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Verwirrt, überfordert, unsicher. Warum Pferdegesundheit manchmal Angst macht

Warum machen Infos, Meinungen und Experten-Tipps aus sozialen Medien manchmal mehr Angst, als dass sie helfen?

Diese Folge ist in vier Teile gegliedert: warum sich so viele Pferdebesitzer verunsichert fühlen, ein Blick in die Psychologie von Informationsüberflutung und sozialem Vergleich, eigene Erfahrungen mit reißerischen Social-Media-Beiträgen, und schließlich fünf konkrete Strategien gegen die Verunsicherung.

Am Ende geht es darum, wieder mehr Vertrauen in sich selbst und den eigenen Umgang mit dem Pferd zu gewinnen.

Transkript:

Transkript: Verunsicherung

Verwirrt, überfordert, unsicher – warum Pferdegesundheit manchmal Angst macht.

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Podcast-Folge. Mein Podcast heißt „Pferde, Schäfer und Menschen“. Ganz nach dem Motto „Love it, change it or leave it“ gehe ich sowohl beruflich als auch privat durchs Leben. Und die heutige Folge widmet sich dem Thema: Wenn Pferdeliebe zur Selbstzweifelfalle wird – und welche Auswirkungen vor allem Social Media und andere Informationsquellen, die ja zuhauf vorliegen, dafür haben.

Viele Pferdebesitzer sind oft in einem subtilen Konflikt, der nicht gelöst ist, weil sie immer das Gefühl haben, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das macht natürlich Dauerstress, und das ist schade, gerade wenn die Pferdehaltung für die meisten eigentlich Hobby ist und Ausgleich schaffen soll zu sonstigen Stressfaktoren, die auch schon bei der Arbeit herrschen.

Ich habe festgestellt, dass in den letzten fünf bis zehn Jahren – ich mache das jetzt seit 18 Jahren mit der Pferdebehandlung und Gesundheitsberatung im Pferdebereich – der Hauptgrund für Kontaktaufnahme zu mir oder für Beratungen und Termine vor Ort ganz oft die Verunsicherung ist. Ich höre immer wieder: „Ich habe einen Beitrag gesehen, dass wenn das Pferd oft gähnt, dass es dann Magenprobleme hat“, oder „wenn ein Pferd dies und das macht, dass es dann Leberprobleme hat“, oder „es muss ja irgendwie im Genickbereich blockiert sein – ich habe da einen Beitrag gesehen, was sagst du dazu?“ Das kommt mittlerweile in nahezu jeder Behandlung vor.

Ich finde es wunderbar, dass sich Pferdebesitzer vertrauensvoll an mich wenden. Aber auch ich würde mich nicht als Expertin bezeichnen, die alles weiß. Ich versuche, möglichst individuell zu behandeln, mein Wissen nicht als die eierlegende Wollmilchsau darzustellen, sondern einen guten Weg zu finden und die Pferdebesitzer immer wieder zu ermutigen, nicht nur danach zu schauen, was bei ihren eigenen Pferden vielleicht nicht so gut funktioniert, sondern auch auf die Stärken zu schauen.

Falls du zum ersten Mal reinhörst: Mein Name ist Denise Schäfer, und ich begleite mittlerweile seit 18 Jahren – jetzt haben wir 2025 – Pferdebesitzerinnen und Besitzer im Bereich Pferdegesundheit und Therapie und arbeite als Pferdeosteotherapeutin. Ich habe mich voll dem wirklich ganzheitlichen Blick auf die Pferde gewidmet – auch wenn der Begriff ein wenig abgedroschen ist – und einfach festgestellt, dass die Therapie der Zukunft im Grunde ein interdisziplinäres Schauen auf Gesundheitsthemen ist. Osteopathisch kann ich zwar oft eine Menge reißen, aber ich frage mich immer, was die Ursache von Problemen ist, statt nur Symptome zu managen. Das ist der Hauptfokus meiner Arbeit. Und dabei gehe ich nicht nur mit hoffentlich gutem Fachwissen vor, sondern auch immer mit einem Blick auf die emotionale Seite der Themen und versuche nicht nur das Pferd zu behandeln, sondern auch immer den Pferdebesitzer mit einzubeziehen, Sicherheit zu schaffen und ein guter Ansprechpartner zu sein.

