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Zahlst du drauf? Preise, Wert und warum Pferdetherapie mehr sein darf als die Zeit vor Ort

Zahlst du als Pferdetherapeut in deinen Behandlungen drauf – ohne es zu merken?
In dieser Podcast-Folge spreche ich offen und ehrlich über ein Thema, das viele im Pferdetherapie-Bereich betrifft, aber selten klar benannt wird: Preiskalkulation, Unterbewertung und die wirtschaftliche Realität selbstständiger Pferdetherapeut:innen.

Ich rechne in dieser Folge realistisch vor, was von einer Behandlung tatsächlich übrig bleibt – inklusive Fahrzeit, Organisation, Buchhaltung, Fortbildungen, Krankenversicherung, Altersvorsorge, Umsatzsteuer und Einkommensteuer. Dabei wird deutlich, warum viele Therapeut:innen – vor allem im Nebenerwerb – unbewusst dazu beitragen, den Markt zu verzerren, obwohl sie eigentlich helfen wollen.

Gleichzeitig geht es um eine zentrale Frage der Zukunft:
👉 Was ist der eigentliche Wert einer Behandlung?
Nicht die Minuten vor Ort am Pferd, sondern der langfristige Mehrwert für die Pferdegesundheit.

Ich spreche darüber,

  • warum Therapie nicht nur „Behandlungszeit“ ist
  • weshalb Beratung des Pferdebesitzers ein wesentlicher Teil professioneller Therapie sein muss
  • was Opportunitätskosten in der Pferdetherapie bedeuten
  • und warum interdisziplinisches, ganzheitliches Denken (Haltung, Fütterung, Training, Management) entscheidend ist, damit Therapie nachhaltig wirkt.

Diese Folge richtet sich an:

  • Pferdephysiotherapeut:innen
  • Pferdeosteopath:innen
  • Therapeut:innen im Neben- oder Haupterwerb
  • alle, die Therapie professionell, tragfähig und zukunftsfähig gestalten wollen

Ziel dieser Folge ist keine Kritik an Einzelpersonen, sondern Klarheit: für Therapeuten, für Kollegen – und letztlich auch für Pferdebesitzer.

Transkript:

Zahlst du drauf? Über Preis, Wert und warum Therapie mehr sein muss als die Zeit vor Ort

Hallo und herzlich willkommen. Mein Name ist Denise Schäfer, mein Podcast heißt Pferde, Schäfer und Menschen. Die heutige Folge richtet sich an Pferdetherapeuten oder auch an Menschen, die in der Pferdebranche arbeiten.

Wie nennen wir diese Folge? Im Grunde ein bisschen provokant, aber ich glaube auch ein bisschen gerechtfertigt: Zahlst du drauf? Über Preis, Wert und warum Therapie eben mehr sein muss als die Zeit vor Ort. Das richtet sich vor allem an Pferdetherapeuten, Trainer, Tierheilpraktiker, Hufbearbeiter – also an Menschen, die diesen Beruf mit Pferd und Mensch, der immer dazugehört, mit ganz viel Herzblut machen. Und an viele, die irgendwann merken: Irgendwas passt hier nicht, oder irgendwas geht in meiner Kalkulation nicht auf. Insbesondere dann, wenn die Idee da ist, die Arbeit nicht nur nebenbei zu machen, sondern vielleicht irgendwann hauptberuflich in der Pferdebranche zu arbeiten.

Ich werde heute über Geld sprechen, und das nicht im Sinne von Jammern, sondern im Sinne von Verantwortung – Verantwortung für mich selbst, aber auch für das, was ich weitergebe, für die Nachhaltigkeit meiner Behandlung. Verantwortung gegenüber sich selbst, gegenüber Kollegen und Pferdebesitzern, aber auch das Verantwortungsgefühl von nebenberuflich tätigen Therapeuten gegenüber hauptberuflich Tätigen in der Pferdebranche. Da fehlt manchmal tatsächlich der Realitätsbezug.

Ich möchte einmal aufdröseln, was alles mit dazugehört – als Neben- und als Vollselbstständige. Auch für angehende Pferdetherapeuten oder solche, die sich selbstständig machen und sich mit der Preisfindung beschäftigen. Die Zahlen, die ich nenne, sind nur ungefähre Werte, aber sie sollen klarmachen, worüber wir sprechen. Denn als Pferdebesitzer denkt man vielleicht: Oh Gott, 120 Euro für eine Erstbehandlung oder für eine Behandlung beim Pferd, das ist aber ein toller Stundensatz. Aber das dürfen wir gerne mal runterbrechen.

