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Arthrose – „Da kann man nichts machen“ – ach wirklich? Ein anderer Blick auf Gelenkerkrankungen

Arthrose beim Pferd – kein Urteil, sondern ein Auftrag.

Arthrose gilt oft als „Abnutzung“, doch das ist längst überholt. In dieser Folge erfährst du, warum Arthrose ein aktiver Prozess ist, den wir beeinflussen können – durch Ernährung, Mikronährstoffe, Bewegung und Stressreduktion.

Ich spreche über aktuelle Forschung, funktionelle Zusammenhänge und meine Erfahrungen aus 18 Jahren therapeutischer Arbeit mit Pferden.

Diese Folge ist für alle, die verstehen wollen, wie ganzheitliche Therapie wirklich wirkt – jenseits von Symptombehandlung und Diagnoselabels.

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Transkript:

Pferde, Schäfer und Menschen – „Arthrose: Stoffwechselproblem statt reiner Verschleiß“

Denise: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Podcast-Folge. Das ist tatsächlich schon mein dritter Anlauf, diese Folge aufzunehmen, das Thema heute ist Arthrose, oder genauer: die Frage, ob Arthrose vielleicht eher eine Stoffwechselerkrankung ist als eine rein mechanische, degenerative Erkrankung.

Es kostet mich ein wenig Mut, über dieses Thema so kontrovers zu sprechen. Darf ich mir das als Nicht-Studierte überhaupt herausnehmen? Ich glaube, das sind alte Glaubenssätze. Ich beschäftige mich nicht erst seit einem halben Jahr damit und haue jetzt einfach etwas raus, sondern beschäftige mich seit mindestens 15 Jahren mit der alternativ-funktionellen, ganzheitlichen Sicht auf Erkrankungen.

Das Thema heute ist im Grunde, ob Arthrose vielleicht eher ein entgleister Stoffwechsel ist als eine rein mechanische Gelenkerkrankung. Das hängt auch damit zusammen, dass ich in meinen Human- wie auch Pferdeausbildungen sehr viel Unterricht zu Gelenkerkrankungen hatte, erteilt von Tierärzten und Humanmedizinern. Gelernt haben wir: Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung. Da werden mir fast alle erst mal recht geben.

Und wenn ich mir aktuelle Ausbildungsskripte anschaue oder das, was an der Uni unterrichtet wird, heißt es: Der Knorpel ist verschlissen, kommt nicht wieder, das kann man nicht heilen. Ich würde niemals Heilversprechen geben, das darf ich als Therapeutin ohnehin nicht. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass es inzwischen ganz andere Untersuchungen gibt.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir eine Erkrankung nie nur aus mechanischer Sicht betrachten sollten, sondern dass immer der gesamte Körper betroffen ist. Wir haben nie nur ein Pferd oder einen Menschen, der einfach nur Arthrose hat. Natürlich gibt es Schwerpunktthemen oder Schwachstellen im Körper jedes Lebewesens, und wenn wir an diesem Schlüssel drehen, die größte Schwachstelle zu stärken, tun wir etwas für den gesamten Körper. Körper und Geist gehören zusammen, wir können sie nicht trennen.

Wir können Gelenkerkrankungen nicht betrachten, ohne auf den Stoffwechsel zu schauen, das soll heute der Schwerpunkt sein. Neben dem, was schulmedizinisch zur Arthrose gesagt wird, gibt es wirklich viele spannende Ärzte und Therapeuten aus der funktionellen Medizin, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Ich bin überzeugt, dass es die Therapie der Zukunft ist, Erkrankungen und Symptome ganzheitlich zu betrachten.

Ganzheitlich heißt für mich nicht nur, zu schauen, was das Knie mit der Lendenwirbelsäule, der Halswirbelsäule oder dem Kiefer zu tun hat, sondern auch einen Blick zu werfen auf den Stoffwechsel, auf Stressoren, auf Umweltfaktoren, auf Ernährung, auf das vegetative Nervensystem, auf Genetik und Epigenetik.

