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Einen Kurs geben? Was wirklich dahintersteckt

Einen Kurs geben? Was wirklich dahintersteckt: Denise nimmt in dieser Folge mit hinter die Kulissen ihrer eigenen Kursplanung – von der ersten Frage nach dem Lernziel über die Milchmädchenrechnung bei der Kalkulation bis zur Wahl des richtigen Kursorts. Es geht um die unsichtbare Vorbereitungszeit, um Stornobedingungen und kleine organisatorische Dinge, um klare Grenzen beim Einsatz von Kurspferden und um den eigenen Umgang mit Nervosität und Perfektionismus. Zum Schluss vier konkrete Tipps für alle, die selbst einen Kurs planen möchten.

Transkript:

Du bist im Pferdebereich tätig und spielst mit dem Gedanken, selbst einen Kurs oder Workshop zu geben? Dann nehme ich dich heute mit hinter die Kulissen meiner eigenen Kursplanung – keine vollständige Anleitung, aber ein ehrlicher Einblick in das, was vorher bedacht werden darf und was hinterher niemand sieht.

Intro: Für wen diese Folge gedacht ist

Diese Folge richtet sich vor allem an Kolleginnen und Kollegen, die selbst schon länger mit dem Gedanken spielen, Kurse, Workshops oder Fortbildungen anzubieten – sei es auf eigene Faust oder über ein Institut. Das soll dabei kein Mecker-Podcast werden, sondern ein realistischer Blick darauf, was so eine Tätigkeit tatsächlich bedeutet.

Mein Weg zur Kursleiterin: vom Sportverein zur Pferdebranche

Ich unterrichte schon sehr lange, im Pferdebereich seit rund 15 Jahren, davor bereits im heimischen Sportverein in Münster als Vorturnerin – von Kinderturnen über Seniorengymnastik bis Aerobic und Reha-Sport war da alles dabei. Ich musste in beiden Bereichen erst richtig hineinwachsen. Durch das Unterrichten selbst habe ich unglaublich viel gelernt, nicht nur fachlich in Anatomie, Physiotherapie und Osteopathie, sondern auch im Umgang mit Menschen und in der Organisation. Ich organisiere sehr gerne und mag es strukturiert – und darf an dieser Stelle auch ein großes Lob an die Döpferakademie in Rheine aussprechen, für die ich inzwischen einige Kurse gebe. Für mich als Selbstständige und Eigenbrötlerin ist es keine Selbstverständlichkeit, mich auf ein Institut einzustellen, aber das funktioniert dort wirklich hervorragend.

Die Grundfragen hinter jeder Kursplanung

Bevor ich einen Kurs überhaupt anbiete, stellen sich mir immer dieselben Grundfragen: Was steckt eigentlich dahinter, wenn ich einen Kurs plane? Woran sollte ich vorher denken? Was kostet Zeit, was kostet Geld? Wie finde ich einen passenden Kursort, und wonach wähle ich ihn aus? Welche Pferde brauche ich, und wie kalkuliere ich überhaupt? Das ist ein bewusst unromantisches Thema, gerade weil wir im Pferdebereich viel mit Emotionen zu tun haben – trotzdem darf und muss eine Kalkulation stattfinden, ohne das schönzureden.

Die erste Frage: Was möchtest du unterrichten?

Wer zum ersten Mal überlegt, einen Kurs anzubieten, sieht meist zuerst das Offensichtliche: ein Thema, ein paar Teilnehmer, ein Preis pro Kopf. So einfach ist es dann aber doch nicht, denn in der Regel steckt deutlich mehr Planung und Organisation dahinter, als man zunächst denkt. Die erste wirkliche Frage lautet für mich: Was möchtest du eigentlich unterrichten? Eine gute Kursplanung fragt dabei nicht nur, was sich gut verkaufen könnte, sondern vor allem, was die Teilnehmer hinterher tatsächlich können sollen. Ich selbst habe Themen, für die ich mich brennend interessiere – etwa das Nervensystem beim Pferd –, bei denen ich aber genau weiß, dass es sich um sehr tiefes Wissen handelt, für das sich schwerer eine ausreichend große Zielgruppe findet. Je tiefer das Wissen, desto schwieriger lässt sich ein Kurs dazu verkaufen.