Heute spreche ich über ein Gefühl, das viele von euch kennen: Verunsicherung. Warum machen uns all die Infos, Meinungen und Experten-Tipps manchmal mehr Angst, als dass sie helfen? Und was kannst du tun, um wieder mehr Vertrauen in dich und deinen Umgang mit deinem Pferd zu gewinnen, das du am besten kennst?

Ich habe diese Podcast-Folge in vier Teile aufgeteilt. Teil 1 widmet sich der Frage, warum sich viele Pferdebesitzer verunsichert fühlen. Teil 2 wirft einen kurzen Blick in die Psychologie – eines meiner Lieblingsthemen, ich lande immer wieder dort, ob bei Mensch oder Pferd, denn Psyche und Körper lassen sich nicht voneinander trennen. Teil 3 beschäftigt sich mit ein paar eigenen Erfahrungen und Beispielen. Und Teil 4 gibt konkrete Tipps, was gegen die Verunsicherung hilft – denn es nützt nichts, in so einem Podcast nur zu sagen, was verkehrt läuft, ohne auch effiziente Wege aufzuzeigen, wie man dagegen ansteht.

Teil 1: Warum fühlen sich so viele Pferdebesitzer verunsichert?

Die Gründe sind vielfältig, aber ein paar typische Muster sehe ich immer wieder: widersprüchliche Aussagen von Fachleuten, Social Media und Stallmeinungen; unklare Diagnosen, ob tierärztlich oder therapeutisch, obwohl wir als Therapeuten ohnehin keine Diagnose stellen dürfen; und die Angst, etwas falsch zu machen.

Widersprüchliche Aussagen von Fachleuten. Ein Beispiel: Heulage versus Heu. In Social-Media-Beiträgen liest man dann teilweise: „Heulage geht gar nicht, wenn du das deinem Pferd fütterst, nimmst du sein Ableben in Kauf.“ Andere sagen wiederum, Heulage sei völlig okay. Die richtige Antwort liegt wie so oft in der Mitte – es geht nicht immer perfekt. Natürlich ist Heu eine tolle Sache, aber es ist praktisch manchmal schwer umsetzbar, auch aufgrund klimatischer Herausforderungen der Landwirte. Manche Pferdebesitzer fahren wirklich besser damit, auch mal eine Heulage zu geben, obwohl die natürlich auch Nachteile hat. Das muss man immer abwägen – es gibt eben nicht immer Schwarz und Weiß.

Ähnlich bei der Fütterung: Die einen sagen, nur natürliche Futtermittel kommen ins Pferd, die anderen sagen, synthetisch dosiert sei besser und genauer. Ich arbeite mit beidem – mit natürlichen Ergänzungen, wenn nötig, und das „wenn nötig“ ist das Wichtige daran. Ich muss mich immer fragen, warum ich etwas gebe, und nicht einfach nur den Tricks der Futtermittelhersteller unterliegen. Auch da gibt es aus meiner Sicht kein Schwarz-Weiß. Natürlich ist es schön, wenn ich mit natürlichen Substanzen füttern kann, aber heutzutage wissen wir schlussendlich oft nicht wirklich, was da drin ist. Ich habe auch bei natürlicher Fütterung Pferde erlebt, die – Überversorgung hatte ich seltener, aber Unterversorgung schon mal – in bestimmten Bereichen unterversorgt waren. Dann musste eben doch mal ein synthetisch hergestelltes Ergänzungsfutter oder Präparat herhalten. Die Praxis, die Erfahrungsmedizin, finde ich dabei immer total wichtig.

Nächstes Beispiel: Huf. „Nur der Barhuf ist der einzig wahre Huf“ steht der Aussage gegenüber, dass es ohne Eisen im Pferdesport nicht geht. Auch hier wird oft mit Emotionen und Angstmacherei gespielt. Klar ist es toll, wenn alle Pferde barhuf laufen können, aber es ist nicht der einzige Weg und nicht immer das Mittel der Wahl. Je nach Abnutzung, Hufqualität und Situation kann es vorübergehend oder auch langfristig sinnvoll sein, mit einem Hufschutz zu arbeiten – wobei aus meiner Sicht immer die Frage dahinterstehen sollte, warum der Huf vielleicht nicht richtig wächst oder warum das Pferd fühlig ist. Dieser Frage sollte man immer auf den Grund gehen. Ich finde es aber schwierig, wenn man dabei Angst mitmacht und alles andere verteufelt, nur weil man bei seinem eigenen Pferd festgestellt hat, dass es ihm seit der Umstellung auf Barhuf viel besser geht. Das mag sein, heißt aber nicht, dass es für alle anderen Pferde genauso gilt.