Ich werde das Thema hier vor allem aus dem Humanbereich beleuchten, aber ganz wichtig: Wir können nicht alles eins zu eins auf das Pferd übertragen. Wenn ich also einen Hinweis gebe, was man bei Arthrose im Humanbereich zum Beispiel an Gewürznelken zu sich nehmen kann, gilt das für den Menschen, bitte legt eurem Pferd deshalb keine Gewürznelken hin. Was Biochemie, Gelenke und Neurowissenschaften angeht, sind wir uns in vielen Dingen recht ähnlich, aber eben nicht in allem eins zu eins übertragbar.

Ich habe so lange gebraucht, um diese Folge aufzunehmen, weil es ein Riesenfeld ist und ich keine Medizinerin bin. Diesen alten Glaubenssatz kenne ich gut: Ich habe nicht studiert. Ich habe das oft in Diskussionen erlebt, auch mit Ärzten, wenn ich Themen aus einer alternativen oder funktionellen Sicht angesprochen habe, und dann kam oft die Frage: Hast du denn studiert? Warst du an der Uni? Und ich antworte dann: Nein, war ich nicht, aber trotzdem darf ich etwas wissen.

Ich finde es manchmal schade, wie die Schulmedizin reagiert, gleichzeitig finde ich sie ganz wichtig und bin froh, dass es sie gibt. Wer aus dieser Folge etwas Negatives herausziehen möchte, kann das gerne tun. Ich versuche, Dinge immer diplomatisch und abgewogen darzustellen, nicht schwarz-weiß, möchte aber trotzdem darauf aufmerksam machen, dass es mehr gibt als die schulmedizinische Betrachtungsweise.

Denn in der Schulmedizin, so wichtig sie ist, werden Erkrankungen behandelt, aber es wird selten geschaut, wie viel Einfluss wir selbst auf die Gesunderhaltung haben können. Wenn schulmedizinisch gesagt wird, da kann man nichts machen, heißt das nicht, dass man außerhalb der Schulmedizin nichts tun kann.

Das hat mich schon zu Beginn meiner Arbeit als Humanphysiotherapeutin geärgert: Patienten kamen in die Praxis und sagten, ihr Arzt habe gesagt, da könne man sowieso nichts machen, man solle einfach mal ein bisschen passiv behandeln. Das erlebe ich im Pferdebereich ganz ähnlich: Da können wir nichts machen, das ist jetzt so, damit müssen Sie leben, das Urteil Arthrose erklärt dann alles, ist angeblich unumkehrbar, man kann sich ausruhen, Schmerzmittel geben, vielleicht noch sagen, beweg dich trotzdem ein bisschen.

Deshalb möchte ich die Arthrose-Definition heute ein wenig verändern, auch wenn ich sie selbst so gelernt habe. Arthrose wird klassisch als degenerative Gelenkerkrankung beschrieben, im Grunde als Knorpelverschleiß, Verschleiß im Sinne von: viel bewegt, viel benutzt, irgendwann abgenutzt wie ein Autoreifen. So wird das rein mechanisch im Gelenkbereich gesehen. Aber unsere Gelenke sind keine Autoreifen.

Ich habe auch gelernt, und das wird bis heute unterrichtet, dass Knorpel nicht regenerationsfähig ist, dass der Körper, ob Pferd oder Mensch, das Knorpelgewebe nicht wieder aufbauen kann. Die meisten Schulmediziner würden jetzt wahrscheinlich abschalten. Aber ich schaue in sehr viele Richtungen, lese nicht nur eine Studie und plappere sie nach, sondern beschäftige mich seit gut 15 Jahren mit dem Zusammenhang von Stoffwechsel, gastrointestinalen Erkrankungen, hormonellen Zusammenhängen, und dem Bewegungsapparat.

Ich bin überzeugt: Wir sollten immer ganzheitlich schauen. Symptome sind im Grunde Helfer, das klingt positiv, obwohl Symptome natürlich nicht schön sind, aber sie können uns helfen, Dinge zu verändern. Wenn eine Erkrankung entstanden ist, sollte man etwas tun. Der Fokus sollte auf Gesunderhaltung liegen, auf der Vermeidung von Erkrankungen.