Ich habe auch schon das eine oder andere zu hören bekommen – dass mir gesagt wurde, das, was ich an einem Tag verdiene, dafür müsse ich ja nicht viel in der Woche arbeiten, und ich würde mich dumm und duselig verdienen. Irgendwann kann man das einfach nicht mehr hören. Das kann nur von jemandem kommen, der nicht in diesem Job ist. Ich höre auch ständig von Therapeuten den Satz: „Ich mache meinen Preis so und so, ich muss ja nicht davon leben, ich schaue, was die anderen nehmen und was sich der Pferdebesitzer leisten kann.“

Da möchte ich deutlich sagen: Pferdehaltung ist teuer. Ich habe zum Beispiel kein Pferd, ich könnte es mir nicht leisten – ich könnte mir das, was alles zur Pferdehaltung dazugehört, definitiv nicht leisten. Und ich bin trotzdem sehr gerne mit den Pferden zusammen, auch sehr gerne mit den Pferdebesitzern. Ich verstehe auch, dass man am Anfang, wenn man in den Beruf einsteigt, denkt: Oh, ich kann da nicht so viel Geld nehmen. Das verstehe ich wirklich. Aber der Satz „Ich muss davon nicht leben können, ich möchte nicht so viel für eine Behandlung berechnen“ hat einfach Konsequenzen für die gesamte Pferdebranche – und für die Tatsache, dass man irgendwann vielleicht doch von dieser Arbeit leben und aus dem alten Beruf raus möchte. Das ist ja bei vielen so, die die Ausbildung zum Pferdetherapeuten oder Pferdedienstleister in irgendeinem Bereich angehen. Der Markt unterscheidet aber nicht zwischen Nebenberuf und Vollberuf.

Preise sollten nicht aus Nettigkeit heraus entstehen. Viele Therapeuten setzen Preise aus Mitgefühl fest, aus dem Wunsch zu helfen, aus dem Wunsch, es möglich zu machen. Diese Preise sind aus meiner Sicht aber kein Ausdruck von Empathie – Preise sind grundsätzlich immer das Ergebnis einer Kalkulation. Auch wenn wir im Pferdebereich arbeiten, versuche ich, etwas zu finden zwischen diesem Brennen für den Beruf, dieser Begeisterung für die Pferdegesundheit, und der langfristigen Überlebensfähigkeit in diesem Beruf. Wenn die Kalkulation fehlt – und das klingt hart, aber es ist einfach so, es ist ein Beruf –, zahlen wir drauf. Nicht immer sofort, aber langfristig. Und dann zahlt die gesamte Branche drauf. Das möchte ich einmal ganz klar sagen, auch wenn das nicht jedem schmecken wird, aber es ist mir wichtig.

Rechnen wir das einmal ganz nüchtern durch. Die Arbeitsrealität sieht nicht so aus, dass der Pferdetherapeut vier Pferde am Tag behandelt und den ganzen Tag von morgens bis abends am Stall steht und Pferde behandelt. Da kommt noch eine Menge anderer Dinge dazu. Realistisch gerechnet, wenn man wirklich voll davon lebt – so wie ich auch arbeite, mit Blick auf langfristige Gesundheit –, sind es im Schnitt zwei bis drei Pferde pro Tag, also im Schnitt zweieinhalb, an vier Tagen pro Woche, und 46 realistische Arbeitswochen im Jahr, denn wir können nicht davon ausgehen, dass wir jede Woche gleich viele Behandlungen machen und jede Woche voll arbeitsfähig sind. Das wären nach meiner Berechnung bei zwei bis drei Pferden pro Tag, vier Tage die Woche, 460 Behandlungen im Jahr.

Nehmen wir mal einen Umsatz – und Umsatz ist nicht Gewinn. Vor allem nicht für diejenigen, die dann nicht mehr Kleinunternehmer sind, sondern irgendwann davon leben möchten, wo dann noch mehr dazukommt als nur die 19 Prozent Umsatzsteuer, was schon ein ordentlicher Batzen ist. Nehmen wir die 120 Euro pro Behandlung, dann sind wir bei 460 Behandlungen im Jahr bei 55.200 Euro Jahresumsatz. Das klingt erst mal nach bombastisch viel, ist aber Umsatz und nicht Gewinn.