Ein persönliches Beispiel: Blutwerte. Ich habe hier einen anderen Blick als der Schulmediziner. Aber wir haben beide unsere Wahrheit – es ist nicht verkehrt, wie der Schulmediziner draufschaut, und es ist auch nicht verkehrt, wie ich als prophylaktisch und ganzheitlich langfristig orientierte Gesunderhalterin auf die Blutwerte schaue. Jeder hat einfach eine andere Brille auf. Wenn der Tierarzt sagt, die Blutwerte sind alle in Ordnung, schaut er mit seinem schulmedizinischen Blick, ob die Werte innerhalb der Referenz liegen – denn er schreitet ja ein, wenn Krankheit schon da ist. Sind die Pferde noch in der Referenz, sieht er noch keinen Handlungsbedarf, und so hat er das auch gelernt. Ich schaue mit einer anderen Brille darauf: Welche Tendenzen sehen wir? Sind die Werte im Optimalbereich, und vor allem, inwiefern ist das relevant – welche Symptome zeigt das Pferd? Wenn ein Pferd Symptome zeigt, die Blutwerte aber noch nicht komplett aus dem Rahmen sind, sondern nur tendenziell im oberen oder unteren Bereich liegen, kann das für mich in Verbindung mit den Symptomen und der Wahrnehmung des Pferdes trotzdem extrem relevant sein – auch wenn es dem Schulmediziner durch seine Brille vielleicht nicht so aufgefallen ist. Trotzdem ist keiner von beiden im Unrecht. Es ist immer die Frage, mit welcher Brille man schaut, und es gibt nicht nur eine Wahrheit.

Social Media und Stallmeinungen. Was dort als Wahrheit verkauft wird, ist oft nur Meinung und manchmal sogar Marketing. Der Lauteste gewinnt, aber nicht immer der Kompetenteste. Ich habe viele Therapeutenkollegen erlebt, bei denen ich denke: wow, so differenziert, so toll dargestellt – aber kaum Resonanz. Die wirklich relevanten Themen sind eben nicht immer die, die sich schnell konsumieren lassen und schnell sagen „so musst du es machen und so nicht“, sondern die, die das Ganze differenzierter darstellen. Wer Dingen auf den Grund gehen möchte, ist bei mir gut aufgehoben. Wer eine schnelle Lösung möchte und meine Herangehensweise nicht interessiert, ist bei mir nicht richtig – und das ist auch völlig in Ordnung, dann sollte er zu jemandem gehen, der die Dinge etwas mehr schwarz-weiß verkauft. Diejenigen, die Themen in der Tiefe betrachten, umsichtig und differenziert, bleiben mit ihrem Wissen oft eher leise – vielleicht auch, weil sie mit reißerischen Posts nicht mithalten können oder wollen.

Ich selbst kann keine schnellen Antworten auf Fragen geben und würde mich damit auch nicht wohlfühlen. Das ist auch ein Grund, warum ich WhatsApp abgeschafft habe: Es kam ständig eine schnelle Frage, auf die ich aber keine schnelle, sondern nur eine differenzierte Antwort geben kann. Daraus entstand dann oft ein riesiger Rattenschwanz an Hin- und Herschreiberei, der mich so eingenommen hat, dass ich meiner eigentlichen Arbeit nicht mehr nachkommen konnte. Deswegen mache ich stattdessen diesen Podcast, um auf bestimmte Themen hinzuweisen und darauf verweisen zu können.

Viele Menschen möchten heute schnelle und einfache Antworten, aber gerade im Gesundheitsbereich gibt es nicht immer Schwarz und Weiß. Viele Themen sind auch noch nicht ausreichend lange untersucht – und man darf sich auch fragen, wer eigentlich Geld in bestimmte Studien steckt und wer davon profitiert. Studien selbst finde ich immer spannend, aber man kann sie auch so gestalten, dass am Ende das Ergebnis herauskommt, das man gerne möchte oder gut verkaufen kann. Es ist immer eine Mischung aus Studien, Erfahrungsmedizin, Wissen und auch Intuition – wobei auch Intuition Wissen voraussetzt. Ich habe neulich einen Beitrag gelesen, warum man nicht intuitiv behandeln sollte. Dabei mache ich sehr viel intuitiv und fühle mich überhaupt nicht schlecht dabei, weil meine Erfahrung zeigt, dass das, was ich intuitiv mache, wirklich gut funktioniert. Intuition ist ja nicht „ich mache einfach irgendwas“, sondern ich greife dabei unbewusst auf meinen Erfahrungsschatz und mein Wissen zurück.