Kursstruktur: Theorie, Praxis und unterschiedliche Lerntypen

Aus der Frage, was die Teilnehmer nachher können sollen, ergibt sich der gesamte Kursaufbau: Wie viel Theorie brauche ich, wie viel Praxis? Dabei lässt sich Theorie oft sehr praxisnah vermitteln – wenn ich Anatomie unterrichte, geht es mir nicht darum, Ansatz, Ursprung und Funktion eines Muskels einfach abzulesen, sondern die Begeisterung dafür zu wecken, welche Zusammenhänge dahinterstecken und welche Bedeutung das in der Praxis hat, etwa wenn ein Sattel genau auf diesen einen Muskel drückt. Dazu kommt die Frage, wie ich möglichst viele unterschiedliche Lerntypen erreiche, ohne für jede einzelne Minute für jeden Menschen das passende Konzept zu haben.

Teilnehmerzahl: Qualität oder Quantität

Wie viele Teilnehmer sinnvoll sind, wie viele und welche Pferde ich brauche und wie viel Zeit ich für jeden praktischen Teil einplane, lässt sich beim ersten Mal nie hundertprozentig vorhersehen – dann verschiebt sich der Kursplan schon mal um eine halbe Stunde, und ich darf als Dozentin flexibel reagieren, soweit es der Kursort zulässt. Wirtschaftlich mögen zehn bis fünfzehn Menschen um ein Pferd herum zunächst attraktiv aussehen, aber wenn jeder am Ende nur zweimal kurz fühlen durfte, muss ich mich fragen, ob das noch meinem Anspruch an einen Praxiskurs entspricht. Je geringer die Teilnehmerzahl, desto kostspieliger wird es allerdings auch – im reinen Theorieunterricht ist die Gruppengröße dagegen nahezu egal, in der Praxis sieht das ganz anders aus. Deshalb lege ich immer zuerst Inhalt und Lernziel fest und beschäftige mich erst danach mit Teilnehmerzahl, Dauer und Rahmenbedingungen, nicht umgekehrt.

Die unsichtbare Arbeit: Recherche, Skript und Bildrechte

Steht das Kurskonzept, beginnt die eigentliche Arbeit erst richtig: Inhalte strukturieren, Literatur nacharbeiten, überlegen, wie sich etwas verständlich vermitteln lässt, Bilder zusammensuchen und erstellen. Dabei muss ich auch datenschutztechnisch aufpassen, welche Pferdebilder ich verwenden darf – ich frage grundsätzlich beim jeweiligen Besitzer nach, bevor ich Foto- oder Videomaterial in Fortbildungen oder sozialen Medien nutze. Ob ich eine vollständige Präsentation mit Skript und Handout erstelle oder einen Workshop ohne Skript gebe, macht dabei einen riesigen Unterschied im Aufwand – und entsprechend auch im Preis, den ich dafür ansetzen kann.

Kalkulation: das Vielfache der eigentlichen Kursdauer

Wenn ich einen Kurs inklusive vernünftiger Unterlagen entwickle, komme ich locker auf das Fünf- bis Sechsfache der eigentlichen Kursdauer an Vorbereitungszeit. Bei meiner Masterclass Pferdemagen mit zwölf, dreizehn Stunden Videomaterial war es sogar noch deutlich mehr als das Achtfache. Ein achtstündiger Kurs bedeutet also nicht acht Stunden Vorarbeit plus acht Stunden Kurs, sondern eine ganz andere Kalkulation. Findet ein Kurs, in den ich dreißig, vierzig Stunden investiert habe, dann nur ein einziges Mal mit vier Teilnehmern statt, ist das wirtschaftlich bestenfalls eine Nullnummer. Das bedeutet nicht, dass ich die kompletten Entwicklungskosten auf die ersten vier Teilnehmer umlegen muss – ich kann einen Kurs schließlich mehrfach anbieten, und Formate, die ich schon lange gebe, etwa meine Dry-Needling-Kurse, sind entsprechend wesentlich lukrativer als ein komplett neu entwickeltes Format. Deshalb frage ich mich inzwischen bei jedem neuen Konzept: Wie häufig lässt es sich sinnvoll wiederholen, und wird es überhaupt gebucht werden?