Ich habe einen Steuerberater, weil das einfach Dinge sind, bei denen ich nichts verkehrt machen möchte. Für mich sind das Opportunitätskosten: Wenn ich den Steuerberater zahle, tut mir das jeden Monat natürlich auch weh. Aber ich weiß, dass ich, wenn ich das alles selbst machen würde, in der gleichen Zeit besser noch ein, zwei Termine dazunehmen könnte, als mich ständig über die neuesten Veränderungen im Steuerbereich zu informieren. Aus meiner Sicht als Pferdetherapeutin ist das nicht ganz unkompliziert. Also habe ich einen Steuerberater, sortiere natürlich alle Unterlagen selbst – das kostet mich alleine schon relativ viel Zeit –, schicke ihm das, und er macht die Übermittlung ans Finanzamt und die Steuererklärung am Ende des Jahres. Jedes Vierteljahr muss ich außerdem eine Umsatzsteuervoranmeldung machen.

Rechnen wir mal grob zusammen, welche Kosten dazugehören, nur das Grobe, nicht den kleinen Kram: Versicherungen – Berufshaftpflicht, Krankenversicherung, Rentenabsicherung, Altersvorsorge –, Organisation und Steuer, eigene Fortbildungen, und für mich der größte Posten: das Auto. Wenn ich nicht beruflich auf das Auto angewiesen wäre, hätte ich keins. Ich wohne mit meinem Partner zusammen, wir hätten nur ein Auto, oder ich hätte keins, weil ich unheimlich gerne Fahrrad fahre oder die öffentlichen Verkehrsmittel nehme. Ich hätte kein Auto, wenn ich nicht beruflich darauf angewiesen wäre – also ist das Auto für mich ganz klar Firmenfahrzeug.

Das sind die größten Posten. Die ganzen privaten Kosten rechne ich erst mal gar nicht ein, sondern wirklich nur das, was ich an Fixkosten diesbezüglich pro Jahr habe. Da können wir so ungefähr 19.000 bis 20.000 Euro im Jahr an Fixkosten rechnen, wohlgemerkt ohne Einkommenssteuer und ohne Umsatzsteuer. Rechnen wir da noch die Umsatzsteuer rein, sind das etwa 6.000 Euro, und Einkommenssteuer pro Jahr in etwa 6.000 bis 7.000 Euro. Und ungefähr in dem gleichen Kostenbereich können wir auch nochmal für die Krankenversicherung rechnen – ich bin zum Beispiel freiwillig gesetzlich krankenversichert, das ist einkommensabhängig, aber diesen Preis können wir nochmal dazurechnen, alleine für Krankenversicherung plus Rente und so weiter.

Am Ende bleiben dann ungefähr 23.000 Euro netto im Jahr übrig. Wobei dieses Netto etwas anderes ist als das, was ein Arbeitnehmer bekommt, denn davon gehen ja noch einige Kosten runter – die private Rentenversicherung habe ich da zum Beispiel noch nicht abgezogen. Also für ein ganzes Jahr Arbeit: 23.000 bis 24.000 Euro netto im Jahr, das sind 2.000 Euro netto im Monat.

Im nächsten Teil möchte ich klar den Faktor Zeit ansprechen – den Punkt, den viele nicht so sehen. Die Behandlung ist nicht die ganze Arbeit, sie ist nur der sichtbare Teil, also die Zeit vor Ort. Dazu kommen zusätzliche Zeitfresser pro Woche: Organisation und Terminmanagement, also Tourenplanung, Anfragen – man sucht Termine raus. Bei mir habe ich da auch einiges automatisiert, damit es für mich besser zu kalkulieren ist. Dann die Kontaktaufnahme: Wenn ich mit jedem Kunden vorher erst mal noch 10 bis 15 Minuten telefonieren würde – und manche finden ja auch kein Ende und wollen mir gleich ihre gesamte Krankheitsgeschichte erzählen und reagieren dann auch nicht immer so auf Grenzen –, deswegen habe ich ein Kontaktformular eingerichtet. Dann gibt man Termine raus, die werden vielleicht bestätigt oder nicht bestätigt, dann hat man es umsonst gemacht. Termine werden abgesagt, und man hat eine Tour geplant und mittendrin fällt einer aus. Das gehört alles mit dazu.