Und ich bin überzeugt: Gelenkerkrankungen, Arthrose bedeutet ja wörtlich Arthron, das Gelenk, und -ose, die Erkrankung, sind eher ein Stoffwechselproblem als ein rein mechanisches Problem. Früher hat man gesagt, Arthrose beträfe vor allem ältere Menschen und Pferde. Mittlerweile sehe ich immer mehr junge Pferde und auch junge Menschen mit Arthrose. Und in einer Welt, in der wir medizinisch so weit sind, ist es bemerkenswert, dass subchronische Erkrankungen und Zivilisationserkrankungen trotzdem zunehmen.

Ich glaube nicht nur, ich weiß: Das hat sehr viel mit dem Lebenswandel zu tun und nicht nur mit der Genetik. Was mir wirklich die Energie raubt und auch ein Grund ist, warum ich diesen Podcast mache: aufzuklären, dass eben nicht alles nur genetisch ist.

Natürlich gibt es Gendefekte, wie Mukoviszidose oder Trisomie 21 beim Menschen, oder bestimmte Stoffwechselerkrankungen beim Pferd, wo es nicht nur eine genetische Disposition, sondern tatsächlich einen Gendefekt gibt. Das meine ich nicht, darauf haben wir keinen Einfluss. Aber das sind die wenigsten Fälle, vielleicht ein Prozent.

Bei den restlichen 99 Prozent, wo oft gesagt wird, das ist genetisch, meine Mutter hatte das auch, spielt die Genetik, gerade bei Arthrose, hormonellen Störungen, Hashimoto oder anderen Autoimmunerkrankungen, nur etwa 20 Prozent eine Rolle. Die restlichen 80 Prozent sind epigenetisch: wie wir durch unseren Lebensstil und durch Umwelteinflüsse auf unsere Gene zurückgreifen.

Die Gene kodieren zwar den Aufbau bestimmter körperlicher Substanzen und legen im Grunde an, ob Gesundheit oder Krankheit entstehen kann, aber wie wir auf diese Gene zugreifen, das ist Epigenetik. Sie entscheidet zum Beispiel, ob Entzündungsprozesse angeschaltet oder beruhigt werden.

Das heißt: Wir haben nicht nur einen negativen Einfluss durch einen schlechten Lebensstil, der zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass eine genetische Disposition für Diabetes Typ 2 durchbricht, wir haben umgekehrt auch den Einfluss, gesunderhaltende Gene und Prozesse anzuschalten. Und das ist die gute Nachricht: Wir sind nicht Opfer unserer Gene, sondern Schöpfer unserer Gesundheit.

Gesellschaftlich sehe ich aber, dass uns vieles vereinfacht wird, allein durch die E-Mobilität. Auch auf dem Fahrrad müssen wir uns kaum noch anstrengen. Das ist zwar eine nette Sache, aber im Grunde nur Bewegung, kein Training, das die Muskulatur verbessert. Das ist für mich ein kleines Trigger-Thema: Was wir in Deutschland gerade an E-Bikes fahren, schon bei Kindern und Jugendlichen.

Und natürlich ist es dann einfacher zu sagen: Das ist genetisch, da kann man nicht viel machen, damit müssen Sie leben, irgendwann wird operiert. Ich sage: Wir können ganz viel machen und tun. Das bedeutet aber auch eine Menge Eigenverantwortung, bei uns Menschen genauso wie bei den Pferden. Wir sind Schöpfer der Gesundheit und sollten viel Platz für Gesundheit schaffen.

Natürlich kann bei einer Gelenkerkrankung auch ein Trauma oder eine Fehlstellung eine Arthrose begünstigen, etwa durch eine einseitige Belastung nach einer Verletzung. Das gibt es, aber es erklärt nicht, warum wir so viele Menschen und Tiere haben, die schon in jungen Jahren an mehreren Gelenken arthrotische Veränderungen zeigen.

Eine These dazu: Häufig geht eine kleine, stille Entzündung der Gelenkinnenhaut, der Synovialhaut, voraus, und Entzündungen haben die Tendenz, sich auszubreiten und mehrere Gelenke zu betreffen. Arthrose ist also nicht einfach nur ein abgenutztes Gelenk; bei nicht traumatisch und nicht fehlstellungsbedingt entstandenen Arthrosen spielt die Stoffwechsel- und Entzündungslage im Körper eine große Rolle.