Nicht jedes Lebewesen spricht auf die gleiche, gut gemeinte Therapie gleich gut an – nur weil sie beim Boxennachbarn geklappt hat. Nur weil beim Nachbarpferd eine Akupunktur bei Husten super funktioniert hat, heißt das nicht, dass sie beim nächsten Pferd auch der Schlüssel ist. Und deswegen ist der Therapeut nicht automatisch schlecht, nur weil es beim eigenen Pferd nicht so gut geklappt hat. Das darf man etwas differenzierter betrachten.

Unklare Diagnosen. Moderne Bildgebung zeigt immer mehr, aber nicht alles, was sichtbar ist, ist auch relevant. Ich muss das, was bildgebend zu sehen ist, immer mit dem abgleichen, was das Pferd mir klinisch, symptomatisch zeigt – das macht Entscheidungen oft schwieriger. Nicht alles, was zu sehen ist, ist weniger wert: Ich kann Pferde mit massiven röntgenologischen Befunden erleben, die keine Symptome zeigen, und Pferde mit einem Top-Röntgenbild, die funktionell sehr auffällig sind. Mein Tipp: Akzeptiere, dass nicht alles an Auffälligkeiten und Funktionseinschränkungen bildgebend darzustellen und logisch nachzuvollziehen ist. Manchmal gibt es Zufallsbefunde – der Besitzer erfährt zum Beispiel, dass sein Pferd Veränderungen an den Facettgelenken der unteren Halswirbelsäule hat, aber vielleicht macht das dem Pferd gar keine großen Probleme. Da muss ich immer umsichtig schauen, ob das, was der Befund zeigt, zu den tatsächlichen Symptomen passt und ob es wirklich der Schlüssel ist.

Die Angst, etwas falsch zu machen. Der Pferdebesitzer liebt sein Pferd und möchte ihm nicht schaden – genau das setzt einen unter Druck, und jede Entscheidung fühlt sich plötzlich riesengroß an. Ein Beispiel ist die Suche nach dem richtigen Reitlehrer: Es gibt eine riesige Bandbreite an Angeboten und Trainingsansätzen, gerade auch an alternativen, und der Pferdebesitzer soll entscheiden, was das Richtige ist. Aus meiner Sicht ist dabei wichtig, dass nicht nur der Trainer eine gewisse fachliche Kompetenz mitbringt, sondern dass es auch von der Kommunikation und zwischenmenschlich passt – denn ich kann von Menschen am meisten lernen, zu denen ich eine persönliche Bindung aufbauen und mit denen ich gut kommunizieren kann, die mich ernst nehmen und nicht nur abarbeiten.

Unerlässlich ist außerdem, sich ein gewisses Grundwissen an biomechanischem Verständnis und an Verständnis für die Kommunikation der Pferde selbst anzueignen – denn Wissen hilft gegen Verunsicherung. Nur wenn ich selbst weiß, wie Reiten biomechanisch funktionieren kann und wie ich ein Pferd grundsätzlich dazu bringen kann, tragfähig zu werden, kann ich beurteilen, ob der Reitlehrer den richtigen Weg geht. Das ist natürlich nicht in allen Bereichen zeitlich möglich, aber wenn mich eine Frage wie „ist das jetzt der richtige Reitlehrer?“ wahnsinnig beschäftigt, lohnt es sich zu prüfen, ob man nicht besser etwas mehr Energie in eigenes Fachwissen steckt, statt sich jahrelang mit ständigem Wechseln und Unsicherheit aufzureiben. Es wäre unter dem Aspekt des Energieausgleichs oft besser, sich einmal vernünftig einzuarbeiten, um dann Sicherheit zu haben, ruhiger zu sein und in Ruhe zu entscheiden, für welchen Reitlehrer oder Trainer man sich entscheidet. Denn nicht die Trainingsrichtung ist entscheidend – also nicht die Frage, ob Dressur- oder Westernbereich –, sondern wie die Basisarbeit umgesetzt wird. Das hängt von der Biomechanik des Pferdes ab. Grundsätzlich sollte jeder Reitlehrer, der ein Pferd gerade richten, stellen oder biegen möchte, über einen gewissen Sachverstand zu den natürlichen Schwingungen der Wirbelsäule und den Bewegungsmöglichkeiten verfügen. Wann immer ihr merkt, dass ihr euch ewig Gedanken macht und trotzdem unsicher bleibt: Versucht, euch sachlich und weniger emotional in ein Thema einzuarbeiten und euch Sachverstand anzueignen. Das beruhigt sehr.

