken

Wenn wir über Mineralstoffe sprechen, denken viele Pferdebesitzer zuerst an Mangelzustände – die Sorge, dass dem Pferd etwas fehlt und ein zusätzliches Ergänzungsfutter nötig ist. In der Praxis sehe ich allerdings häufig etwas anderes. Ich hatte das bereits im Zusammenhang mit Selen angesprochen: Ganz vielen Futtermitteln, nicht nur den Mineralfuttern, sind Zusatzstoffe beigemischt. Bei Selen macht das noch Sinn, weil es häufig, aber nicht immer im Mangel ist. Das wird in der Pferdefütterung aber oft übersehen.

Ich bin eher der Ansatz, dass man bei einem Grundfutter, das zum Beispiel den Eiweißbedarf gut abdeckt, dann etwas ohne zusätzliche Zusatzstoffe wählt. Auf manchen Müsli-Packungen steht, sie seien voll mineralisiert und vitaminisiert und keine zusätzliche Ergänzung sei erforderlich. Das suggeriert dem Pferdebesitzer, damit alles getan zu haben. Ganz oft werden dabei aber viele Spurenelemente hochdosiert als Zusatzstoffe gegeben, obwohl sie im Grundfutter ohnehin schon in ausreichender Menge vorhanden sind.

Eisen: wichtig, aber meist schon reichlich vorhanden

Eisen ist neben Selen ein sehr gutes Beispiel für ein Spurenelement, bei dem leicht ein Überschuss entstehen kann. Es ist sehr wichtig – aber meist schon ausreichend vorhanden. Eisen gehört zu den Spurenelementen (Mikronährstoffen), die im Körper nur in Spuren vorhanden, aber dennoch wichtig sind. Es ist Bestandteil des Hämoglobins und sorgt für den Sauerstofftransport im Körper, außerdem Bestandteil wichtiger Enzyme und spielt im Energiestoffwechsel, etwa im Bereich der Schilddrüse und anderer Organe, eine wichtige Rolle.

Bei einem 500-Kilo-Pferd können wir von etwa 400 Milligramm Eisenbedarf pro Tag ausgehen, bei einem 600-Kilo-Pferd liegt der Bedarf je nach Belastung und Typ bei etwa 480 bis über 600 Milligramm täglich. Das Problem: Diese Menge wird normalerweise problemlos über das Grundfutter – also Heu – gedeckt, und meist deutlich übertroffen. Heu enthält typischerweise zwischen 5 Milligramm (sehr niedrig angesetzt) und 2600 Milligramm Eisen pro Kilo Trockensubstanz, im Mittel liegen die Werte aus Heuanalysen meist bei 200 bis 300 Milligramm pro Kilo. Auch andere Futtermittel enthalten Eisen: Weidegras je nach Sorte etwas über 200 Milligramm pro Kilo, Hafer etwa 65 Milligramm pro Kilo, Luzerneheu etwa 250 Milligramm pro Kilo.

Frisst ein 500-Kilo-Pferd etwa 10 Kilo Heu am Tag mit 200 Milligramm Eisen pro Kilo, kommt es bereits auf 2000 Milligramm Eisen täglich – bei einem Bedarf von 400 bis 500 Milligramm also eine vierfache Versorgung. Genau wissen wir das natürlich nur mit einer Heuanalyse. Selbst bei vergleichsweise niedrigen Eisenwerten im Heu, zum Beispiel 45 Milligramm pro Kilo, liegt man immer noch im Bedarfsbereich.

Eisenmangel beim Pferd ist entsprechend sehr selten. Ein erhöhter Eisenbedarf kann etwa bei größeren Blutverlusten durch Verletzungen oder schwere Erkrankungen entstehen – das sind aber absolute Ausnahmen. Selbst bei intensiver Arbeit steigt der Bedarf nur wenig an. Beim erwachsenen Pferd ist Eisenmangel also sehr selten, ein Eisenüberschuss dagegen viel häufiger.

Der Gegensatz zum Menschen

Beim Menschen sieht das ganz anders aus: Gerade Frauen haben häufig einen Eisenmangel, der viele Ursachen haben kann – meistens eine Darmerkrankung wie einen durchlässigen Darm (Leaky Gut), dazu kommt bei Frauen der Blutverlust durch die Menstruation, auch wenn Männer ebenfalls einen Eisenmangel entwickeln können. Dabei lohnt sich immer der Blick auf die Darmgesundheit.