Schmerzen kommen nicht direkt aus dem Knorpel. Gelenkerkrankungen, also die Abnutzung des Knorpels, werden in vier Grade eingeteilt: Grad 1 ist leicht, Grad 4 ist schwer, Knochen reibt auf Knochen. Man weiß aber, dass es Arthrose Grad 4 ganz ohne Schmerzen gibt, ein Gelenk kann massiv arthrotisch verändert sein, ohne dass der Patient Schmerzen hat. Umgekehrt kann eine Arthrose Grad 1 sehr starke Symptome verursachen.

Der Gelenkknorpel selbst hat keine Schmerzrezeptoren. Man geht davon aus, dass die Gelenkinnenhaut Entzündungsparameter aufweist, die dazu führen können, dass der Knorpel schneller verschleißt oder sich gar nicht erst richtig aufbaut.

Ein ganz wichtiger Punkt ist Bewegung im Wachstum. Wenn ein Körper, Mensch, Pferd oder Hund, im Wachstum keine Bewegungsanreize bekommt, baut er auch nicht genug Material auf, denn der Körper ist im Grunde eine faule Socke: Er produziert nur, was er braucht. Das ist gut untersucht.

Auch in der Pferdeaufzucht haben wir oft das Problem, dass Pferde zwar in Gruppenhaltung stehen, aber auf Wiesen, auf denen sie kaum nach Futter suchen müssen, man kann also nicht automatisch sagen, die bewegen sich ja sowieso genug. Wenn das Buffet direkt vor der Nase steht, bei Mensch wie Pferd, bewegt man sich nicht mehr als notwendig. Der Weg zum nächsten Grashalm beim Pferd, oder vom Schreibtisch zum Kühlschrank beim Menschen, ist einfach nicht besonders weit.

Entscheidend ist dabei nicht nur die Quantität der Bewegung, etwa die vielzitierten 10.000 Schritte, sondern auch die Qualität: die Gelenke im vollen Bewegungsausmaß zu bewegen, damit der Knorpel nicht punktuell belastet wird.

Viele Schmerzen, die der Arthrose zugeschrieben werden, können außerdem von der Muskulatur und den Faszien kommen, die ja im weiteren Sinne auch zum faszialen Gewebe gehören wie die Knochen selbst. Das lässt sich vergleichsweise einfach herausfinden: Wenn jemand eine Bewegungseinschränkung im Gelenk hat und wir therapeutisch gezielt die Verklebungen in Muskulatur und Faszien lösen, vielleicht auch mehrfach, und der Schmerz lässt danach spürbar nach, dann kommt er wahrscheinlich nicht primär aus dem Gelenk.

Wenn aber schulmedizinisch gesagt wird, da ist eine Arthrose, ist ja kein Wunder, dass Sie Schmerzen haben, ruht man sich darauf aus, und das passt manchmal einfach ins bequeme Bild, warum man nicht noch in Bewegung, Physiotherapie oder Faszientherapie investieren sollte.

Wichtig ist: Der Schmerz bei Arthrose kommt nicht aus der Arthrose selbst, sondern aus der Entzündung des Gelenks, also der Arthritis, oder der aktivierten Arthrose. Erst wenn die Arthrose aktiviert ist, bereitet sie direkt Schmerzen. Arthrose selbst ist kein Urteil.

Man weiß das zum Beispiel auch von Hüftoperationen: Wenn die Arthrose im Hüftgelenk, einem der häufiger betroffenen Gelenke beim Menschen, so weit fortgeschritten ist, dass eine Hüft-TEP eingesetzt wird, ist das die eine Seite. Genauso wichtig ist aber die muskuläre Sicherung danach: Es muss wirklich trainiert werden, nicht nur bewegt. Training bedeutet, überschwellige Reize zu setzen, die zu einer Anpassung führen, bewegen, mitschwitzen, ganz gezielt.