Teil 2: Ein Blick in die Psychologie

Verunsicherung entsteht nicht nur im Kopf, sie betrifft auch immer Herz und Bauch. Ein paar psychologische Mechanismen, die du kennen solltest:

Overload – die Informationsüberflutung. Zu viele Infos sind immer Stress fürs Gehirn. Es kann dann nicht mehr sortieren, was wirklich wichtig ist, und das führt zu innerer Unruhe und einer Entscheidungsblockade – und zu einem Konflikt, der, wenn er nicht gelöst wird, subtil im Kopf bleibt und Stress bereitet.

Kognitive Dissonanz. Zwei komplett widersprüchliche Meinungen erzeugen eine ganz natürliche Spannung – subtil im Hintergrund oder auch bewusst –, und wir versuchen, diese aufzulösen, oft durch Schwarz-Weiß-Denken oder Resignation: „Jetzt mache ich das eben so.“ Das kann aber wieder zu neuen Konflikten führen.

Sozialer Vergleich. Wir haben seit vielen Jahren die Möglichkeit, uns weltweit mit anderen – in meinem Fall Therapeuten oder anderen Pferdebesitzern – zu vergleichen, und das ist nicht immer gut. Social Media kann tolle Impulse geben, auch mir immer wieder, und mich dazu bringen, mich mit spannenden Themen tiefer zu beschäftigen. Aber es ist Fluch und Segen zugleich. Ich schaue mir nicht wahllos alle Beiträge an, sondern habe mir bewusst ein paar Accounts herausgesucht, in die ich gerne reinschaue, und nehme andere, bei denen ich merke, dass ich immer wieder in Konflikt gerate, bewusst raus. Auf Instagram sieht es oft so aus, als wüssten alle Bescheid – nur man selbst als Pferdebesitzer nicht. Das kann stark zu Selbstzweifeln führen und das Gefühl bestärken, nicht genug getan zu haben oder immer noch mehr tun zu müssen. Dann fährt kaum noch jemand entspannt zum Pferd – dabei helfen uns Pferde ja gerade, uns zu erden, denn sie sind im Hier und Jetzt. Durch Social Media und Medien geraten wir immer wieder in Dauerstress, mit dem Gefühl, Dinge nicht abgeschlossen zu haben.

Wenn man irgendwann komplett überladen von Informationen ist und es nicht mehr schafft, sie zu sortieren – auch weil einem dafür vielleicht das nötige Fachwissen fehlt –, ist es hilfreich, sich vertrauensvoll an ein paar Menschen zu wenden: Trainer, Therapeut, Tierarzt, bei denen man ein gutes Gefühl hat und auf die man sich verlassen kann, gepaart mit dem eigenen Sachverstand, der eigenen Intuition und der eigenen Wahrnehmung.

Teil 3: Eigene Erfahrungen

Ich bin kein Fan von Schwarz-Weiß-Denken, aber es gibt Dinge, die aus meiner Sicht unstrittig sind und trotzdem schwarz-weiß bleiben: Pferde brauchen Zugang zu Raufutter, und zwar den größten Teil des Tages, nicht nur ein paar Stunden. Ob das aber immer Heu sein muss, ist eine andere Frage – es gibt ja einen Grund, warum nicht immer nur Heu zur Verfügung steht und viel Heulage produziert wird. Heulage ist oft die einzige Option. Auch hier braucht es eine differenzierte Sichtweise und das Akzeptieren, dass es nicht immer perfekt geht.