Die Milchmädchenrechnung und die vollständige Kostenkalkulation

Wer einen Kurs plant, sollte nicht einfach Teilnehmerzahl mal Kurspreis nehmen und daraus den eigenen Stundenlohn errechnen – diese Rechnung kommt mir immer wieder unter, dabei ist Umsatz eben nicht gleich Verdienst, wie ich in einer früheren Folge bereits ausführlicher besprochen habe. In der Kalkulation stecken Vorbereitung, Nachbereitung, Fahrzeit und Fahrtkosten, eventuell Raummiete, Technik, Versicherung, Organisation, Kommunikation und Marketing – und je nachdem, ob ich an einem Institut oder in eigener Regie unterrichte, fallen zusätzlich Institutsgebühren an oder eben nicht. Auch Marketing passiert nicht von selbst: Texte schreiben, Beiträge erstellen, Newsletter verschicken, vielleicht Anzeigen schalten. All das gehört zur eigentlichen Arbeit dazu, auch wenn es hinterher niemand sieht.

Kleine Dinge, Stornobedingungen und Teilnehmerzahl

Dazu kommen die kleinen organisatorischen Dinge, an die man nicht sofort denkt: Kaffee, Snacks, Getränke, Tassen, Löffel. Eine Teilnehmerin hat noch eine Frage, jemand sagt aus nachvollziehbaren Gründen ab, jemand anderes möchte umbuchen, eine Rechnung muss korrigiert werden, Teilnahmebescheinigungen werden erstellt. Jedes Mal nur fünf oder zehn Minuten, die sich aber summieren. Ich brauche außerdem immer eine Mindestteilnehmerzahl, damit sich ein Kurs überhaupt trägt, und sollte mir vorher überlegen, was bei kurzfristigen Absagen passiert und ob ich dafür Verträge und Stornierungsbedingungen brauche – nicht erst dann, wenn drei Tage vor dem Kurs zwei Menschen absagen und die Mindestteilnehmerzahl plötzlich nicht mehr erreicht ist. Gleichzeitig darf so eine Regelung auch menschlich bleiben: Wenn jemand kurzfristig wegen eines kranken Kindes absagen muss, verschwindet meine eigene Vorbereitung trotzdem nicht, aber ich verstehe als Mutter auch selbst, dass sich manche Dinge einfach nicht erzwingen lassen.

Die Wahl des Kursorts: Kaffeemaschine und Motorsäge

Der passende Kursort ist eine eigene kleine Nadel im Heuhaufen: Ich brauche nicht nur passende Pferde, sondern oft auch einen Seminarraum, einen überdachten Praxisbereich, sanitäre Anlagen, Strom, Sitzmöglichkeiten, im Winter einen warmen Raum, eine vernünftige Parksituation und vor allem einen Ort, an dem wir einigermaßen ungestört arbeiten können. Ich hatte schon Kursorte, an denen der Seminarraum gleichzeitig Aufenthaltsraum war und eine besonders laute Kaffeemaschine meinen theoretischen Unterricht immer wieder mitten im Satz unterbrach – bis ich anbot, fertigen Kaffee aus der Kanne bereitzustellen, damit ich weiterunterrichten konnte. An einem anderen Kursort liefen regelmäßig Baumfällarbeiten, und gegen eine Motorsäge oder einen Laubbläser anzuunterrichten, ist eine eigene Herausforderung. Im Nachhinein kann ich über solche Situationen herzlich lachen, in dem Moment selbst war es das nicht immer. Seitdem schaue ich mir Kursorte, wenn möglich, vorher genau an und kläre Fragen wie: Wo findet die Theorie statt, wo haben wir einen ruhigen Bereich, was läuft parallel, welche Pferde stehen zur Verfügung, wie weit ist der Weg, um sie zu holen?