Natürlich könnte man einwenden, dass Bewegung bei schmerzenden, arthrotisch veränderten Gelenken kaum möglich sei. Aber es lassen sich immer Bewegungen finden, die den gesamten Körper stärken, und gezielte, weniger belastende, eher mobilisierende Bewegungen für das betroffene Gelenk selbst.

Ich würde also nicht sagen, bei Arthrose kann man nichts machen, im Gegenteil: Gerade wenn wir Probleme im Bewegungsapparat haben, müssen wir spätestens dann etwas tun. Meistens muss allerdings erst der Leidensdruck groß genug sein, damit tatsächlich etwas passiert. Ich appelliere deshalb dafür, dass wir, ob Mensch oder Pferd, schon früh anfangen, uns ausreichend und vor allem qualitativ hochwertig zu bewegen.

Der nächste große Punkt, der fast selbstverständlich klingt und trotzdem viel zu selten angesprochen wird: entzündungshemmende Ernährung. Wir wissen, dass wir über eine entzündungshemmende Ernährung sehr positiv auf die Gelenke einwirken können, und dass umgekehrt eine Ernährung, die Entzündungen im Darmbereich begünstigt, sich auch auf die Gelenke auswirkt.

Es gibt eine direkte Verbindung vom Darm nicht nur zum Gehirn, sondern auch zu den Gelenken: Man hat festgestellt, dass bestimmte, bei Darmentzündungen besonders aktive Enzyme sich auch in den Gelenken wiederfinden. Über eine entzündungsreduzierte Ernährung und eine gute gastrointestinale Gesundheit können wir also sehr gut auf die Gelenke einwirken, und dabei geht es nicht nur um Gewichtsabnahme.

Natürlich belastet Übergewicht die Gelenke zusätzlich, aber das Gewicht ist ein geringerer Faktor als oft angenommen, weil der Körper sich auch an ein höheres Gewicht anpassen kann. Auch schlanke Menschen und Pferde mit Arthrose können massiv entzündet sein, Stichwort TOFI, Thin Outside, Fat Inside: Es gibt viele schlanke Menschen und Pferde mit einer Insulinresistenz oder gestörten Insulinsensitivität. Es geht also nicht nur um Gewicht und Optik, sondern um die allgemeine Gesundheit.

Zucker und schnell verfügbare Kohlenhydrate sollten bei Gelenkerkrankungen auf jeden Fall reduziert werden, weil sie einen direkten Einfluss haben. Das bedeutet nicht nur, offensichtliche Süßigkeiten wegzulassen, sondern auch, auf zu viele schnell verfügbare Kohlenhydrate insgesamt zu achten.

In Naturvölkern, bei denen Arthrose seltener vorkommt, wird deutlich weniger glutenhaltiges Getreide gegessen als bei uns, seit der Mensch sesshaft wurde, sind Brot und Getreide feste Hauptnahrungsmittel geworden, was in gewissem Maß auch in Ordnung ist.

Aus der funktionellen Medizin gibt es aber Hinweise, dass bestimmte Gliadin-Fragmente aus Gluten strukturelle Ähnlichkeiten mit dem Kollagen Typ 2 im Gelenkknorpel haben, sodass das Immunsystem eine Kreuzreaktivität zeigen kann: Der Körper bildet Antikörper gegen das Gluten, die dann auch Knorpelproteine wie Kollagen 2 oder die Synovialproteine der Gelenkschmiere angreifen können. Dazu forschen unter anderem Dr. Feil und Martin Auerswald, auf die ich später noch verweise.

Zu viel Gluten in der Ernährung kann also zu entzündlichen Erkrankungen im Darmbereich und zu Autoimmunerkrankungen beitragen, das Immunsystem hat übrigens zu etwa 80 Prozent seinen Sitz im Darm. Auch deshalb ist die Darmgesundheit ein so wichtiger Hebel.

In meinem Kundenstamm sehe ich das immer wieder bei Pferden, die schon mit sechs oder sieben Jahren Arthrose haben: Wenn ich nach der Fütterung in der Aufzucht frage, war es bisher in 100 Prozent der Fälle so, dass diese Pferde sehr früh in ihrem Leben, bei gleichzeitig zu wenig Bewegung, sehr viel glutenhaltiges Getreide bekommen haben.