Die Buchhaltung ist auch kein unerheblicher Teil. Marketing und Sichtbarkeit sind heutzutage ganz wichtig, bei der Menge an Therapeuten und Dienstleistern in der Pferdebranche. Weiterbildungskosten – auch ich bilde mich immer weiter, ich recherchiere nochmal zu einzelnen Themen, wenn mir ein Pferd vorgestellt wird, das ein Krankheitsbild hat, bei dem ich sage, da möchte ich gerne nochmal schauen, was es neben dem, was ich bisher weiß, gibt. Das ist mein Anspruch, so zu behandeln, wie ich mir das selbst wünschen würde. Dazu gehört auch, Dinge immer wieder nachzulesen, Verantwortung zu übernehmen für das, was man macht, Rückfragen zu stellen, auf Anfragen zu antworten, zu reagieren. Ich bin für meine Kunden da, die mich gebucht haben.

Und allein hier sollte schon klar sein, warum ich bei Anfragen wie „Denise, ich schicke dir mal eben ein Video von einem Pferd, kannst du mal deinen Eindruck dazu sagen“ wirklich auch sehr kurz angebunden bin. Das kann ich zum Beispiel nicht bei allen leisten – ich habe insgesamt, grob überschlagen, 700 Therapeuten aus- und weitergebildet in den letzten 10, 12 Jahren. Ich bin seit 2007 tätig als Therapeutin und seit etwa 2011, 2012 bilde ich auch aus und weiter. Wenn von diesen 700 Therapeuten mich nur ein Prozent jede Woche kontaktiert – und das kommt vor, und das ist auch irgendwie schön, man möchte ja auch zusammenarbeiten oder einen Austausch haben, wobei Austausch immer mit Tauschen einhergeht, dass man sich gegenseitig ergänzt, und da habe ich wirklich viele Kollegen, mit denen ich das mache –, aber kleiner Finger, ganze Hand funktioniert eben nicht. Das muss ein bisschen auch eine wertschätzende Kommunikation sein. Aber auch das gehört mit dazu.

Rechnen wir das mal ganz ehrlich, landen wir nachher bei einem Netto-Stundenlohn von etwa 11 bis 14 Euro. Und das ist die Realität. Und wenn wir dann noch überlegen, was wir für die Ausbildung ausgegeben haben – das sind auch nochmal mehrere tausend Euro. Wenn jemand zum Beispiel eine Pferde-Physiotherapie-Ausbildung macht, mit Literatur und weiteren Fortbildungen, sind wir, bevor wir überhaupt in den Beruf starten, locker bei 7.000 Euro. Ich selbst war bei knapp 20.000 Euro, eher über 20.000 Euro – alleine schon nach der Humanphysiotherapie-Ausbildung, nach der Pferde-Osteopathie-Weiterbildung, und dann kommen noch die jährlichen Weiterbildungen dazu. Nach 20 Jahren bin ich dann locker bei 35.000 Euro, die ich in meine eigene Fortbildung gesteckt habe – und das ist von dem Stundenlohn oben noch gar nicht abgezogen. Bei einem Behandlungssatz von 120 Euro landen wir am Ende ungefähr bei 11 bis 14 Euro Stundenlohn, wobei 11 Euro realistischer wären. Also, nicht erschrecken, aber wirklich verstehen.

Deswegen sollte an dieser Stelle klar sein: Wenn wir nur die Zeit vor Ort verkaufen, wird dieses Modell nicht funktionieren. Der Wert einer Behandlung darf sich nicht daran messen, wie lange ich am Pferd stehe – das wäre eine Milchmädchenrechnung. Sondern am eigentlichen Wert. So wie ich zum Beispiel meinen Steuerberater dafür bezahle, weil mir das langfristig eine Menge Zeit und Stress erspart, wenn ich mal irgendwas nicht korrekt angegeben habe und dann eine fette Nachzahlung kommt. Dann gebe ich lieber jeden Monat das Geld für den Steuerberater aus.