Ich habe mal einen Artikel gelesen, über den ich mich sehr geärgert und eigentlich viel zu viel Energie hineingesteckt habe, mich aufzuregen. Es gibt diesen schönen Spruch von Vera F. Birkenbihl – sie ist mittlerweile schon verstorben –, die sagte: „Wenn du dich länger als 15 Sekunden über jemanden oder eine Aussage von jemandem aufregst, dann bist du selber schuld.“ Wenn ich das länger mache und die Sache sowieso nicht ändern kann, ist es meine eigene Schuld, weiter Energie hineinzustecken.

Konkret ging es um einen Beitrag, in dem eine Futterberaterin Gesteinsmehle als absoluten Quatsch bezeichnet hat – gleichzeitig aber zugegeben hat, damit noch keine praktische Erfahrung gemacht zu haben und sie auch nie verwenden zu wollen. Auf Nachfrage konnte sie ihre Ablehnung gegenüber den Gesteinsmehlen biochemisch nicht erklären. Ich hatte vorsichtig, in einer privaten Nachricht, nachgefragt – es kam nichts zurück. Das empfinde ich als problematisch, weil aus meiner Sicht mit der Angst gespielt wurde. Und dann kommen Pferdebesitzer zu mir und sagen: „Denise, du hast mir aber das Gesteinsmehl empfohlen bei meinem Pferd, und jetzt habe ich gelesen, das soll ganz, ganz schlimm sein.“ Das finde ich schade. Hätte sie geschrieben „meine Erfahrung zeigt immer wieder, dass dies und das passiert“, wäre das etwas anderes. Aber zu sagen, das sei das Schlimmste, was man als Pferdebesitzer machen kann, ohne selbst je Anwendungserfahrung gemacht oder sich tiefer mit dem Thema – auch mit den Gegenpositionen – beschäftigt zu haben, finde ich wirklich problematisch. Da sollte man vorsichtig mit Urteilen sein. Es gibt den Spruch: „Wenn du keine Ahnung hast, dann …“ – da ist schon etwas dran. Es gibt einige Themen, bei denen ich merke, dass ich selbst keine Ahnung habe, und dann halte ich lieber meinen Mund.

Dieser Beitrag der Futterberaterin wurde – ohne dass ich hier eine Kollegin schlechtmachen will, es dient nur als Beispiel – ohne Ende geliked und geteilt, was für mich absolut unverständlich war, auch wenn er marketingtechnisch sehr klug formuliert war. Ich hatte den Eindruck, dass hier stark mit Emotionen gespielt wurde, um Angst zu verbreiten und Aufmerksamkeit zu bekommen – mit Sicherheit nicht bewusst von der Erstellerin, aber es funktionierte trotzdem. Für mich war die Konsequenz: Ich will mich darüber nicht mehr aufregen, schaue nicht weiter auf die Seite und distanziere mich davon. Was nützt das Aufregen? Es gibt andere Themen, in die ich meine Energie stecken möchte. Die wirklich guten Fachleute sind eben nicht immer die lautesten und nicht diejenigen, die mit der Angst der Pferdebesitzer spielen.

Teil 4: Was hilft gegen die Verunsicherung – fünf konkrete Strategien

1. Informationsdiät. Begrenze dich auf zwei bis drei vertrauenswürdige Quellen und überlege dir, was du wissen willst und warum. Konsumiere gezielt, nicht impulsiv. Versuch, deinen Impulsen beim Social-Media-Scrollen nicht einfach zu folgen, gestalte deine Zeit dort bewusster, und mach auch gerne mal einen Detox, bei dem du aussortierst, was dich verunsichert.

2. Erinnere dich an die 15-Sekunden-Regel. Wenn du dich länger als 15 Sekunden über eine Person oder Aussage aufregst, ist das deine eigene Entscheidung – und damit auch deine eigene Verantwortung. Verschwende keine Energie an Themen, die dich nur verunsichern.

3. Mach Pausen zur Verarbeitung. Lies und lerne, aber mach danach wirklich eine Pause: geh spazieren, sei bei deinem Pferd, sei mit deinem Pferd, auch mal ganz ohne neuen Input. Pferde und Tiere sind stark im Hier und Jetzt verankert, haben in der Regel keine Erwartungshaltung und reagieren immer angemessen auf die aktuelle Situation. Sie können uns enorm helfen, ebenfalls im Hier und Jetzt anzukommen, statt in Vergangenheit oder Zukunft zu hängen. Ich glaube auch, dass Pferde unsere Emotionen zu einem gewissen Grad übernehmen, weil das für sie überlebenswichtig ist – wenn wir dauernd gestresst sind und nur auf die Schwächen unseres Pferdes fokussiert sind, tut das seiner Gesundheit auch nicht gut.