Grenzen setzen: wenn ein Pferd nicht eingesetzt werden sollte

Für einen Kurs sind wir auf Pferdebesitzer angewiesen, die bereit sind, uns ihre Pferde zur Verfügung zu stellen – das ist keine Selbstverständlichkeit und bedeutet vor allem bei praktischen Fortbildungen eine Menge Vertrauen. Ein Kurspferd ist dabei aber kein kostenloses Behandlungspferd: Bei einem Palpationskurs etwa geht es rein ums Ertasten von Strukturen, nicht um eine individuelle osteopathische Behandlung, auch wenn dabei manchmal eine andere Erwartung entsteht. Und manchmal muss ich als Dozentin auch Nein sagen können. Einmal wirkte ein zur Verfügung gestelltes Pferd so schlecht beisammen – deutliches Husten, Röcheln, sichtliche Mühe beim Stehen –, dass ich gemeinsam mit den Kursteilnehmern entschieden habe, dieses Pferd nicht einmal zur Palpation einzusetzen. Nur weil mir ein Pferd zur Verfügung gestellt wird, heißt das eben nicht automatisch, dass es das in diesem Moment auch sein sollte, und genau da darf ich als Dozentin ganz klare Grenzen definieren.

Persönliches Wachstum: Nervosität und Perfektionismus loslassen

Wenn ich heute an meine ersten Kurse zurückdenke, war ich unfassbar nervös, und vor vielen Kursen habe ich schlecht geschlafen. Ich habe ernsthaft überlegt, ob ich mit dem Unterrichten aufhören sollte, weil mein eigenes Nervensystem mich so gestresst hat – bis ich meine Sicht darauf verändert habe: Vielleicht war das nicht das Zeichen aufzuhören, sondern die Möglichkeit, an genau dieser Herausforderung zu wachsen. Heute bin ich viel routinierter, auch wenn ich vor manchem Kurs immer noch aufgeregt bin, und ich muss auch nicht auf jede Frage sofort eine Antwort haben – Teilnehmer bringen selbst Wissen und andere Perspektiven mit, und wenn wir alle gleich denken würden, kämen wir gemeinsam nicht weiter. Perfektionismus hängt für mich oft mit der Angst vor Kritik oder Ablehnung zusammen: Wenn alles perfekt ist, kann mich niemand kritisieren. Aber es wird immer irgendjemanden geben, dem ein Kurs zu theoretisch oder zu praktisch, zu lang oder zu kurz ist – wichtiger als der Versuch, es allen recht zu machen, ist für mich die Frage, ob der Kurs meinem eigenen fachlichen Anspruch entspricht, fair kalkuliert ist, die Teilnehmer wirklich etwas lernen und ich respektvoll mit Menschen und Pferden umgehe.

Vier Tipps für alle, die einen Kurs planen

Wer selbst einen Kurs plant, dem möchte ich aus meiner eigenen Erfahrung vier Dinge mitgeben. Erstens: Beginne mit dem Lernziel und nicht mit dem Preis – was sollen die Teilnehmer nachher wirklich können, welches Problem lösen sie damit, und erst daraus entwickeln sich Inhalt, Dauer, Gruppengröße und Praxisanteil. Zweitens: Kalkuliere deine gesamte Arbeit, nicht nur die Stunden vor den Teilnehmern – Entwicklung, Skript, Kommunikation, Technik, Anfahrt und das Risiko einer Absage gehören dazu, ebenso die Frage, wie oft sich ein neu entwickelter Kurs wiederholen müsste, damit sich der Aufwand langfristig trägt. Drittens: Kläre die Rahmenbedingungen und Erwartungen am Kursort so genau wie möglich vorher – welche Pferde stehen zur Verfügung, was darf mit ihnen gemacht werden, was nicht, und was erwarten Pferdebesitzer und Teilnehmer. Viertens: Erwarte nicht von dir, beim ersten Kurs schon die Dozentin zu sein, die du nach zehn Jahren sein wirst – du darfst nervös sein, eine Frage nicht beantworten können und beim nächsten Mal etwas anders machen. Genau dadurch werden wir besser.

Quelle: Podcast „Pferde, Schäfer und Menschen“ – Folge „Einen Kurs geben? Was wirklich dahintersteckt“