Der eigentliche Wert der Behandlung – der Wert ist größer als der Preis, das ist so meine Devise – ist aus meiner Sicht die langfristige Gesunderhaltung. Ich mache keine Wellnessbehandlung, auch wenn manche das auf den ersten Blick so bewerten, sondern es geht um langfristige Gesunderhaltung. Der Wert liegt nicht in diesen 90 Minuten, die ich am Stall bin, sondern darin, was danach passiert oder eben nicht mehr passiert. Und das hängt auch sehr davon ab, ob und wie der Pferdebesitzer umsetzt. Je schneller er umsetzt und je mehr er von dem, was ich ihm an Ideen mitgebe, umsetzen kann, desto höher ist der Wert der Behandlung. Der Pferdebesitzer ist also auch ein wichtiger Teil meiner Behandlung. Die Zeit, die ich manuell am Pferd verbringe, schenke ich wirklich nur dem Pferd. Vorher und nachher bin ich im Gespräch und in Beratung mit dem Pferdebesitzer.

Der Wert liegt darin, dass weniger Folgeprobleme bei den Pferden entstehen, dass ich eine ursachenorientierte Therapie anbiete und keine Dauersymptombehandlung. Ich möchte, dass Pferde zu mehr Gesundheit gelangen, um weniger Platz und weniger Kosten für Erkrankungen zu brauchen. Meine Idee ist, ganz viel Platz für Gesundheit zu schaffen, sodass der Pferdebesitzer die Kosten für die Behandlung schnell wieder raushat, dadurch, dass er ganz viel für die Gesundheit der Pferde gemacht hat. Ich kann ein Pferd zum Beispiel osteopathisch unterstützen in Bezug auf seine viszerale Thematik, kann ihm dann noch Fütterungsempfehlungen geben. Und dann hat er vielleicht bei dem Pferd nicht mehr jedes Jahr zweimal eine Kolik, für die er den Tierarzt bezahlen muss, dem Pferd Schmerzen bereitet werden und eventuell irgendeine Kolik-OP ansteht. Diese Kosten sind dann nicht mehr da. Der Begriff Opportunitätskosten ist sehr wichtig, das habe ich in meinem damaligen Horse-Business-Coaching gelernt – da habe ich auch Geld ausgegeben für ein Coaching, bei Franco und Winter, wer das mal nachschauen möchte, die machen wirklich ein Horse-Business-Coaching, das für mich immer noch nachhaltig ist und wovon ich immer noch profitiere. Das ging über drei Monate, aber ich zehre immer noch davon.

Damals habe ich gelernt, dass Opportunitätskosten das sind, was entsteht, wenn man etwas nicht tut. Wenn ich nicht in meine Arbeit am Business investiere, in die Strukturierung, in die Vereinfachung und Automatisierung von Prozessen, beim Pferdebesitzer in die Idee der langfristigen Gesunderhaltung und Hilfe zur Selbsthilfe – wenn ich das nicht mache, sind die Kosten nachher größer. Wenn ich einen Pferdebesitzer nicht berate, entstehen Kosten, die später da sind. Wenn ich ihn berate, entstehen, wenn alles gut läuft, weniger Kosten. Ich kann ihm zum Beispiel auch eine Futterkalkulation machen, die langfristig viel günstiger ist, aber nicht schlechter, sondern eher besser.

Das ist meine Idee, und ich glaube auch, das ist die Therapie der Zukunft: dass wir nicht nur vor Ort diese Behandlung anbieten, 90 bis 120 Minuten, und das abrechnen, sondern schützen vor erneuten Problemen, vor chronischen Themen, vor wiederkehrenden Behandlungen. Ich möchte nicht zehnmal im Jahr zu einem Pferd kommen, und ich möchte Frust auf allen Seiten minimieren. Die Beratung ist also kein Extra, sondern ein zwingender Teil der Therapie. Ich bin damals gestartet, für die, die mich kennen, wissen das schon, weil ich mit Pferden arbeiten wollte. Und irgendwann habe ich festgestellt, oh Mann, der Pferdebesitzer ist ja doch ein ganz schön großer Bestandteil, und ich muss an mir selbst arbeiten, um besser kommunizieren zu können. Die Beratung ist kein nettes Add-on, sie ist meine Verantwortung.

Der Pferdebesitzer entscheidet, oder ist vor allem dafür verantwortlich: Haltung, Fütterung, Training, Management, Stressoren eindämmen, Spaß mit dem Pferd zu haben. All das hat mehr Einfluss auf die Gesundheit eines Pferdes als der einzelne Termin, an dem ich etwas gerade rücke oder das Pferd osteopathisch oder physiotherapeutisch unterstütze.