Spannend dabei: Bei Menschen wird meist der Ferritinwert gemessen, nicht der reine Eisenwert im Blut, der wenig Aussagekraft hat – Ferritin ist die Form, in der Eisen für den Körper brauchbar vorliegt. Die Referenzwerte liegen dabei teils unter 12, während Frauen eigentlich mindestens 70 haben sollten, um nicht unter Erschöpfung, Haarausfall, Schilddrüsenproblemen oder Restless Legs zu leiden. Weil die Referenzwerte im Schnitt so niedrig angesetzt sind, fällt ein Eisenmangel häufig gar nicht auf.

Wie ein Eisenüberschuss im Körper wirkt

Werden Spurenelemente wie Eisen über längere Zeit in hohen Mengen aufgenommen, kann das zu toxischen oder subtoxischen Effekten führen – letztere bemerken wir oft gar nicht, weil sie sich nicht offensichtlich zeigen. Der Körper hat zwar Mechanismen, um Mineralstoffe zu regulieren und eine Homöostase herzustellen, aber dieses System kann überfordert werden. Dann kann sich Eisen im Gewebe anreichern, etwa in der Leber, aber auch im Herzen oder in der Hypophyse.

Deshalb steht ein Eisenüberschuss häufig im Verdacht, mit PPID (dem Cushing-Syndrom beim Pferd) einherzugehen – vereinfacht gesagt eine Erkrankung, bei der die Hypophyse nicht richtig arbeitet. Lagert sich Eisen in der Hypophyse ab, kann sie ihre Funktion nicht mehr richtig erfüllen. Erhöhte Leberwerte oder Symptome wie starke Müdigkeit, Haut- oder Hufprobleme können ebenfalls auf Eisenablagerungen hindeuten. Auch in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) kann sich Eisen anlagern – und die Pankreas ist unter anderem für die Insulinbildung verantwortlich, die den Zucker in die Zellen schleust. Man vermutet inzwischen, dass eine gestörte Insulinsensitivität, die häufig mit endokriner Hufrehe einhergeht, dadurch begünstigt werden kann, besonders wenn gleichzeitig Entzündungen im Körper vorliegen.

Mineralstoffantagonismus: Eisen im Wechselspiel mit anderen Spurenelementen

Ein wichtiger Punkt ist der sogenannte Mineralstoffantagonismus: Hohe Eisenmengen können die Aufnahme anderer Spurenelemente beeinträchtigen, etwa Zink, Kupfer, Mangan, Phosphor und Calcium. Ist Eisen dauerhaft sehr hoch, werden diese Elemente schlechter aufgenommen und verwertet – das Pferd kann also ausreichend Zink oder Kupfer im Futter haben und trotzdem funktionelle Mängel entwickeln, weil zu viel Eisen im System ist.

Aus dem Humanbereich kennen wir dazu die Hämochromatose, eine Eisenspeichererkrankung (nicht die einzige Ursache für zu viel Eisen im Körper), die häufig mit Gelenkschmerzen einhergeht, weil sich Eisen auch gern in den Gelenken ablagert und zu veränderter Calcium-Einlagerung und in der Folge zu Gelenkthematiken führt. Das ist auch ein Grund, warum ich nicht der Meinung bin, dass wir bei jedem Gelenkproblem – außer bei ganz akuten Fällen – sofort in die Klinik fahren müssen: Bei chronischen Thematiken schaut die Schulmedizin meist nur auf das betroffene Gelenk selbst, um Versorgung und Schmerzfreiheit sicherzustellen, statt auf das Gesamtsystem. Langfristig sollten wir aber immer den gesamten Stoffwechsel mitdenken – aus meiner Sicht ist auch Arthrose in erster Linie keine Verschleißerkrankung, sondern eher eine Stoffwechselthematik mit einem entgleisten Stoffwechsel.

Zink, Kupfer und chronisch stille Entzündungen

Zink und Kupfer sind für viele Körperprozesse wichtig: Leberfunktion, Hufgesundheit, Immunsystem, Band- und Sehnenstabilität, auch der Glukosestoffwechsel kann bei Mangel dieser Spurenelemente aus dem Gleichgewicht geraten.

Ein Eisenüberschuss kann außerdem Entzündungsprozesse fördern: Eisen ist an vielen oxidativen Reaktionen beteiligt und kann zur Bildung freier Radikale beitragen, die wiederum Entzündungen auslösen und Zellmembranen schädigen können – ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt, denn Entzündungen können umgekehrt auch Eisenfehlablagerungen begünstigen. Das ist besonders relevant bei Pferden, die ohnehin schon mit entzündlichen Themen zu tun haben. Eine chronisch stille Entzündung zeigt sich dabei nicht wie eine lokale Entzündung mit Wärme und Schwellung, sondern schlummert im Körper und wird meist viel zu spät erkannt – dabei ist sie oft der Nährboden für zahlreiche chronische Erkrankungen. In der funktionellen Medizin lassen sich die meisten chronischen Erkrankungen auf solche chronisch stillen Entzündungen zurückführen, die wiederum weitere Prozesse antreiben – etwa in Verbindung mit Eisen und Hufrehe oder PPID, das ebenfalls häufig mit Hufrehe einhergeht.