Das heißt nicht, dass sich jeder komplett glutenfrei ernähren muss, Hafer zum Beispiel enthält von Natur aus kein Gluten, dafür aber wichtige Aminosäuren wie Lysin, kann aber glutenhaltig werden, wenn vorher auf demselben Feld Gerste angebaut wurde. Es geht nicht um Dogma, aber es kann sich einiges verändern, wenn man Gluten möglichst geringhält, im Humanbereich vermutlich auch, weil viel zu schnell verarbeitete, kaum fermentierte Produkte gegessen werden.

Dazu kommt der Verzicht auf schnellen Zucker, der den Insulinspiegel in die Höhe treibt. Insulin ist ein Hormon, das auch epigenetisch wirken kann: Viel Insulin verändert den Zugriff auf bestimmte Gene und kann so Entzündungsprozesse fördern, indem es Gene aktiviert, die in diese Richtung arbeiten. Das ist gut belegt, deshalb der Appell, wenig Zucker zu konsumieren und starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden.

Bewegung ernährt außerdem den Knorpel selbst, über die Synovia, die Gelenkflüssigkeit, dafür sind Bewegung und Belastungswechsel wichtig.

Bei der Ernährung können wir zusätzlich mit Mikronährstoffen und gezielten Nahrungsergänzungen arbeiten: Vitamin C, im Humanbereich auch viel Vitamin D, das eigentlich gar kein Vitamin, sondern ein Hormon ist und unter anderem dafür sorgt, dass Kalzium aus dem Darm aufgenommen und später in den Knochen eingelagert werden kann. Im Pferdebereich wird zu Vitamin D noch vergleichsweise wenig geforscht, gerade auch im Hinblick auf Importrassen aus südlichen Ländern.

Wichtig sind außerdem Aminosäuren, etwa Methionin, das zu Cystein und weiter zum körpereigenen Antioxidans Glutathion verarbeitet wird, ausreichend Eiweiß ist bei allen Aufbauprozessen entscheidend, nicht nur für die Muskulatur, sondern auch für Gelenke, Hormone und enzymatische Prozesse. Dazu kommen schwefelhaltige Verbindungen wie MSM sowie Glucosamin, Chondroitin und Kollagen, die im Pferdebereich häufig eingesetzt werden.

Diese Zusätze werden vergleichsweise wenig erforscht, unter anderem weil sich damit wirtschaftlich weniger verdienen lässt, ausprobieren kann man sie trotzdem. Wie viel davon über den Darm tatsächlich im Gelenk ankommt, hängt aber stark von der Darmgesundheit ab: Ist der Darm durch einseitige Fütterung oder zu viel Kraftfutter und zu wenig artgerechtes Raufutter belastet, ist er auch weniger aufnahmefähig. Solche Zusätze sind deshalb nur dann sinnvoll, wenn die Basisernährung stimmt, sie ersetzen sie nicht.

Ich sehe auch immer wieder Produkte, die zwar mit hochwertigen Zusätzen beworben werden, aber zu einem großen Teil aus Getreide wie Gerste als Trägerstoff bestehen, das widerspricht sich: Man führt dem Körper etwas zu, das dem Gelenk eher schadet, mit einem kleinen Anteil, der eigentlich helfen soll. Wichtig wären hier Trägerstoffe, die nicht selbst proinflammatorisch wirken.

Gerade bei entzündlichen Gelenkerkrankungen, also allem, was mit aktivierter Arthrose oder Arthritis einhergeht, hat sich im Humanbereich der komplette Verzicht auf Schweinefleisch, besonders aus Massentierhaltung, als hilfreich gezeigt.

Und beim Pferd bedeutet das im Grunde: zurück zu den Grundlagen, ausreichend grünes Gemüse und Antioxidantien, viele Aminosäuren, und beim Pferd vor allem eine vernünftige Rationsberechnung mit ausreichend Strukturfutter und ausreichend, aber nicht übermäßig viel Eiweiß, statt großer Mengen an getreidehaltigen Pellets. Das gilt nicht nur bei arthrotischen Themen, sondern genauso bei Magenproblemen oder Muskelstoffwechselerkrankungen.