Die Therapie der Zukunft bedeutet mehr, als nur manuell zu behandeln. Wobei auch klar ist, dass wir auch in der Osteopathie viel mehr machen als nur eine Blockierung zu lösen und dem Pferd zu mehr Wohlbefinden zu verhelfen – wir haben da einen wahnsinnig großen Hebel, wahnsinnig große Chancen. Aber genauso klar muss sein, dass wir die Umweltfaktoren einbeziehen sollten – die Faktoren, in denen sich das Pferd die restlichen Stunden am Tag bewegt –, damit die Behandlung, die wir machen, auch langfristig greift. Ganzheitlich, damit meine ich nicht nur im körperlichen Sinne ganzheitlich, sondern das Einbeziehen und Durchschauen durch verschiedene Brillen. Wir schauen das Nervensystem an, wir schauen, was eventuell schulmedizinisch an Behandlungen oder Bildgebung nötig ist, was in Bezug auf Training, Umwelt, Fütterung und Haltungsfaktoren zu berücksichtigen ist.

Genau aus dem Grund biete ich zum Beispiel auch die Kurse auf meiner Seite Horse Therapy Academy an, die genau diesen Blick für Therapeuten erweitern. Meine Idee ist, Therapeuten langfristig marktfähig zu machen. Ich möchte nicht tausend Techniken vermitteln, sondern eine Orientierung schaffen und Zusammenhänge vermitteln, damit Therapie einen langfristigen Mehrwert bekommt, und wir wegkommen von diesem „Ich war anderthalb Stunden da“, und dazu kommen, dass der Pferdebesitzer nachher sagt: Die Behandlung hat etwas verändert – nicht nur beim Pferd, sondern auch in der Denkweise des Pferdebesitzers.

Berechne also als Therapeut den Wert der Behandlung nicht in Minuten. Berücksichtige alles, was noch an zusätzlichen Faktoren da ist und was Arbeitszeit ist. Diese Wirkung der Therapie, bei der wir Pferdegesundheit durch mehrere Brillen anschauen, entsteht nur, wenn wir bereit sind, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen – also für unsere eigene Gesundheit. Denn jemand, der voll selbstständig im Bereich der Pferdetherapie unterwegs ist, ist auch verantwortlich für seine eigene Gesundheit. Wenn wir krank werden, verdienen wir nichts.

Zum Schluss möchte ich einmal einladen zur Reflexion: Wenn du nach dieser Folge merkst, dass deine Preise nicht aufgehen, dann ist das kein Versagen, sondern du bist einfach eingeladen, das Ganze ein wenig neu zu durchdenken. Das Ziel dieser Folge soll nicht sein, zu meckern und zu sagen, ihr macht das alle verkehrt und tut nichts dafür, dass unsere Pferdetherapeutenbranche langfristig bestehen kann, sondern es ist ein kleiner Appell daran, eben nicht draufzuzahlen, wenn wir zu einer Behandlung fahren, sondern so zu kalkulieren, dass der Beruf tragfähig ist.

Mit 30 Cent pro Kilometer kann ich die Spritkosten meines Autos decken, aber damit sind Versicherungskosten, Anschaffungskosten, Reparatur- und Wartungskosten für den PKW nicht mit berechnet – nur auf den PKW bezogen. Und die ganze Zeit, die ich im Auto sitze, ist ja Arbeitszeit, die natürlich auch nicht mit den 30 Cent abgedeckt ist. Ich berechne zum Beispiel einen Kilometer mit 75 Cent. Ich habe das ganz transparent auf meiner Seite stehen, wie ich das berechne, und ich muss das so berechnen, weil ich sonst einfach nicht weiter rausfahren kann.

Ich hoffe, dass ich euch ein paar Impulse gegeben habe. Und wenn ihr sagt, oh, das ist eine spannende Folge, die könnte auch andere interessieren, freue ich mich sehr, wenn ihr meinen Podcast teilt und bewertet – all das hilft mir, diese Folgen weiterzumachen und Therapeuten einzuladen, für sich selbst, aber auch für die Pferde, langfristig zu denken statt kurzfristig, damit sie ihren Traum von der Arbeit als Pferdetherapeut nicht irgendwann nicht mehr ausüben können. Ich möchte Lösungen bieten und dazu anhalten, wirklich langfristig mit sich selbst empathisch zu sein, mit anderen empathisch zu sein, und ein bisschen zu verstehen, wie Preise kalkuliert werden müssen, auch im Pferdebereich. Vielen Dank fürs Zuhören.