Zur Einordnung: Ich spreche hier bewusst von endokriner Hufrehe – also bei Pferden mit Insulinsensitivitätsstörungen und möglicherweise dem equinen metabolischen Syndrom (EMS), das damit einhergehen kann, aber nicht muss. EMS bedeutet nicht automatisch Insulinresistenz, sondern zunächst nur, dass das Pferd übergewichtig ist, was häufig, aber nicht zwingend mit Insulinresistenz und chronisch stillen Entzündungen einhergeht. Daneben gibt es auch andere Formen der Hufrehe, etwa die Belastungsrehe oder die septische Hufrehe, die zum Beispiel durch Medikamente ausgelöst werden kann. Hat ein Pferd bereits eine Stoffwechselproblematik und gleichzeitig eine hohe Eisenbelastung, kann das ein zusätzlicher Faktor sein.

Die Hauptquellen: Heu und Brunnenwasser

Neben dem Heu ist Brunnenwasser eine der Hauptquellen für Eisenüberschüsse – das Heu selbst können und sollten wir den Pferden natürlich nicht wegnehmen. Brunnenwasser kann sehr eisenhaltig sein. Erkennbar ist das oft an rostigen Ablagerungen im Wasserbecken, nicht ganz klarem Wasser oder einem metallischen Geschmack – das lässt sich notfalls auch mit der Zunge testen. Pferde trinken täglich eine erhebliche Menge Wasser, etwa 30 bis 50 Liter bei einem Großpferd, sodass eisenhaltiges Trinkwasser einen erheblichen Beitrag zum Eisenüberschuss leisten kann. Bei einem langanhaltenden Überschuss zeigt sich das manchmal sogar am Fell, das an den Spitzen leicht rostfarben wird.

Test-Teststreifen geben eine erste Orientierung, für eine verlässliche Aussage lohnt sich eine Laboranalyse – dabei zeigt sich häufig nicht nur ein erhöhter Eisenwert, sondern bei stark landwirtschaftlich genutzten Flächen auch erhöhtes Nitrat.

Es gibt inzwischen auch Studien, die einen Zusammenhang zwischen Eisenspeicher und Insulinresistenz zeigen, unter anderem eine Studie von Nielsen aus dem Jahr 2012, die Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Eisengehalt im Körper und metabolischen Veränderungen fand. Auch in der Humanmedizin ist bekannt, dass eine Eisenüberladung mit Insulinresistenz oder gestörter Insulinsensitivität und in der Folge mit Typ-2-Diabetes einhergehen kann – ein Begriff, der früher oft als „Altersdiabetes“ bezeichnet wurde, was heute nicht mehr passt, da zunehmend auch Kinder, Jugendliche und schlanke Menschen betroffen sind. Insulinresistenz ist also kein reines „Übergewichtsthema“ – weder beim Menschen noch beim Pferd.

Fazit

Eisen ist kein grundsätzlich schlechtes Spurenelement – im Gegenteil, es ist für viele Körperprozesse unverzichtbar, nicht nur als Sauerstoffträger. Wie bei vielen Dingen kommt es auf das richtige Gleichgewicht an, und ein Eisenüberschuss gehört zu den Themen, an die man beim Pferd nicht sofort denkt. Bei der Kontrolle des Pferdestoffwechsels ist mir das einmal besonders aufgefallen, als ich nach einer Behandlung meine Hände wusch und das Waschbecken deutlich rostbraun verfärbt war – auf Nachfrage stellte sich heraus, dass das Pferd Brunnenwasser statt Stadtwasser bekam, und wir kamen so auf das Thema Eisen.

Wenn euch der Podcast gefällt, freue ich mich riesig, wenn ihr ihn teilt – gerade für einen kleineren Kanal wie meinen hilft das sehr. Ich möchte auch gar nicht unbedingt einen riesigen Kanal haben; mein Fokus liegt eher auf denjenigen, die ein Thema wirklich in der Tiefe verstehen wollen. Wenn ihr euch intensiver mit Verdauung und Fütterung beschäftigen möchtet, ist die Masterclass Pferdemagen ein guter Einstieg, dazu gibt es weitere Kurse zu chronisch stillen Entzündungen, Epigenetik und mehr auf meiner Seite.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen wunderschönen Tag, und wir hören uns beim nächsten Mal.