4. Das Drei-Körbe-Prinzip. Sortiere Informationen, die du aufnimmst, in einen von drei Körben: Korb 1 – „das klingt plausibel, das will ich vertiefen“. Korb 2 – „interessant, aber damit beschäftige ich mich später“. Korb 3 – „das ist mir unklar und emotional zu aufgeheizt, weg damit“, raus aus dem Kopf. Bei mir war das Thema Gesteinsmehle so ein Korb-3-Fall: zu emotional aufgeheizt, zu einseitig dargestellt – weg damit.

5. Beobachte deine Gefühle, statt sie zu verdrängen. Wenn du merkst, dass du dich getriggert fühlst, frag dich, was genau dich verunsichert: Ist es der Inhalt, oder ist es das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, das dir vermittelt wird? Beobachte deine Gefühle, akzeptiere sie, aber verdränge sie nicht – und kultiviere gleichzeitig deine Intuition. Dein Bauchgefühl ist nicht dein Feind, sondern dein Kompass. Intuition und Grundwissen zusammen geben eine starke Entscheidungskraft: Je mehr Wissen wir haben, desto weniger lassen wir uns verunsichern, gepaart mit Intuition und Wahrnehmung.

Ich werde euch in dieser Folge keine Antworten darauf geben, was richtig oder verkehrt ist und wann Schwarz-Weiß-Denken angebracht ist. Aber ich hoffe, euch ein paar Impulse gegeben zu haben, und möchte euch ermutigen, nicht nur auf die Schwachstellen zu schauen, sondern auch auf das, was gut läuft.

Zum Schluss noch ein Beispiel: Ich hatte gestern ein Pferd, das mir vorgestellt wurde – eine große Friesenstute, die ich zwei Jahre nicht gesehen, aber schon seit zehn Jahren gekannt habe. Vorgestellt wurde sie mir von einer immer besorgten Pferdebesitzerin, die sich schon sehr viel Wissen angeeignet hat. Ich sah das Pferd sich bewegen und dachte nur: wow, 20 Jahre alt, das sieht wirklich toll aus. Das war mein erster Eindruck. Natürlich schaue ich mir auch an, wo Schwachstellen sind, aber ich habe der Besitzerin zuerst gesagt: „Die bewegt sich aber wirklich gut, du hast da schon ziemlich viel gut gemanagt – sie läuft fast besser als vor fünf Jahren.“ Das hat sie sehr gefreut, und sie war ganz perplex, dass ich zuerst etwas Positives herausgehoben habe. Sie erwiderte: „Ja, aber diese eine Stelle an der vorderen Sattellage, da habe ich das Gefühl, das Pferd baut nicht richtig Muskulatur auf.“ Natürlich bin ich dann auch auf diesen Bereich eingegangen, habe aber versucht, sie zu ermutigen, auch auf das zu schauen, was gut ist, und sich nicht zu sehr verunsichern zu lassen, sondern das Ganze mit Sinn und Verstand einzuordnen: Hier sind 90 Prozent wirklich, wirklich super, und das sind lediglich die 10 Prozent, die wir noch optimieren können. Damit ist sie schon ziemlich weit vorne.

Du darfst selbst lernen, Informationen zu sortieren. Du darfst auch mal Nein sagen zu Schwarz-Weiß-Denken und zum Stallnachbarn, der dir ungefragt immer wieder Tipps gibt – das mag ich selbst absolut nicht. Erkläre Dinge für Menschen, die es wissen wollen, aber es ist auch immer die Frage, wie eng man zu jemandem steht, um ihm etwas über sein Pferd sagen zu dürfen – tierschutzrelevante Dinge natürlich ausgenommen. Ich finde, viele posaunen zu viel Halbwissen heraus, manchmal gut gemeint, aber manchmal auch etwas grenzüberschreitend.

In einer der nächsten Folgen geht es um die Frage, wie du deinen Sinnen vertrauen kannst, um Pferdegesundheit mit allen Sinnen wahrzunehmen. Bis dahin freue ich mich über eine positive Bewertung meines Podcasts und über eine Weiterempfehlung dieser oder einer anderen Folge. Bleib bei dir, bleib bei deinem Pferd, bleib im Hier und Jetzt.

Deine Denise.