Früher hieß es, Knorpel sei nicht regenerationsfähig. Heute weiß man, unter anderem durch neuere Forschung von Dr. Feil, dass eine gewisse Regeneration möglich ist. Ganz wichtig ist mir dabei: Das bedeutet nicht, dass wir komplett zerstörten Knorpel vollständig wiederherstellen können. Aber wir können möglicherweise auf einen Teil regenerativ einwirken und den Abbauprozess zumindest bremsen.

Ein Schlüssel dazu sind die Makrophagen, auch Fresszellen genannt, die an der Innenseite der Synovialhaut sitzen: Durch entzündungshemmende Ernährung, eine entsprechende Lebensweise und Stressreduktion lassen sich proentzündliche M1-Makrophagen zu heilungsfördernden M2-Zellen umschalten.

Ein weiterer wichtiger Hebel ist Stressreduktion. Dauerhafte sympathische Aktivität, also Dauerstress, führt zu einer erhöhten Cortisolausschüttung, treibt den Blutzuckerspiegel hoch und fördert dadurch Entzündungen.

Und auch Pferde haben oft sehr viel Stress: durch mangelndes Raufutter, aber auch durch fehlende Sozialkontakte, häufige Herdenwechsel oder durch gestresste Besitzer, die während des Reitens Sprachnachrichten verschicken, darüber darf man gerne mal nachdenken. Pferde nehmen so viel wahr, mehr, als wir oft ahnen. Auch Schlafmangel steht im Zusammenhang mit Arthrose, weil er ebenfalls Stress im Körper erzeugt, und Stress fördert arthrotische Erkrankungen.

Aus funktioneller und ganzheitlicher Sicht zusammengefasst: Schmerzen bei Arthrose kommen häufig nicht nur vom Knorpelabbau und entzündeten Gelenken selbst, sondern auch von muskulären und faszialen Spannungen, hier kann gezielte Manualtherapie viel bewirken. Physiotherapie und Osteopathie sind eben nicht nur Wellness, sondern wirklich gesundheitsfördernd, auch wenn sie manchmal in diese Schublade gesteckt werden.

Man weiß außerdem, dass die Behandlung und die Aktivität der Muskulatur selbst entzündungshemmend wirkt. Antioxidantien sind wichtig, um freie Radikale zu binden. Es gibt zudem Hypothesen, wenn auch mit dünnerer Forschungslage, dass sich Toxine und Schwermetalle im Gelenk ansammeln können.

Und aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin wird Arthrose dem Nierenmeridian zugeordnet und mit Energiemangel in Verbindung gebracht; gezielte Akupunktur, eventuell inklusive Moxen, kann hier Energie zuführen.

Wer sich weiter informieren möchte: Frau Dr. Döll beschäftigt sich mit Ernährung und Orthomolekularmedizin. Dr. Feil hat ein Buch mit dem, recht provokanten, Titel „Arthrose heilen“ veröffentlicht. Dr. Jens Frese ist vor allem im Bereich funktionelle Medizin und Sportmedizin aktiv. Und Dr. Martin Auerswald hat sich intensiv mit Epigenetik und den Möglichkeiten des Lebenswandels beschäftigt.

Arthrose ist kein Urteil, sondern ein Auftrag, etwas zu verändern. Wir haben große Hebel zur Verfügung: Ernährung, Mikronährstoffe, Bewegung und Stressreduktion. Knorpel kann in Teilen regenerieren, Schmerzen entstehen funktionell und entzündlich, und das Ziel ist, das Fortschreiten aufzuhalten und die Lebensqualität spürbar zu verbessern.

Und nur weil bei einem Pferd oder Menschen in einem Gelenk Arthrose festgestellt wird, heißt das nicht automatisch, dass das auch das eigentliche Problem ist, es kann auch einfach ein Zufallsbefund ohne größere Auswirkungen sein.

Wenn dich das Thema interessiert, melde dich gerne. Ich hoffe, ich konnte ein paar gute Impulse geben, bis zur nächsten Folge, die hoffentlich wieder etwas leichtere Kost wird. Eure Denise.